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Freitag, 18. Juli 2008
philit, Freitag, 18. Juli 2008, 14:37 Wäre da ein Preis ausgeschrieben für den originellsten Titel - Leonard Nelson ist ein Kandidat: "Spuk. Einweihung in das Geheimnis der Wahrsagekunst Oswald Spenglers und sonnenklarer Beweis der Unwiderleglichkeit seiner Weissagungen nebst Beiträgen zur Physiognomik des Zeitgeistes. Eine Pfingstgabe für alle Adepten des metaphysischen Schauens." - - - - ... Link (4 comments) ... Comment Sonntag, 29. Juni 2008
philit, Sonntag, 29. Juni 2008, 13:34 Das, was ein geschichtliches Ereignis bedeutsam mache, ist seine Wirkung, sein Einfluss auf den Ablauf der Geschichte und nicht die Sache an sich. Solcherlei geistreiche Erkenntnisse liest man in Köhlmeiers "Abendland", fühlt sich an Hegels Trivialgeschichtsauffassung erinnert, dass denn das Stärkere immer siege (mit dem zweifelhaften Zusatz, dass es auch das Bessere sei, wobei noch zu definieren wäre: Für wen besser). Auf diese Weise hat Geschichte immer Recht - und man vermag auch die Zukunft vorauszusagen: Insofern, als dass auch in Zukunft der Stärkere siegen werde. (Und eigentlich ist's nur dümmliche Tautologie: Der Stärkere ist der Stärkere!) * Das nun ist so richtig wie belanglos. Es besagt nichts anderes, als dass es eben Stärkere und Schwächere gibt, Sieger und Verlierer und es ist für die Gegenwart nichts anderes als das Konstatieren des status quo. Ein teleologisches Geschichtsbild, es hat so kommen müssen und nicht anders, weil es eben so ist und nicht anders. Alles Seiende hat eine Ursache - und weil es auf diese Weise ist, konnte es nicht anders sein. Wenn nun aber die Zeit bis zu unserer Gegenwart auf diese Weise determiniert ist, lassen sich für teleologische Schlauköpfe auch Zukunftsszenarien orten, ob wissenschaftlich oder metaphysisch verbrämt. Zwischen Jüngstem Tag und Klassenloser Gesellschaft ist kein Unterschied, und weil alle Wege zwangsläufig dorthin führen, können auch Opfer gebracht werden. Auf ein paar Tote kommt es nicht an - im Gegenteil: Diese sind offenbar notwendig, sie sind nur die zwangsläufige Zwischenschritte auf dem Weg dorthin. Wo immer das ist. Köhlmeier dient die Hinrichtung Jesu (eine Person zweifelhafter Historizität) als ein Beleg für seine Theorie, die Kreuzigung selbst belanglos, folgenschwer erst durch jene Menschen, die diesem Tod Bedeutung zuerkannten. Das klingt nun einleuchtend, ist aber von fundamentaler Aussagelosigkeit: Es ist nichts anderes als die Feststellung eines historischen Faktums. Es bedeutet schlicht, dass die Folgen ähnlicher Ereignisse nicht immer die gleichen sind (alles andere wäre denn auch überraschend). Bzw.: Dass Ursachen Wirkungen haben. Und unterschiedliche Ursachen unterschiedliche Wirkungen, je nach Ort und Zeit des Geschehens. Ein umstürzender Baum wird meist niemanden erschlagen, manchmal einen unvorsichtigen Forstarbeiter, selten einen Präsidenten. Und mit den Propheten aller Zeiten ließen sich viele Fußballstadien füllen, in einigen wenigen Fällen hatten diese mit einem Hang zur Hysterie und Epilepsie ausgestatten Personen weitreichendere Wirkung. Sie hatten ihn, weil fast jeden Sonntag jemand im Lotto gewinnt, weil die zufällige Verteilung keine andere Wirkung zulässt. (Sie mussten ihn aber nicht haben: Wie auch