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Samstag, 27. Juni 2009
philit, Samstag, 27. Juni 2009, 01:02 Die Koinzidenz von Wetterlage und discus prolaps zwingt mich zum Aufgeben. Der Zustand unhaltbar. Im Zweifelsfall muss ich morgen den Weg des geringsten Widerstandes berechnen, mit dem das Wasser durch das Haus fließt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 15. Juni 2009
philit, Montag, 15. Juni 2009, 01:15 Ich muss mein Aussehen ändern. Dabei ist dasselbe nach meinem Dafürhalten keineswegs vertrauenserweckend, wenigstens prospektive Schwiegermütter verbringen ihre Nächte nicht mit sehnsuchtsvollem Träumen nach meiner Wenigkeit. Wobei, nichts weiß man. In jedem Fall hab ich irgendetwas Freundliches, Zutrauenerweckendes. Warum erzählt der seltsame Vogel an der Supermarktkassa ansonsten ausgerechnet mir - und nur mir - dass er für seinen Freund ein Heimwerkerset zu kaufen gedenkt? In Silber, weil der Freund Silber so gerne mag. Die Schlange ist lang und mir schwant Böses. Ich hypnotisiere die Tomaten im Einkaufswagen, fixiere Katzenfutter und Milch, sortiere um. "Silber ist wirklich schön, gefällt mir auch", hör ich von hinten, er habe einen silbergrauen Wagen (ich nicke verständnisvoll), während ich Erdäpfel und Radieschen bedeutungsvoll in der Hand wiege wie Yoricks Schädel, Milch wieder nach unten, Eis drauf, die Teigwaren rechtwinkelig zum Schokoriegel ausrichten. Das Haar würde auch schon silbrig - und weil ich Augenkontakt wegen der zu erwartenden weiteren Kalamitäten tunlichst zu vermeiden suche, tippt er mir auf die Schulter. Ich muss das Gesagte überprüfen und die Behauptung verifizieren, da führt kein Weg mehr vorbei. Und blicke in seine grinsende Omme, er tippt sich an die Schläfen, silber, grau, er nickt bedeutungsvoll. In der Hand 3 Dosen - silberfarben, irgendein Energy-Drink. Kein Heimwerkerset. Blöd bin ich nicht, nur nicht nachfragen. Er möge doch vorgehen, er wehrt ab, drängt sich dennoch am Einkaufswagen vorbei. Vorne das Übliche, ältere Herrschaften, die 2,79 Euro aus dem Portemonnaie zählen, zu zählen versuchen - bei 2,71 ist Schluss. Also doch der 10 Euro Schein. Pincodes, die nicht entsprechen, aufgeplatze Joghurtbecher, die ersetzt werden müssen, eine Dame, die versehentlich nicht Bio-Freilandeier sondern Bioeier aus Freilandhaltung erwischt hat und daher aufgeregt nach hinten stürmt, Entschuldigungen murmelnd. Und ich werde nun entgegen meiner Überzeugung doch der Blödheit überführt: Denn vor mir stehend dreht sich der Silberfetischist einfach zu mir um und meine ersten esoterischen Gehversuche die Transsubstantiation der Radieschen betreffend muss ich en face durchführen. Er redet immer noch vom Heimwerkerset und ich seh bloß drei Dosen. An der Kassa klärt sich die Lage: Denn erst dort nimmt er zum Verkaufspersonal Kontakt auf, erzählt von im Regal befindlichen weißen und schwarzen, hingegen bloß auf Werbeplakaten angekündigten silbernen Sets. Die Dame verschwindet, kontaktiert den Verkaufsleiter, das Eis im Wagen schmilzt und die Radieschen rühren sich nicht von der Stelle, keine Verwandlung, nichts. Kassendame erscheint mit Heimwerkerset. Ob das in Silber sei? Sie bejaht, er bezweifelt, sie insistiert, er huldigt immer noch einer skeptischen Tradition. Meine Radieschen bewegen sich, endlich, aber es liegt an der modernen Technik des Förderbandes, einmal will man sich metaphysisch einlassen, das Herz offen, bereit jedwedes Wunder zu schauen (ich wäre auch mit einer simplen Marienerscheinung zufrieden gewesen) - nichts. Aus der Metaphysik erwächst kein Trost, es stand zu befürchten. Hinter der Kassa erwartet mich - ja, er. Ob ich ein Messer hätte? Eine verfängliche Frage, wüsste er um meine Gedanken, er stellte sie nicht. Ich gebe vor zu bedauern, könne nicht dienen mit Schneidewerkzeugen aller Art. Er hält mir den Karton vor die Augen, vertritt mir den Weg und ich beginne den Ausgang einer möglichen körperlichen Auseinandersetzung abzuschätzen. Da er offenbar messerlos durchs Leben schreitet, stehen meine Chancen gut, ich bin kräftig, durchtrainiert, nur meine Bandscheiben verhindern Würfe mit Rückenbelastung oder einen Doppelnelson. Er müsse den Karton öffnen - schauen ob das in Silber ist. Mein Blick wird glasig, ich habe ein Gesicht, das zweite, dritte - und mit rauer Stimme aus tiefsten Tiefen entfährt es mir: Ich seh's, es ist silber. Die Stimme, die Augen, der Blick? Er weicht zurück, nickt, nickt nochmals und geht. Ich folge, so etwa müssen sich Schauspieler aus Omen I bis XXL gefühlt haben, ich glaube beinahe selbst an meine übersinnlichen Fähigkeiten. Draußen --- er. Sieht mich, winkt, "und wenn's weiß ist oder schwarz, dann tausch ich's halt um ..." - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 3. Juni 2009
