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Samstag, 21. Juni 2008
philit, Samstag, 21. Juni 2008, 01:53 Aber so einfach ist die Sache nicht. Wer ist H. und ist H. tatsächlich H.? Ein Anfangsbuchstabe, nichts weiter, ein Frikativ, ein Glottal, Hans oder Hinteregger oder Hrdinka. Man muss mir glauben. Nun, man muss nicht, aber es erleichtert die Sache ungemein. Aus bloßer Gemeinheit, Selbstgefälligkeit könnte ich halbzeitig aus H. einen R. machen. (Im Falle der Gutgläubigkeit!) - Und: Kein Mensch weiß, ob H. nun verheiratet war, ob er eine Frau hatte (jemals!), welche zu erschlagen er diesfalls in der Lage wäre. Wenn also H. be-weibt war (wie man be-soffen, be-stürzt, be-nommen sein kann), wenn er sich also (im Zustand der Schwäche, wie anderenorts erwähnt) eine Frau zugezogen hat, so kann sofort nach hormoneller Infektion zum Mord geschritten werden. Kann, muss aber nicht. Die meisten weiblichen Personen bleiben unerschlagen. Wir wollen es ihnen gönnen. Wie auch nicht. Potentiell aber ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau der erste Schritt zur Gewalttat, die Voraussetzungen sind geschaffen, der Rest sind Imponderabilien. (Merken: Konsequent beim gleichen Schriftsteller stehlen, wenn er tot ist - wie in vorliegendem Falle - darf man's behalten.) - - - - ... Link (3 comments) ... Comment Freitag, 20. Juni 2008
philit, Freitag, 20. Juni 2008, 12:07 H. hat seine Frau erschlagen. Nett ist das nicht. Erschlagen gehört sich nicht, auch wenn es kanonisierte Anleitungen dafür gibt. Voraussetzung: Die Untreue der Dahingeschiedenen. Wenn etwas in sich selbst seinen Grund hat, ist das meistens ein Abgrund. Da steht man rum und schlägt die Hände über den Kopf zusammen, sieht hinein und allerlei Unflat. Vielleicht auch eine erschlagene Frau. Dann hat man es immer schon gewusst. Das hinwiederum ist eigenartig. Weil es mit dem Wissen ansonsten nicht weit her ist, weil zu vermuten wäre, dass außer der unklar und nebulös gefühlten Ahnung (für die als Beleg - unzureichend, höchst unzureichend - einzig die Aussage des am Abgrund Stehenden gilt) so gar nichts gewusst wird. Eine Übertreibung, natürlich, man findet auf's Klo oder auch einen Idioten, der das glaubt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Donnerstag, 12. Juni 2008
philit, Donnerstag, 12. Juni 2008, 16:08 Es drängt sich fast auf, wieder etwas über bemalte Fußballeinfaltspinsel zu schreiben. Jedweder Couleur, ob Schwarz-Rot-Gold, Rot-Weiß-Rot, mit Schweizerkreuz oder Halbmond. Ich bin privilegiert, in der Einschicht von Hupkonzerten weitgehend verschont, ich hab leicht reden, weil sich die Blödheit auf's Urbane konzentriert, weil sie dort - gesammelt und gefasst - eine wirtschaftliche Macht darstellt. (Nun denn, indirekt proportionale Beziehungen zu vermuten zwischen exzessivem Kaufverhalten und bescheiden anmutenden intellektuellen Kapazitäten scheint ohnehin statthaft.) Bis auf einige bewimpelte Fahrzeuge blieb mir die Einfalt also optisch und akustisch verborgen. Stellt sich die Frage, was denn Menschen im allgemeinen und besonderen verbindet, woher das Wir-Gefühl kommt, aus welchen Gemeinsamkeiten es sich speist oder ob in Ermangelung von Gemeinsamkeiten solche künstlich erzeugt werden. Und tatsächlich nimmt es wunder, was denn alles zur Gruppenbildung beitragen kann: Etwa die Benutzung einer ähnlichen Automarke, der geistige Kretinismus versammelt sich alljährlich zum GTI-Treffen. Vermeintlich die Sprache (aber fühlt sich nicht auch Stoiber als Deutscher?), geographische Nähe (ein diffiziler Punkt, scheinen in enger Nachbarschaft sich befindliche Gruppen doch einander in größter Feindschaft gegenüberzustehen, nirgendwo sind Hass und Aversion größer als bei Lokalderbys), warum nicht Schuhgrößen oder eingewachsene Zehennägel? Obskur? Größe der Gruppe für eine Identifikation inadäquat? Aber gibt's nicht Frauen- und Männersolidarität, Zusammenhalt von Weißen, Schwarzen, Gelben? Was also ist das Gemeinsamkeit Stiftende? Der Besitz von Hoden oder Eierstöcken? Wie wär's mit Hämorrhoiden? Gibt's neben GTI- und Manta-Fetischisten auch Menschen, die sich wegen der selben Marke ihrer elektrischen Zahnbürste verabreden? Wegen einer Warze am Steißansatz, einer Fettleber? Oder sind dies wirklich nur zufällige Ausprägungen ein und desselben Nichtdenkens, Nichtdenkenwollens, einem Bedürfnis entsprechend, das Sehnsucht zeigt nach Aufgehen in einer Masse Gleichgesinnter - egal welcher Gesinnung, einer Masse, die durch ihr bloßes Vorhandensein alles und jedes sanktioniert, der man nicht durch eine bestimmte Leistung sondern durch Zufälligkeit zugehörig ist und in der man sich vollwertig fühlen darf, sei man auch ein noch so mickriges Menschlein - und in der man hauptsächlich und vor allem stolz sein darf auf seine Warze am Arsch und seine nationale Zugehörigkeit und im anderen, Warzen- und Hämorrhoidenlosen ein Wesen minderer Art sehen kann, das, je nach Zeit- und Sozialverhältnissen, beschimpft, verachtet oder vergast werden darf. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment Sonntag, 8. Juni 2008