die Lottozahlen andere hätten sein können. Was Sonntag Abend noch den meisten einleuchtet.) Bei den Propheten hingegen wird alsbald eine höhere Macht vermutet, die nach Erschaffung der Welt nebst starker und schwacher Kernkraft derzeit mit der Überwachung von Klein-Maxi beschäftigt ist und ihn wegen eines geklauten Kaugummis im Supermarkt der ewigen Verdammnis zuführt. Der Exkurs war in dieser Länge nicht vorgesehen, aber die Zwangsläufigkeit der Geschichte musste hier und heute zu diesem Ergebnis führen! Eigentlich wollte ich nur meiner Überraschung Ausdruck verleihen, dass dieser Roman (Köhlmeiers "Abendland") durchwegs euphorische Kritiken erhielt. Nach einigen hundert Seiten bin ich mir dessen gewiss: Für diese Art der Literatur ist mein Leben zu kurz, ich bin nicht mehr jener jugendliche Enthusiast, der da einmal meinte, alles lesen zu müssen. Je weniger Jahre mir verbleiben, desto rigider mein Auswahverfahren. Und dieses Buch erinnert in seiner epischen Langeweile, den konstruierten Handlungssträngen und ach so besonderen Schicksalen stark an J. Franzens Korrekturen. Meine masochistische Ader verträgt aber nur eine veritable Qual pro Jahr, zu mehr reicht meine Leidensfähigkeit nicht. (Zu J. Franzen: Während es bei ihm noch manch amüsante oder berührende Szene gab, wartet man bei Köhlmeier vergebens auf ein Ende der Geschwätzigkeit. Was aber nicht als Lob für den Amerikaner zu verstehen ist.) ---------------- *)In der Geschichte sei "göttliche Vernunft" (auch Weltgeist genannt) und dies sei wahr. Der Beweis hiefür sei die Geschichte selbst. Solche Auffassungen sind sinn- und wertlos, sind beliebig, weil sich (ähnlich wie bei Sprichwörtern) mit ebenso viel Verve das Gegenteil vortragen ließ (und mir persönlich scheint die Geschichte ein eher zweifelhafter Hinweis auf göttliche Vernunft zu sein). Vielleicht spiegelt sich in solchen Haltungen bloß die Sehnsucht nach Geborgenheit, einem Aufgehobensein in einer irgendwie derterminierten Welt nach dem Verlust des naiven Gottesglaubens (wobei zwischen Welt- und Heiligem Geist kein Unterschied besteht). Wie auch Marx die Hegelsche Eselei übernommen hat und das Jüngste Gericht durch seinen proletarischen Endzeittraum ersetzt hat. Die Logik solcher Beweisführungen verdient diese Bezeichnung nicht: Das ist Kaffeesudleserei a posteriori. Aus einer vorhandenen Tatsache wird auf deren Notwendigkeit geschlossen. Wäre die Heilige Römische Kirche nicht göttlich, sie hätte nicht überleben können. Weil sie überlebt hat, ist sie göttlich. Aus a folgt b und weil b, so a. Dieses Zirkel- und Kurzschließen hat seit jeher Hochkonjunktur, auf diese Weise können sich auch Mugabe und J. W. Bush ihre Göttlichkeit bestätigen lassen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 28. Juni 2008
philit, Samstag, 28. Juni 2008, 13:45 Mein Hang zum Verfolgungswahn darf als gering bezeichnet werden. Ich werde nicht ständig umgetrieben von der Angst, irgendjemand könnte mir folgen, mich ausforschen, meine Sachen durchwühlen, meinen Computer durchsuchen. Obschon mir das passiert ist, seinerzeit, dass sich da jemand des - für mich selbstverständlichen - Vertrauens als wenig würdig erwiesen hat und in allerlei Daten Einsicht nahm. Ob zur Zufriedenheit der Betreffenden mag bezweifelt werden, ein Passwort für den IRC-Channel, dazu