philit, Mittwoch, 3. Juni 2009, 13:40 Der Begriff Naturschutz ist selbstredend Unsinn. Bestenfalls muss man die Natur vor den Naturschützern schützen. Aber auch das Wortgeklingel, die Natur braucht uns nicht, nicht unseren Schutz, sie verhält sich uns gegenüber vollkommen gleichgültig. Auf ein paar Millionen Arten mehr oder weniger kommt es ihr nicht an - und wenn unter den ausgestorbenen sich zufällig eine bestimmte Primatenform befinden wird, so werden es die anderen Arten dankbar zur Kenntnis nehmen. Wenn wir von Naturschutz sprechen, dann ist immer und ausschließlich von Menschenschutz die Rede. Deshalb entbehren viele Diskussionen nicht einer gewissen Kuriosität, wenn nämlich der, um den es einzig geht, so gar nicht geschützt werden will, wenn er sich dadurch eingeengt und drangsaliert fühlt, weil ihm das Leben nur mit einem gehörigen Maß an Selbstzerstörung und damit dem Untergraben der eigenen Grundlage lebenswert erscheint. Der Anhang sapiens ist ein zweifelhafter - und er ist zumeist unberechtigt. Man sollte bloß von der Möglichkeit sprechen, von einem Lebewesen, das die Potenz zur Rationalität besitzt, von derselben aber zumeist gar nichts wissen will. Intelligenz hat - auch - immer etwas mit Vorausschau zu tun, mit dem Abwägen von Alternativen, mit Entscheidungen, die eben nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden. Sondern mit dem tatsächlich dazu vorgesehenen und theoretisch verwendbaren Organ. Nun aber ist ersterer nicht nur zumeist sehr viel umfänglicher, auch nimmt er in der Hierarchie des in Frage stehenden Primaten eine wesentlich wichtigere Stellung ein. Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, auch das meiste andere wird zuerst gekaut und vorverdaut und was an Interessen übrig bleibt, wird von den knapp unterhalb des Gedärms gelegenen Organen absorbiert. Wenn allerdings der vermeintliche Naturschutz vor der Haustür stattfindet oder vielmehr nicht stattfindet, wenn der Bauchmensch seinen grünen Ziergarten dahinwelken sieht, wenn er das Chemiewerk um die Ecke riecht und wegen möglicher Intoxikation das Fenster zu schließen gezwungen ist - oder wenn direkt vor seiner Nase die 100 Meter hohen Schlote einer Müllverbrennungslage gebaut werden sollen, dann, ja dann startet er seinen SUV und tritt das Gaspedal durch, um rechtzeitig zur Demonstration gegen diese Ungeheuerlichkeit zu erscheinen. Denn zwischen Dreckproduzieren und Dreckverbrennen vergeht Zeit, viel Zeit - und zum Denken wird dieselbe mitnichten benutzt. Im Gegenteil, man vergisst und verdrängt, man beschwert sich nicht mit unnötigen Erinnerungen an die unzähligen Leergebinde, die in die Mülltonnen gestopften PVC-Mengen, man entsorgt sowohl das Gedächtnis als auch die täglich im Konsumwahn anfallende Problemstoffmenge. Und man würde jeden Zusammenhang zwischen dem eigenen Tun und dem zu errichtenden Schornstein weit von sich weisen. Hier also wird derzeit protestiert, es wird zu Recht protestiert, aber von unberufener Seite. Wenn sich einer den Weg zur Friedensdemonstration freischießt, kann er nicht wirklich auf Glaubwürdigkeit zählen, "bombing for peace is like fucking for virginity" hieß es schon in Vietnamzeiten. Heute rückt man in der vollen Uniform des Konsumtrottels aus im Kampfe gegen den Konsum - und vor allem gegen die unvermeidlichen Reste desselben. Im übrigen ist nur ein partieller Ausfall des logischen Denkens festzustellen: So hört man allenthalben, dass man gegen andere Standorte sehr viel weniger einzuwenden hätte. Unter der Voraussetzung, dass sie möglichst weit entfernt liegen. Oh Heiliger Florian ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 1. Juni 2009
philit, Montag, 1. Juni 2009, 22:17 Wenn man in fortgeschrittenem Alter auch nur in Ansätzen mit Hesses Büchern in Berührung kommt, beginnt man das Ausmaß an Verzweiflung zu ahnen, dem das Nobelpreiskomitee im Jahre 1946 ausgesetzt war. Irgendwo einen politisch unverdächtigen - nicht links, nicht rechts, eigentlich nirgends - stehenden Schriftsteller aufzutun, der „für seine inspirierte Verfasserschaft, die in ihrer Entwicklung neben Kühnheit und Tiefe zugleich klassische Humanitätsideale und hohe Stilwerte vertritt“ geehrt werden kann. Hätte man nicht nach der - zurecht unbekannten Gabriela Mistral im Jahre 1945 - einen zentralafrikanischen Poeten finden können, dem mit dem Geld wirklich geholfen gewesen wäre? - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Donnerstag, 28. Mai 2009
philit, Donnerstag, 28. Mai 2009, 19:05 Im Grunde langweilt mich jede Diskussion über den Gottesbegriff, die Götter nebst esoterisch-modernistischen Abkömmlingen. Das sperbersche Wort vom "Sacrificium intellectus" ist hier angebracht - und ich stelle - älter werdend - fest, dass das Opfer zu groß ist. Daher schwanke ich beim Lesen solcher Bücher zwischen Staunen und Bewunderung: Staunen darüber, dass ein intelligenter Mensch den mediokren Ausführungen Hans Küngs über Gott ein ganzes Buch zu widmen bereit ist; und Bewunderung dafür, dass er diese Sisyphosaufgabe übernimmt. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob die Aufgabe es überhaupt wert ist, übernommen zu werden. Es gibt Themen, über die zu diskutieren nicht lohnt. Erklärungen, dass Ausländer, Homosexuelle und Frauen - auch - Menschen sind, bleiben unabhängig von der Richtigkeit der Behauptung ein mühsames und redundantes Geschäft. Ich weiche dem aus, wo immer ich kann, ich toleriere (im lat. Wortsinne des Ertragens und Aushaltens), weil mir anderes nicht übrig bleibt. Dennoch stellt sich die Frage, ob man nicht für solch selbstevidente Einsichten kämpfen sollte. Religion (und alle verwandten Gottesvorstellungen) gehören dazu; sie zu bekämpfen mag noch mehr zu einer besseren Welt beitragen als die Auseinandersetzung mit den oben erwähnten Vorurteilen. Andererseits: Was reden mit einem erwachsenen Menschen, der da glaubt, ein hebräischer Wüstengott habe durch Fingerschnippen vor 13,8 Milliarden Jahren via Quantenfluktuation (oder auch anders) das Universum erschaffen, sich dann zur Ruhe begeben, um vor 4000 Jahren einigen halbverdursteten und delirierenden Beduinenfürsten zu erscheinen; der schließlich den Heiligen Geist (oder einen Erzengel, so genau erinnert man sich heute nicht mehr) auf ein Hirtenmädchen loslässt und dieses schwängert (bei unversehrtem, später kanonisiertem Hymen), um sich einen Sohn zu verschaffen, den er alsbald umbringt, damit andere (selbst Ungeborene) von irgendwelchen Sünden befreit werden? Was also soll ich dem erklären, sagen, wie ihm beibringen, dass er möglicherweise mit solchem Glauben auf dem Holzweg ist? Man könnte nun meinen, dass keinem Heranwachsenden der Glaube an den Osterhasen genommen werden sollte. Das stimmt - und stimmt doch nur so lange, bis der Osterhasenanhänger seinem Glaubensbruder, der neuerdings beschlossen hat, dass die Löffel des angebeteten Tierchens lila zu sein haben, die Birne wegpustet. Weil das ein Sakrileg und lila bestenfalls die Schnauze ist. So lustig das klingt, aber der Streit ums sprichwörtliche Iota oder das verschiedene Ausmaß der Zauberei bei der Transsubstantiation sind nicht weniger absurd. Für die Iren Anlass genug, dem anderen wegen derart fundamentaler Auffassungsunterschiede die Rübe einzuschlagen. Und so fort - ad infinitum. Daher vielleicht doch Bewunderung für Hans Albert ... Vom Buch selbst zu berichten lohnt kaum. Nicht, weil es so schlecht geschrieben wäre, sondern weil man eben nicht viel Neues erfährt. Küng bedient in seinen beiden Büchern (die von Albert referiert und ausführlich zitiert werden) offenbar alle Klischees und vermeintlichen Argumente (von der "Schau" Gottes und der damit verbundenen "tieferen" Wahrheit bis zu den unredlichen Argumentationsmustern, die den Leser zwischen zwei Alternativen wählen lassen: Eine zu Selbstmord und Verzweiflung führende nihilistische - und eine zum christlichen Gott führende) - und Albert seziert das Ganze, widerlegt es mit großer Geduld, wohl auch deshalb, weil Küng mehrfach auf den "Kritischen Rationalismus" Bezug nimmt (den er, Küng, offenbar nicht verstanden hat). Und da sich Albert einer genauen, verständlichen Sprache bedient, liest sich das Ganze sehr gut und angenehm - allerdings immer mit dem Gefühl, dass man auf wirklich Neues bei diesen Widerlegungen vergeblich wartet. Zurück bleibt nur die Frage, ob ein solches Lesen, eine solche Auseinandersetzung sich lohnt, ob der Aufwand gerechtfertigt ist, sich so ausführlich mit den Positionen von Religions- und anderen Dummheiten auseinanderzusetzen. Bejaht man diese Frage, so bleibt nicht viel Zeit; verneint man sie, überlässt man doktrinären Idioten das Feld. Die, ließe man sie ohne Widerspruch gewähren, mir meine Existenz bzw. das Schreiben solcher Beiträge unmöglich machen würden. - - - - ... Link (2 comments) ... Comment Donnerstag, 21. Mai 2009