Entwürfe für eine Geschichte des Kynismus, Fragmente, für den nicht Eingeweihten ohne Erklärungen mit Sicherheit unverständlich. Und auch meine kriminelle Energie ist bescheiden, ich halte Geschwindigkeitsbeschränkungen ein, löse Fahrscheine in der Straßenbahn und betrüge selbst meine Haushaltsversicherung nicht. So gesehen müsste ich keine Angst haben vor Überwachung, vor dem neuen metternichschen System in Österreich, das, ohne irgendwie größere Aufmerksamkeit zu erregen, installiert wurde. Ein Rechtsstaat lebt vor allem vom Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Prinzipiell ist gegen Maßnahmen, die in irgendeiner Form der Sicherheit dienen, nichts einzuwenden, wenn man nicht wüsste, dass der derlei Machtbefugnisse in falsche Hände geraten (oder - in Zukunft - geraten werden). Nun denn, die Zukunft braucht man dafür nicht zu strapazieren, sage und schreibe 32 Abfragen täglich wurden getätigt, Abfragen, von denen der Betroffene nie erfahren wird, Abfragen, denen "mit tauglichen Mitteln der Informationsbeschaffung zu begegnen ist", weil eben eine konkrete Gefahrensituation bestehe. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es sich hier um eine Insel der Seligen handle, scheine ich in einem Staat zu leben, der durch und durch von zwielichtigen Gestalten bevölkert ist. 32 mal täglich ist Gefahr im Verzug, werden Daten (Handystandort, IPs, etc.) abgefragt, um Schaden abzuwehren von unserem schönen Österreich. Verbrecher allerorten, Terroristen, Fundamendalisten, mafiöse Strukturen. Hoffentlich erfährt die us-amerikanische Administration nichts von diesen Zuständen, bei denen ist eben ein Schurkenstaatplatz freigeworden. Dass nun Frau Fekter zum Obersheriff (mit Bedauern muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es für "Sheriff" noch keine adäquate, weibliche Form gibt) ernannt wurde, vermag nicht zu beruhigen. Law and order hat sie angekündigt, ganz im Sinne von F. J. Strauß: Rechts von uns darf kein Platz sein. Herr Strache darf sich seiner Klaustrophobie sicher sein. Mir aber graut vor einem Staat, in dem Polizisten richterliche Befugnisse erhalten, in dem der Betroffene von den Maßnahmen, den über ihn gesammelten Daten, den Grund, weshalb er als potentielle Gefahrenquelle eingestuft wurde, nichts erfährt. Die dämliche, aus den USA importierte Terrorgefahr dient als Vorwand für eine Aushöhlung der Grundrechte. Wozu all diese Befugnisse einmal dienen könnten, ist möglicherweise sogar den diese Gesetze beschließenden Personen unklar. Man beugt vor, ist gewappnet. Wie mein ehemaliger Nachbar im Kaufrausch: Günstig waren sie, die Kompressoren, deshalb wurden zwei erstanden im Baumarkt. Er ist vor einigen Jahren gestorben, ohne sie je ausgepackt zu haben. Ein solch glückliches Ende wird diesen Gesetzen kaum beschieden sein, im Gegenteil: Ihre Anwendung erfolgt schon jetzt mit Hingabe. Dieser Regierung aber wünsche ich ein baldiges Ende. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 21. Juni 2008