philit, Donnerstag, 21. Mai 2009, 16:51 Ich mähe nicht oft. Und schon gar nicht in Grenznähe. Denn eine Grenze ist eine Grenze ist eine Grenze ... Und jenseits derselben ein Nachbar. Der auch mäht. Und winkt. Und von seinem Rasentraktor springt (während ich ein eher antiquiertes Gerät mein eigen nenne, dass kraft meines zweifelhaften handwerklichen Geschicks immer noch - oder trotzdem - funktioniert). Insinuatio. Hinweis auf Wetterlage, Sonnenstand, Niederschlagsmenge, Grasbewuchs. Ich konstatiere bei meinem Gegenüber einen Rasen, der jedem Wimbledon-Gärtner die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste. Abwehr, zu viel des Lobs. Mein hilfloser Versuch, einige Teile der partes orationis zu überspringen und stante pede zur conclusio zu kommen, fällt der Ignoranz anheim. Da ich seine xenophobischen Neigungen kenne, versuche ich das Gespräch im Grünbereich zu halten. Vergebens. N(achbar): Wennst wos werden willst, musst schwul sein. Ich: ??? N: Na beim ORF, alle schwul. Ich: Alle?? N: Alle! Sonst kummst goa net eini. (Stutzt, lacht über den Doppelsinn.) Eini, hihi. Ich: Schad, so wird's nix mit meiner journalistischen Karriere. N: Wannst net schwul bist Ich: Glaub nicht. N: Waß ma nie. Hier nun ein beredter Exkurs über einen (ehemaligen) Freund, der sich wider Erwarten als homosexuell entpuppt hat. Allerdings äußert er den Verdacht, dass dafür seine Exfrau den Hauptgrund geboten hätte, deren charakterliche als auch optische Erscheinung jedes Arschloch ("hehe") als begehrenswerte Alternative erscheinen lasse. N: Überhaupt, wennst net schwul bist ... wie die Lunacek Ich: Wer? N: Na, die Lunacek, die Grüne ... Ich: Schwul? N: Lesbisch. Ich: Beim ORF? N: Na, bei die Grünen. Ich: Dort auch alle schwul? N: (offenbar erfreut über meinen Scharfsinn) Alle! Ich: Ich glaube zwei zu kennen, die nicht schwul sind ... N: Des was ma nie! Ich: Gibt sicher viele Grüne beim ORF! N: Jo, genau! (Meine rasche Auffassungsgabe schlägt zu seiner Zufriedenheit aus). Beim ORF, schwul, naja und die Grünen sowieso. Und dann der Life-Ball, da gengans hin, treibens sas auf der Strassn und habn dann Aids. Wär goa net notwendig, gibt jo Gummi. Ich: Die haben alle Aids am Lifeball? N: Alle! (überlegt) Vüle. --- Naja, die meisten schon. Sunst gehst net hin. - Gangast du am Life-Ball? Ich: Eher net. N: (triumphierend) Siachst!! Weilst net schwul bist und net Aids host. Meinen dezenten Hinweis darauf, dass mich weder die Kopulationstechniken Hetero- noch Homosexueller wirklich interessieren, wischt er beiseite. "Di mecht i segn, waunn da ana am Oasch greift!" Das passiere hauptsächlich Frauen, so ich - und die Akteure seien vermutlich nicht schwul. Er hält inne, grinst. "Jojo!" Allerdings sollte man in solchen Gesprächen die Klappe halten, um nicht unliebsame Assoziationsketten auszulösen. Was andererseits keine große Kunst ist, scheinen die xenophobischen Symbole doch gleichmäßig über das Großhirn verteilt. Ich habe Sehnsucht nach Rasenmähen. N: Wia ba die Auslända. Ich: Schwul? N: (lacht) na (denkt) ole sicha net. Ich: Grün? N: Bledsinn (von meinem Scharfsinn nicht mehr wirklich überzeugt) De kumman einbrechen. Ich: Bei uns? N: Sicha! Hier gab es in den letzten 20 Jahren einen Einbruch: Verübt von einem Österreicher aus dem Nachbardorf. Von solchen Spitzfindigkeiten lässt sich mein Nachbar allerdings nicht beeindrucken, viele habe er gesehen, "Ausländer, über mein Grundstück", weil dahinter ja gleich die ungarische Grenze; gestanden seien sie, geschaut hätten sie und wenn er nicht mehrmals die Polizei gerufen hätte, wer weiß ... Außerdem hätte er zwei Pistolen --- gehabt, früher sei es ja noch ärger gewesen - und überhaupt. --- "Häufigste Todesart bei Einbruch: Erschossen mit der eigenen Waffe" konstatiere ich, wie ich überhaupt zur Annahme neigen würde, dass die besagten Flüchtlinge (sofern nicht Ausgeburten einer blühenden Phantasie, da die Polizei trotz mehrmaliger Verständigung niemals eines suspekten Individuums ansichtig wurde) wesentlich mehr Angst vor ihm als umgekehrt gehabt hätten. Andererseits: Seine Furcht in Betracht ziehend bin ich mir diesbezüglich nicht so sicher. Dies ist einer von 6,75 Milliarden Gründen, weshalb die Zahl meiner Sozialkontakte (was mir manchmal von berufener Seite vorgeworfen wird) bescheiden zu nennen ist. Verständnisheischend - s. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Sonntag, 17. Mai 2009
philit, Sonntag, 17. Mai 2009, 14:35 Man kann zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Menschentypen unterscheiden: Jenen, die in ein Haus oder eine Wohnung ziehen, um dort zu "gestalten", die in Aktivismus verfallen zwischen dem Kleben riesig-rosenroter Rautentapeten oder aber nach dem Studium diverser Wohnzeitschriften (man braucht - neben Psychoratgebern zum besseren Sein mittlerweile auch solche, die einem das Wohnen erklären) in den Fluchtpunkt des Korridors ein Kandinskygemälde hängen, dass zur Sommersonnenwende um Punkt 8 Uhr früh von den ersten Strahlen beleckt wird. So erinnernd an die Pyramiden von Cheops und Sneferu, deren Grabkammern vom Lichtstrahl des Polarsterns bei seiner unteren Kulmination getroffen werden. Natürlich geht's auch chinesisch, wo unter anderem Löcher in Gebäuden konstituierend sind, Löcher zum Durchzug - nicht der frischen Luft wegen (dort, wo auf derlei geachtet wird ist es mit frischer Luft ohnehin nicht weit her), sondern um diversen bösen Geistern den Aufenthalt unleidlich zu machen. Weil das Ganze chinesisch (= exotisch-interessant) ist, wird diese Perforation mit gebührender Achtung betrachtet. Ich gehöre - zum Einleitungssatz zurückkehrend und wie der geneigte Leser zu vermuten mittlerweile allen Anlass hat - nicht in diese Gruppe, ich wohne bar jeder Gebrauchsanleitung und überlasse - bescheiden wie ich bin - der Natur ihren Gestaltungswillen. Wenn ich in meinem Wohnraum auf einem recht unkünstlerischen Sessel gegenüber einer dekorationsfreien weißen Mauer sitze und die Nase in ein Buch stecke, so sind meine Gedanken in demselben, erwägen nicht die Möglichkeit, dort ein Bild, hier eine Designvase und die Wand überdies mit pastellgrünen Punkten zu bekleckern. Und noch viel mehr ist mein Gestaltungswillen auf den zigtausend Quadratmetern um mich herum - die einzig optisch-akustischer Schutzschild sind, zumeist grün (im Winter weniger), manchmal blühend, im Herbst sich verfärbend - ein überaus beschränkter, mir ist nicht danach, mit der Natur wettzueifern, dort ein Gärtchen, hier eine Allee, dann wieder ein Boskett, einen Springbrunnen oder eine mit Kräutern gespickte Gartenzwergversammlung entstehen zu lassen. Ich will sein, einfach nur sein, eine Liege im - selten - gemähten Gras, nichts weiter. Was schlicht unvorstellbar ist, hat doch kaum je ein Besucher sich nicht zur Bemerkung hinreißen lassen, was man denn hier nicht "alles machen könne". Also: Ich will nichts machen, das Roden haben meine Vorfahren in der Jungsteinzeit für mich dankenswerter Weise übernommen, im Weingarten werden Trauben von Hagebutten und Brombeeren sukzessive ersetzt - und ich, jedem Alkohol abhold, habe nichts dagegen einzuwenden. Bei mir wächst es sich demokratisch, der Buchsbaum gleichberechtigt mit dem wilden Hollunder, pinus sylvestris neben pyrus communis (und das ist nun eine Referenz an einen lang Verstorbenen, einem, der dafür Verständnis gehabt hätte). Ich bitte daher abzusehen von Vorschlägen aller Art, wie ich mir (dem nach herkömmlicher Meinung einfach langweilig sein muss) die Zeit vertreiben könnte mit "machen", mir ist mitnichten danach - und schon gar nicht nach der völlig redundanten Tätigkeit des Ausreißens und Wiedereinsetzens. ![]() Im übrigen: So sieht's aus. Schön - wie ich finde, aber selbst wenn dem nicht so wäre: Schönheit (oder was sinistre Ästheten darunter verstehen) wird überbewertet. Wenn ich nun aber aus oben erwähntem Buchsbaum einen Hinkelstein schnitze: So gewinnt der Garten nach meinem Dafürhalten keinen Deut ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 9. Mai 2009
philit, Samstag, 9. Mai 2009, 15:35 Herr Steinbrück hat, wie ich mit der gebotenen Verspätung erfahre, das Land der großen Söhne und Berge und Täler in einem Atemzug mit der Schweiz, Liechtenstein - und subsummarisch unpassend - der Hauptstadt von Burkina Faso genannt. Deren Name mir als einem der wenigen Österreicher geläufig sein dürfte, weil schon als Kind eine meiner liebsten Lektüren die politischen (weil farbigen!) Karten im Weltatlas waren. Die seltsame Aufzählung ist offenbar einem literarisch-sprachlichen Kunstgriff geschuldet, Ouagadougou klingt fast so lustig wie Itzpapalotltotec oder Huitzilopochtli und steht wohl als Synonym für "rückständig-abgelegene Bananenrepublik", wenngleich ich aufgrund der geographischen Lage vermute, dass es mit Bananen in der südlichen Sahara nicht weit her sein wird. Was mir - wie wohl allen anderen - unbekannt war, ist die Tatsache, dass es sich bei Ouagadougou um ein