philit, Samstag, 21. Juni 2008, 20:46 Natürlich tut man H. Unrecht. Schon wird er des Mordes bezichtigt, im allerersten Satz wird ihm eine Frau zugesellt, die er (an der indikativischen Aussage ist nicht zu zweifeln) vom Leben zum Tode befördert hat, haben soll - und alsbald werden, wenige Absätze später, verquere zölibatere Anspielungen gemacht. Auch das man muss ausgemerzt werden. Ich tue Unrecht. Wir müssen ihm noch eine Chance geben. Weil er ein im Grunde sympathischer Charakter ist. Ein neuer Anlauf, eine neue Frau. Überhaupt eine? Aber er schüttelt den Kopf. (Nebenher beanstandet er die erste Person Plural. Ausmerzen ...) R.! R. will keine Frau, seine Erfahrungen als Frikativ und Glottal anführend gibt er zu wissen und kund, vorläufig auf alle Fortpflanzungsmöglichkeiten Verzicht zu leisten. Später vielleicht, so er, später, wenn der Gerüchte weniger sind und das Publikum ungläubiger. Frauen erschlagen. Ihm reiche die Zeit. Genug zu tun für einen Totschläger. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 21. Juni 2008, 01:53 Aber so einfach ist die Sache nicht. Wer ist H. und ist H. tatsächlich H.? Ein Anfangsbuchstabe, nichts weiter, ein Frikativ, ein Glottal, Hans oder Hinteregger oder Hrdinka. Man muss mir glauben. Nun, man muss nicht, aber es erleichtert die Sache ungemein. Aus bloßer Gemeinheit, Selbstgefälligkeit könnte ich halbzeitig aus H. einen R. machen. (Im Falle der Gutgläubigkeit!) - Und: Kein Mensch weiß, ob H. nun verheiratet war, ob er eine Frau hatte (jemals!), welche zu erschlagen er diesfalls in der Lage wäre. Wenn also H. be-weibt war (wie man be-soffen, be-stürzt, be-nommen sein kann), wenn er sich also (im Zustand der Schwäche, wie anderenorts erwähnt) eine Frau zugezogen hat, so kann sofort nach hormoneller Infektion zum Mord geschritten werden. Kann, muss aber nicht. Die meisten weiblichen Personen bleiben unerschlagen. Wir wollen es ihnen gönnen. Wie auch nicht. Potentiell aber ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau der erste Schritt zur Gewalttat, die Voraussetzungen sind geschaffen, der Rest sind Imponderabilien. (Merken: Konsequent beim gleichen Schriftsteller stehlen, wenn er tot ist - wie in vorliegendem Falle - darf man's behalten.) - - - - ... Link (3 comments) ... Comment Freitag, 20. Juni 2008
philit, Freitag, 20. Juni 2008, 12:07 H. hat seine Frau erschlagen. Nett ist das nicht. Erschlagen gehört sich nicht, auch wenn es kanonisierte Anleitungen dafür gibt. Voraussetzung: Die Untreue der Dahingeschiedenen. Wenn etwas in sich selbst seinen Grund hat, ist das meistens ein Abgrund. Da steht man rum und schlägt die Hände über den Kopf zusammen, sieht hinein und allerlei Unflat. Vielleicht auch eine erschlagene Frau. Dann hat man es immer schon gewusst. Das hinwiederum ist eigenartig. Weil es mit dem Wissen ansonsten nicht weit her ist, weil zu vermuten wäre, dass außer der unklar und nebulös gefühlten Ahnung (für die als Beleg - unzureichend, höchst unzureichend - einzig die Aussage des am Abgrund Stehenden gilt) so gar nichts gewusst wird. Eine Übertreibung, natürlich, man findet auf's Klo oder auch einen Idioten, der das glaubt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Donnerstag, 12. Juni 2008