Finanzzentrum mit Schwarzgeldkonten handelt. Wenn aber dem nicht so ist (was der Wirklichkeit vermutlich recht nahe kommt) - wer schützt dann Burkina Faso nebst Hauptstadt vor so unziemlichen Vergleichen mit Ländern wie den einleitend genannten? Was kann dieser Staat (dessen Übersetzung „Land der ehrenwerten Menschen“ bedeutet) dafür, dass seine Hauptstadt in den Ohren der westlichen Finanzwelt einen so exotisch-reizvollen Klang besitzt? Und deshalb mit intriganten, verbrecherischen Finanzsystemen in Zusammenhang gebracht wird? Und so kann man nur unterstreichen, dass Herr Steinbrück sich für diese seine Äußerung entschuldigen, Abbitte leisten sollte wegen des unstatthaften Vergleiches. Nebenbei aber legen solche Vergleiche die Schichten eines Denkens frei, die jede aufgeschlossene Regierung längst überwunden zu haben vorgibt: Der Vergleich mit einem "Negerstaat" ist für das Gegenüber in jedem Fall eine Beleidigung. Hierin sind sich Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein wieder einig. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Freitag, 8. Mai 2009
philit, Freitag, 8. Mai 2009, 20:26 was, glaubst du, bedeutet die 95 auf meinem Briefkasten? Körbchengröße, eine ins Kraut geschossene Lottozahl? Ist die Kenntnis alphanumerischer Zeichen kein Aufnahmekriterium bei der österreichischen Post? Welche Ursuppe hat dich, geistige Monade, geboren, dass du es einfach nicht schaffst, Sendungen mit meinem Namen, meiner Adresse in das dafür vorgesehe Behältnis zu werfen? Oder seid ihr einfach alle verwandt, inzüchtige Versippung, weil es ja auch dem Paketzusteller seit 4 Jahren nicht gelingt, die richtige Adresse zu finden, und seine Sendungen bei mir unbekannten Nachbarn deponiert, welche hinwiederum einen Fußmarsch unternehmen, um bei mir die Pakete zu hinterlegen? Oder die Schalterbeamte in P., seinerzeit, die ich unverständlicherweise mit einer Überweisung behelligte? Angestellte: Hmmm. Des geht jetzt net Ich: So? Was geht nicht? A: Na des do (mit dem Finger auf den Bildschirm weisend), des geht net. Ich: (schulterzuckend) - Und jetzt? A: (schwer seufzend) i probia no amoi. (Tippt mit einem Zeigefinger ...) Später, viel später: Des geht net Ich: Hmmmmmm? A: (Dreht plötzlich den Monitor zu mir) Schaun's, do geht's net weida. Wos sull i do eingebn? Sie hat mich gefragt, ernsthaft. Da mir der Beruf eines Postoberoffizials nie wirklich erstrebenswert erschienen war, wies ich die Dame freundlich darauf hin, dass ich gewillt sei, meine Auseinandersetzung mit den Tücken der postalischen Software irgendwann später nachzuholen. Ob es denn niemanden gäbe, der den ungeheuren Anforderungen gewachsen wäre, eine Überweisung vorzunehmen. Nein, meinte sie, sie sei allein. Der zufällig erscheinende Poststellenleiter hat dann tatsächlich mir erklärt, wie ein solcher Vorgang funktioniert, während die Dame ehrfurchtsvoll zugesehen (und - sehr wahrscheinlich - rein gar nichts verstanden) hat. Oder - vor zwei Tagen in G.: Eine mathematische Aufgabe, nur von einem Großrechner zu bewältigen. Abhebung Euro 200, davon wandern 120 auf mein Konto, der Rest als Bargeld. Das übliche Getippe, das Vertippen, das Nichtvorhandensein von Berechtigungskarten, die immer erst irgendwo geholt werden müssen. Die dreimal wiederholte Frage, wieviel auf das Konto gingen. Schließlich: Und wieviel kriegen Sie? 80! 200 minus 120 macht 80! (murmelnd) 80 ... (fragend) 80?? 80!!! Immer noch! Weiter murmelnd erleidet sie einen intellektuellen Supergau. Vertippt sich - alles von vorn. Und natürlich am Ende: Und wieviel kriegen Sie?? Ich hatte nichts Böses im Sinn, ich erwiderte in ruhig-sonorem Tonfall: 180! Sie hätte es mir gegeben ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 18. April 2009
philit, Samstag, 18. April 2009, 14:57 Etwa ein bis zwei Wochen von Weihnachten saß man um den Küchentisch mit einem Stapel Postkarten und - wie meist bei Familien, war das Schreiben Sache der Frau. Zudem hat man in meiner Verwandtschaft das Geschäft der Vermehrung eifrig betrieben und so galt es eine beträchtliche Zahl von Christbäumen, Winterlandschaften und Engeln zu verschicken. Schwäger, Schwippschwäger, Onkeln und Tanten wurden solcher Aufmerksamkeiten gewürdigt, wobei entscheidend war für diese zweifelhafte Ehre, ob man auch selbst mit Christbäumen, Winterlandschaften oder Engeln bedacht worden war. Der S. hat nun schon zweimal keine Karte geschickt, der kriegt auch keine. S. schädigte die Post und sparte bei uns das Porto. Reihum wurden die Karten