philit, Donnerstag, 12. Juni 2008, 16:08 Es drängt sich fast auf, wieder etwas über bemalte Fußballeinfaltspinsel zu schreiben. Jedweder Couleur, ob Schwarz-Rot-Gold, Rot-Weiß-Rot, mit Schweizerkreuz oder Halbmond. Ich bin privilegiert, in der Einschicht von Hupkonzerten weitgehend verschont, ich hab leicht reden, weil sich die Blödheit auf's Urbane konzentriert, weil sie dort - gesammelt und gefasst - eine wirtschaftliche Macht darstellt. (Nun denn, indirekt proportionale Beziehungen zu vermuten zwischen exzessivem Kaufverhalten und bescheiden anmutenden intellektuellen Kapazitäten scheint ohnehin statthaft.) Bis auf einige bewimpelte Fahrzeuge blieb mir die Einfalt also optisch und akustisch verborgen. Stellt sich die Frage, was denn Menschen im allgemeinen und besonderen verbindet, woher das Wir-Gefühl kommt, aus welchen Gemeinsamkeiten es sich speist oder ob in Ermangelung von Gemeinsamkeiten solche künstlich erzeugt werden. Und tatsächlich nimmt es wunder, was denn alles zur Gruppenbildung beitragen kann: Etwa die Benutzung einer ähnlichen Automarke, der geistige Kretinismus versammelt sich alljährlich zum GTI-Treffen. Vermeintlich die Sprache (aber fühlt sich nicht auch Stoiber als Deutscher?), geographische Nähe (ein diffiziler Punkt, scheinen in enger Nachbarschaft sich befindliche Gruppen doch einander in größter Feindschaft gegenüberzustehen, nirgendwo sind Hass und Aversion größer als bei Lokalderbys), warum nicht Schuhgrößen oder eingewachsene Zehennägel? Obskur? Größe der Gruppe für eine Identifikation inadäquat? Aber gibt's nicht Frauen- und Männersolidarität, Zusammenhalt von Weißen, Schwarzen, Gelben? Was also ist das Gemeinsamkeit Stiftende? Der Besitz von Hoden oder Eierstöcken? Wie wär's mit Hämorrhoiden? Gibt's neben GTI- und Manta-Fetischisten auch Menschen, die sich wegen der selben Marke ihrer elektrischen Zahnbürste verabreden? Wegen einer Warze am Steißansatz, einer Fettleber? Oder sind dies wirklich nur zufällige Ausprägungen ein und desselben Nichtdenkens, Nichtdenkenwollens, einem Bedürfnis entsprechend, das Sehnsucht zeigt nach Aufgehen in einer Masse Gleichgesinnter - egal welcher Gesinnung, einer Masse, die durch ihr bloßes Vorhandensein alles und jedes sanktioniert, der man nicht durch eine bestimmte Leistung sondern durch Zufälligkeit zugehörig ist und in der man sich vollwertig fühlen darf, sei man auch ein noch so mickriges Menschlein - und in der man hauptsächlich und vor allem stolz sein darf auf seine Warze am Arsch und seine nationale Zugehörigkeit und im anderen, Warzen- und Hämorrhoidenlosen ein Wesen minderer Art sehen kann, das, je nach Zeit- und Sozialverhältnissen, beschimpft, verachtet oder vergast werden darf. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment Sonntag, 8. Juni 2008
philit, Sonntag, 8. Juni 2008, 15:32 Die nekrophilen, mittelalterlichen Frauen, welche mit Ernsthaftigkeit und zusammengekniffenen Lippen der Blumenpflege bei Kirchen und auf Friedhöfen obliegen. Mit knallgelber Gießkanne werden Stiefmütterchen ersäuft, Immergrün, Nelken. Verhärmt und ausgehungert oder fettgefressen mit wabernden Oberarmen. Vor dem großen Gott der Kirche und dem kleinen in Person des Pfarrers oder Dechants beugen sie das Knie, die Schrift führend im katholischen Frauenverein. Opferbereit wird in der Erde gewühlt, gepflanzt, gejätet in der Hoffnung auf ewige Seligkeit. Manche Gräber mit ihren ewig roten Lichtern und den stramm stehenden Tulpen, mit Schnittblumen in den barock anmutenden Vasen aus Fernost erwecken Sehnsucht. Unter solcher Pracht ist gut ruhen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 26. Mai 2008
philit, Montag, 26. Mai 2008, 20:25 In Ausschnitten habe ich ihn am Werk gesehen, den Josef Bierbichler. Rezitierend auf der Bühne, vor allem aber arbeitend. Holzschlachtend. Ich glaube nicht, dass die Tätigkeit zufällig gewählt war. Wer je (aber wer war das schon) mit Keilen, Möselhacke oder 5kg-Hammer zugange war, sich an Buchen, Eichen oder gar verwachsenen Föhren vergriffen hat, kennt das Urgewaltige, fast Wütende dieser Arbeit. Auch wenn es vielmehr eine Sache der Technik ist als der zuschauende Laie vermeint. Ein Keil kann zu breit, zu schmal sein, kann, wenn das Holz nass ist, nur mit behutsamen Schlägen hineingetrieben werden. Dann längsseitiges Aufspalten mit einer breiten Hacke, das Knacken, Krachen des Holzes. Ich zitiere keinen unverbesserlichen Naziarzt. Aber einiges fällt mir ein während des Zuschlagens, des Schlachtens, Schweiß auf der Stirn, mit den oft mehr als 100 kg schweren Stämmen hantierend. Und froh bin ich, wenn mein Körper mir diese brachiale Tätigkeit wieder erlaubt, wenn ich der Matratzengruft entkomme. Therapeutisch von den Jüngern des Asklepios gut geheißen. (Zugegeben: Von den Zentnergewichten habe ich nicht erzählt). - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 24. Mai 2008
philit, Samstag, 24. Mai 2008, 21:06 Keinen aufdringlichen Titel, keine bemühte Originalität, kein verqueres Internetenglisch. Daher steht in der Titelleiste "Worte", nichts weiter, Ergebnis einer kurzen Überlegung der Namensuche für das Blog, das ich vor vier Jahren geschenkt bekam. Nun gehen mir dieselben aus, sie fehlen, mir fällt bloß noch ein, dass mir zu diesem und jenem nichts mehr einfällt. Natürlich ein guter Grund die Klappe zu halten, nichts schlimmer wie ein Schreiberling, der sich darüber verbreitet, nichts mehr schreiben zu können. Ob solche Sprachlosigkeit Unheil oder Segen bringt, weiß ich nicht, manchmal hat sie etwas Beunruhigendes. Dann wieder eine Art wohliger Müdigkeit. Worüber schreiben? Über gelesene Sätze wie diesen? "Ich habe mich, und das war mir möglich, bemüht, nur Kinder zu erschießen. Es ging so vor sich, daß die Mütter die Kinder bei sich an der Hand führten. Mein Nachbar erschoß dann die Mutter und ich das dazugehörige Kind, weil ich mir aus bestimmten Gründen sagte, daß das Kind ohne sein Mutter doch nicht mehr leben konnte." (Aus Prozessakten der Staatsawaltschaft Hamburg von 1957 über Erschießungen von Juden in Jozefow in: Browning: Ganz normale Männer.) Auch dazu fällt mir nichts ein, Aufstehen, ans Fenster gehen, Musik hören. Irgendwo feiert die Feuerwehr, der Gesangsverein oder die Jägerei, die mit dem Schießen auch rechte Freude hat. Zwischen der ewig gleichklingenden Musik das immer gleiche Gejohle, Gejauchze. Um Mitternacht ist Ruhe, Lärm und Rausch sind polizeilich reglementiert. Vor dem Einschlafen Lektürewechsel, Browning ist - empirisch überprüft - für ein langsames Hinüberdämmern wenig geeignet. Auch Philosophie nur mit Einschränkungen. Sätze wie "woran soll aber der Künstler ihr[sic] gelungenes und nachzuahmendes Werk erkennen und es unter den mißlungenen herausfinden; wenn er nicht vor der Erfahrung das Schöne antizpiert?" (Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung, drittes Buch $ 45) Das bringt nur ins Grübeln und Widerlegen wollen, besser geeignet virtuelle Basisklassen oder implizite Destruktoren. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 17. Mai 2008