gereicht, es galt zu unterschreiben und meinem bewunderten, als Sinnbild des Anarchismus verehrten Bruder gelang es manchmal, mit "Weihnachtsmann" zu unterschreiben oder "Frohe Ostern" hinzuzufügen. Das war revolutionär und ganz in meinem Sinne, die Heuchelei dieses Unternehmens war selbst dem Kleinen nicht verborgen geblieben. Denn gleichzeitig mit den zu beschriftenden Karten wurden die Verwandten einer wenig freundlichen Betrachtung unterzogen und hinter vorgehaltener Hand etwa die - wohl schon lange zurückliegenden - sexuellen Eskapaden der Vaterschwestern fast genüsslich erwähnt. "Dann hat sie halt den S. nehmen müssen - mit dem vollen Bauch. Und ob das zweite von ihm ist weiß man auch nicht ...". Die eigene Familie hingegen war unantastbar und wieder war es der so viel ältere Bruder, der mir die Augen öffnete: Indem er den pater familias einer anderen Familie mimte und die eigene einer solchen Betrachtung unterzog. Zuerst war ich schockiert, so durfte man nicht reden, nicht über den eigenen Vater, die eigene Mutter, aber mit der Klarsichtigkeit eines Fünfjährigen erkannte ich plötzlich: Die redeten wirklich so, in allen Häusern, bei den Nachbarn, Onkeln, Tanten saßen Erwachsene rund um den Tisch und zählten neben den herzlichen und lieben und besinnlichen Weihnachtsgrüßen die Verfehlungen derer auf, denen sie diese Grüße schickten. Der Bruder hatte Recht (wie immer, er war der große Bruder), Heuchler alle, vor denen es sich hüten galt - und wieder und wieder zwang ich ihn, mir zu versprechen, dass er mich mitnehmen würde, wenn er es zu Hause nicht mehr aushielte. Er hat mich nicht mitgenommen, wie auch. Ich blieb zu Hause und bekam "Temesta", weil ich ein so nervöses Kind war, weil ich mich fürchtete und nur allein sein, weil ich weinte und meinen Bruder wiederhaben wollte. Dazu Lebertran. Und irgendwas zum Einschlafen. Das half aber nicht, keiner schrieb mehr "Frohe Ostern" auf die Karte mit Christkindmotiv, keiner verewigte sich mehr mit seltsamen Pseudonymen wie "Präsident" oder "i bin's". Als er ging ahnte ich nicht, dass es im Grunde ein Abschied für immer war, 10 Jahre fast dauerte es bis zum ersten, längeren Wiedersehen, aber das angestrengte Leben von uns beiden ließ noch keine Freundschaft zu, erst nach weiteren 10 Jahren gemeinsames Lachen, die Kuriositäten unserer Vergangenheit erinnernd, Blödeln, das wundervolle Gefühl, denselben Humor zu besitzen. Kurz darauf sein Tod, bald eineinhalb Jahrzehnte zurückliegend und doch noch nah. Immer noch. Und er hätte wohl gelacht darüber, was er den "Familienscheißdreck" genannt hatte, als anlässlich seines Begräbnisses aller Streit und alle Gehässigkeit wieder auftraten und außer mir und meiner Mutter niemand am Grab stand. Auch der Tod anderer nur ein Grund zur Bespiegelung der eigenen Befindlichkeit. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Freitag, 17. April 2009
philit, Freitag, 17. April 2009, 00:14 Heute gibt es nur noch Relikte - aber vor Jahren (Jahrzehnten) allüberall verbreitet: XXX liest die - und dann der Name eines Boulevardblattes. Zuerst die Ortstafel, gleich dahinter geschnitzter Rustikalkitsch: Willkommen in XXX - will man dort willkommen sein? Schließlich an einer Hausmauer, einem Stadl, Stall die Reklametafel, das hier gelesen würde, nämlich jene Zeitung. Eine Drohung, Warnung, dass man dem Schild nicht trauen solle, dass da birkenhölzern und weinlaubgeschmückt den willkommen heißt, der der hiesigen Lesegewohnheiten wegen alsbald die Flucht ergreifen sollte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 15. April 2009
philit, Mittwoch, 15. April 2009, 15:02 Ich habe nichts gegen das Fernsehen. Tatsächlich ein Fenster zur Welt - und das Schöne daran: Ich kann es schließen, per Knopfdruck, wenn ich genug gesehen, gehört habe. Das Programm hat hohen Nährwert, wenngleich oft etwas fettig, geschmacklich zweifelhaft und von mediokrer Qualität. Alsbald erreichter Sättigungsgrad. Von Krisen ist die Rede, vom Sinken eines Lebensstandards, der - definitionslos - als nebulöse Entität durch Diskussionen geistert. Aber es handelt sich um offenbar Positives, wenn auch Ungreifbares - ähnlich dem Christkind. Dieses Ding namens Lebensstandard korreliert - je höher und besser - mit Betriebsamkeit und Hektik und obwohl das vorgeblich Positive das nachgeanannte Negative in seiner Gefolgschaft hat - und obwohl jeder sich über dieses beklagt (aber jenes erstrebt), bleibt das Ding über jeden Zweifel erhaben. Nur manchmal leise Nachdenklichkeit: "Wie, du hast kein Handy??" Und während ich noch die Schultern hebe und mein bescheidenes Mitteilungsbedürfnis ins Treffen führe der Nachsatz: "Hm, vielleicht gar nicht so schlecht ...". Und dieses Staunen hält an bis zum nächsten Vibrieren in der Jackentasche oder dem Krächzen von Mozarts türkischem Marsch, "du entschuldigst, Augenblick" - und schon werden zur Seite gewandt dem Äther Einkaufszettel und unaufschiebbare Termine mitgeteilt, ein kurzer, verständnisheischender Blick auf mich geworfen, der mich da trösten soll: Bald nach der unvermeidlichen Pflichterfüllung habe er/sie wieder Zeit. Und ich nicke verständnisvoll und habe schon wieder so gar nichts zu sagen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Freitag, 3. April 2009
philit, Freitag, 3. April 2009, 15:59 Die penetrante Schamlosigkeit, mit der mir Menschen via Handy ihre Intimitäten aufzwingen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 3. April 2009, 12:21 Ich meine den Hausierer aus Canettis Blendung nur allzu gut zu verstehen, der sich da nichts mehr wünscht denn einen 14tägigen Schlaf ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Dienstag, 31. März 2009
philit, Dienstag, 31. März 2009, 17:39 Menschenkenntnis ist gefragt. Mein Blick schweift über die Anwesenden, ich versuche ihnen die entsprechenden Lärmpegel zuzuordnen. Jugendliche, vor allem weiblichen Geschlechts meiden. Je mehr Piercings, je höher der BMI, desto größer die Gefahr, dass ich über sexuelle Eskapaden des vergangenen und zukünftigen Wochenendes unterrichtet werde, über Kaufgewohnheiten und Modetrends. Noch schlimmer: Damen und Herren über 50, in Rudeln auftretend. Da schon zur Schwerhörigkeit neigend brüllen sie einander die neuesten Schlagzeilen zu, erzählen die Kalauer der am Vortag gesehenen Comedyshow und vergessen dabei die ohnehin dürftigen Pointen. Wasserstoffblondierte Damen und beamtete Frührentner beklagen lautstark den Werteverfall, geben das zu vermissen vor, was man ihnen in ihrer Jugend als "Benehmen" eingetrichtert hat. Und sie nehmen kraft ihres Alters in Anspruch, sich über solche Grenzen hinwegzusetzen, sie übertreffend fressend, schmatzend, schreiend den gesamten Nachwuchs um Längen. Es gilt also ökologische Nischen zu finden, in denen mein Überleben gesichert erscheint. (Im übrigen der Fluch der neuartigen Triebwagen: Zwischen Abfahrtsort und Ankunftsort den Waggon nicht mehr wechseln zu können.) Letzte Woche erwählte ich mir einen Zugbegleiter, an der ÖBB-Uniform erkenntlich, gelangweilt aus dem Zugfenster blickend. Langeweile ist auf der Gefahrenlärmskala zwar nicht zu unterschätzen (weil eine starke Affinität zur mobilen Telefonie beinhaltend), aber am anderen Ende der Garnitur wird kartengespielt - also Prinzip Hoffnung. Ohropax. Buch. Plötzlich ohrenbetäubendes, brüllendes Gelächter (Klingelton!). Zugbegleiter scheinen unterbezahlt, der meinige ist freiberuflicher Versicherungvertreter und erklärt nun in einem Tonfall, der selbst die Kartenspieler am anderen Ende mühelos erreicht, die Feinheiten der Autoprämienabstufungen, die Möglichkeiten für die Buschenschankbesitzerin, den Privatwagen als dienstlich genutzt einzustufen, um endlich, nach kurzem Aufstoßen und mehrfach zufriedenem AufdenWanstKlopfen zum gemütlichen Teil überzugehen. Ich erfahre: Betrunken am Wochenende, aber weniger stark als der "Hansi", welcher beim Verlassen des Lokales einen Doppelsalto schlug und mit 8 Stichen genäht werden musste. Seine Frau hat ein Zyste auf den Eierstöcken (hoib sou schlimm, i gschpia nix - dabei), der Sprössling kann auf nur bescheidene Erfolge in der Grundschule verweisen, die eigentlich Ursache aber ist weniger der defiziente Geisteszustand des Nachwuchses als vielmehr der mit der Erziehung beauftragte Pädagoge (Lehra hoid, waast eh, dei san jo ole gschdört, is jo a koa Oawad). Seit der Nachbar seine Frau verlassen hat (oder sie ihn, das ließ sich nicht wirklich erschließen), sei er zusehends dem Alkohol verfallen (sauft wia a Bischtnbinda), ob es sich beim Betreffenden um den einleitend erwähnten "Hansi" handelte war ebenfalls nicht mit Sicherheit festzustellen). Usf., mit nur kurzen Unterbrechungen bis zum Hauptbahnhof, während dieser Unterbrechungen mich beifallheischend ansehen, mir (und ihm selbst) zunickend und Einverständnis fordernd mit den ihm immer wieder demonstrierten Fährlichkeiten des Daseins. Und Recht hat er ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2009.06.27, 01:02 Links
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