philit, Samstag, 17. Mai 2008, 01:06 Drei freie PCI-Slots, einmal AGP. Müsste klappen, eine ältere Grafikkarte auftreiben und der neue Monitor kann mit vernünftiger Qualität betrieben werden. Die alte Frau am Fenster, sieht mich, grüßt. "Heil Hitler!" Nickt kurz und geht weiter. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Dienstag, 6. Mai 2008
philit, Dienstag, 6. Mai 2008, 21:16 Bauboom in Österreich. Wobei: Mehr Tief- wie Hochbau. Die Erschließung von Unterirdischem steht hoch im Kurs. Und ich habe Verständnis dafür, also für die Gewölbe an sich, für meterdicke Türen, Schallschutzwände, für gebunkerte Lebensmittel. Und nein: Außer meiner eigenen wert-unwerten Person beabsichtige ich niemanden einzuschließen. Im Gegenteil. Ausschließen ist die Devise, draußen bleiben, aus den Augen, aus dem Sinn. Wo immer die Welt an mich herantritt, nervt sie. Menschen, die mich für noch blöder halten als ich nun ohnehin schon zu sein pflege, die ihren Vorteil und meinen Nachteil im Auge haben und denen ich nur ein jaja, passt schon, sagen kann, weil es mir peinlich wäre, wenn sie wüssten, dass ich sie und ihr Gebaren durchschaue. Und dann müde sein und Ruhe haben wollen, angestrengt durch das bemühte Betrügen anderer und das eigene Bemühen um das scheinbare Nichtsbemerken. Irgendwo tief unten sein, in ehemaligen Atombunkern, strahlen- und homogeschützt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 28. April 2008
philit, Montag, 28. April 2008, 12:28 Ich verlinke nur selten, bin keine Anlaufstelle für fröhliche Spruchweisheiten oder - noch schlimmer - youtube-Links. Dieser Artikel im Standard wäre es wert gelesen zu werden - und er wird aus den im Artikel beschriebenen Gründen, höchstwahrscheinlich nicht gelesen. Weil er schlicht zu lang ist, mehr als die maximal zumutbaren drei Absätze umfasst. - - - - ... Link (9 comments) ... Comment Sonntag, 27. April 2008
philit, Sonntag, 27. April 2008, 14:56 Wenn Städter aufs Land ziehen haben sie die Natur im Auge. "Grün", sagen sie, "Wiese", sagen sie, "Wald". Schön, ruhig, romantisch. Verträumt schauen sie ins Gesträuch, bewundern Nadelbäume, unterscheiden nicht zwischen Lärchen und Fichten, sagen sich aber, dass sie das schon noch lernen würden. Zuerst einmal ein Häuschen gekauft, geschmückt mit romantischen Holzwerkzeugen, von geschäftstüchtigen Bauern preisgünstig erworben, dazu Autoreifen mit Stiefmütterchen und ein handgefertigter Gartenzwerg aus China. Endlich Natur. Rein in die Wiese, sitzen, träumen. Nach 10 Minuten ein leises Gefühl der Unruhe, außerdem Jucken - tatsächlich, Ameisen. Direkt vor'm Haus, oh, ein Wespenkrug am Schuppen, Maulwurfshügel, die das nach Gleichmaß dürstende Auge verstören, Brennnessel (der Tee schmeckt auch nur auf Designertischchen im Penthouse wirklich gut), lebensbedrohliche Hornissen. Man kann's auch übertreiben mit der Natur, die Natur übertreibt. Soviel muss nun auch wieder nicht sein, Spinnen und Mücken fragen nicht höflich nach Einlass, Bäume erfrechen sich, Schatten zu werfen. Da muss die Zivilisation eingreifen, regulierend, planierend, nivellierend, das Hohelied des rechten Winkels anstimmend. Will sagen: Mein Nachbar betoniert. Die Wiese, die hochgelobte, blühende. Die sich der Wasserwaage entziehende. Und er fällt. Bäume, weil nicht zusammenklappbar. Wer braucht nach Erfindung des Sonnenschirms noch Buchen oder Eichen, deren renitente Schatten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 23. April 2008
philit, Mittwoch, 23. April 2008, 12:54 Die BILD-Zeitung widerfährt mir manchmal. Nicht oft, aber immerhin. Und dieses große Widerfahren lässt mich immer wieder staunen. Auch - oder weil - sich ein wohl bestallter Chefredakteur namens Strunz allenthalben über die mangelnde Sorgfalt der Berichterstattung in Blogs alterierte. Nun denn - darüber bin ich also gestolpert. Abgesehen davon, dass auf die eigentliche Problematik dieser Sperre nirgendwo eingegangen wurde (die wohl weniger in den gesundheitlichen Bedenken des BDB lag denn in einer Politik, den deutschen Meistertitel anderweitig zu verkaufen und Herrn Sidon das Geschäft zu vermasseln) hat man eine wunderbare Serie von Fotos geschaltet, die zwar einen Boxer schwer und langsam k. o. gehen lassen, von dem aber eines mit Sicherheit gesagt werden kann: Andreas Sidon ist dort - trotz anderslautender Bildunterschriften - nicht abgebildet, vielleicht Geiler von Kayserberg oder Herr von und zu Scheichsbeutel. Dann die nächste Überraschung, man beschert ihm eine Frau (tatsächlich ist die Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder vor einigen Jahren tödlich verunglückt) und lässt diese ihre Freude ausleben über einen Sieg ihres angeblichen Mannes. Die Dame heißt Nadja, ist mit dem Manager verheiratet und offenbar Bigamistin. Nun heißt es natürlich offene Türen einzurennen, wenn man diesem Blättchen seine Unfähigkeit bestätigt. Dass aber Angestellte dieser Zeitung als ernsthafte Diskussionspartner auf vorgeblich ernsthaften Veranstaltungen betreffs Journalismus eingeladen werden, ist das eigentlich Skandalöse dieser ganzen Angelegenheit. In Blogs kann man nun viel Unsinn lesen, derartig schlecht recherchierte, dümmliche Beiträge zu schreiben bleibt der BILD vorbehalten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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Herrje, gib Acht auf dich!
Dass sie nicht dich ans Bett fesseln statt des...
by philit (2008.07.22, 01:45)
Schwierig, fürwahr. Ich habe heute
in der Bibliothek angerufen und den Titel vorgelesen. Dann...
by i. (2008.07.22, 00:38)
Schwierig. Die gesammelten Werke sind
in sieben Bänden erschienen, sie aber aufzutreiben müsste schon...
by philit (2008.07.21, 14:04)
*röchel* Muss ich gleich
suchen.
by i. (2008.07.20, 15:40)
O. Spengler: Der Untergang des
Abendlandes Wäre da ein Preis ausgeschrieben für den originellsten Titel...
by philit (2008.07.18, 14:37)
Köhlmeiers "Abendland", Hegel und andere
Eseleien Das, was ein geschichtliches Ereignis bedeutsam mache, ist seine...
by philit (2008.06.29, 13:34)
Metternich, Fekter & Co Mein
Hang zum Verfolgungswahn darf als gering bezeichnet werden. Ich werde...
by philit (2008.06.28, 13:45)
Ich dacht' ja nur, wegen
des Rests, der nicht ins Gewicht falle.
Die bemalten...
by i. (2008.06.22, 21:47)
Dann doch zweitens Natürlich tut
man H. Unrecht. Schon wird er des Mordes bezichtigt, im...
by philit (2008.06.21, 20:46)
Wenn es denn so leicht
wäre, aber der Umkehrschluss ist selbstredend nicht zulässig. Man...
by philit (2008.06.21, 20:25)
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