philit, Sonntag, 8. Juni 2008, 15:32 Die nekrophilen, mittelalterlichen Frauen, welche mit Ernsthaftigkeit und zusammengekniffenen Lippen der Blumenpflege bei Kirchen und auf Friedhöfen obliegen. Mit knallgelber Gießkanne werden Stiefmütterchen ersäuft, Immergrün, Nelken. Verhärmt und ausgehungert oder fettgefressen mit wabernden Oberarmen. Vor dem großen Gott der Kirche und dem kleinen in Person des Pfarrers oder Dechants beugen sie das Knie, die Schrift führend im katholischen Frauenverein. Opferbereit wird in der Erde gewühlt, gepflanzt, gejätet in der Hoffnung auf ewige Seligkeit. Manche Gräber mit ihren ewig roten Lichtern und den stramm stehenden Tulpen, mit Schnittblumen in den barock anmutenden Vasen aus Fernost erwecken Sehnsucht. Unter solcher Pracht ist gut ruhen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 26. Mai 2008
philit, Montag, 26. Mai 2008, 20:25 In Ausschnitten habe ich ihn am Werk gesehen, den Josef Bierbichler. Rezitierend auf der Bühne, vor allem aber arbeitend. Holzschlachtend. Ich glaube nicht, dass die Tätigkeit zufällig gewählt war. Wer je (aber wer war das schon) mit Keilen, Möselhacke oder 5kg-Hammer zugange war, sich an Buchen, Eichen oder gar verwachsenen Föhren vergriffen hat, kennt das Urgewaltige, fast Wütende dieser Arbeit. Auch wenn es vielmehr eine Sache der Technik ist als der zuschauende Laie vermeint. Ein Keil kann zu breit, zu schmal sein, kann, wenn das Holz nass ist, nur mit behutsamen Schlägen hineingetrieben werden. Dann längsseitiges Aufspalten mit einer breiten Hacke, das Knacken, Krachen des Holzes. Ich zitiere keinen unverbesserlichen Naziarzt. Aber einiges fällt mir ein während des Zuschlagens, des Schlachtens, Schweiß auf der Stirn, mit den oft mehr als 100 kg schweren Stämmen hantierend. Und froh bin ich, wenn mein Körper mir diese brachiale Tätigkeit wieder erlaubt, wenn ich der Matratzengruft entkomme. Therapeutisch von den Jüngern des Asklepios gut geheißen. (Zugegeben: Von den Zentnergewichten habe ich nicht erzählt). - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 24. Mai 2008
philit, Samstag, 24. Mai 2008, 21:06 Keinen aufdringlichen Titel, keine bemühte Originalität, kein verqueres Internetenglisch. Daher steht in der Titelleiste "Worte", nichts weiter, Ergebnis einer kurzen Überlegung der Namensuche für das Blog, das ich vor vier Jahren geschenkt bekam. Nun gehen mir dieselben aus, sie fehlen, mir fällt bloß noch ein, dass mir zu diesem und jenem nichts mehr einfällt. Natürlich ein guter Grund die Klappe zu halten, nichts schlimmer wie ein Schreiberling, der sich darüber verbreitet, nichts mehr schreiben zu können. Ob solche Sprachlosigkeit Unheil oder Segen bringt, weiß ich nicht, manchmal hat sie etwas Beunruhigendes. Dann wieder eine Art wohliger Müdigkeit. Worüber schreiben? Über gelesene Sätze wie diesen? "Ich habe mich, und das war mir möglich, bemüht, nur Kinder zu erschießen. Es ging so vor sich, daß die Mütter die Kinder bei sich an der Hand führten. Mein Nachbar erschoß dann die Mutter und ich das dazugehörige Kind, weil ich mir aus bestimmten Gründen sagte, daß das Kind ohne sein Mutter doch nicht mehr leben konnte." (Aus Prozessakten der Staatsawaltschaft Hamburg von 1957 über Erschießungen von Juden in Jozefow in: Browning: Ganz normale Männer.) Auch dazu fällt mir nichts ein, Aufstehen, ans Fenster gehen, Musik hören. Irgendwo feiert die Feuerwehr, der Gesangsverein oder die Jägerei, die mit dem Schießen auch rechte Freude hat. Zwischen der ewig gleichklingenden Musik das immer gleiche Gejohle, Gejauchze. Um Mitternacht ist Ruhe, Lärm und Rausch sind polizeilich reglementiert. Vor dem Einschlafen Lektürewechsel, Browning ist - empirisch überprüft - für ein langsames Hinüberdämmern wenig geeignet. Auch Philosophie nur mit Einschränkungen. Sätze wie "woran soll aber der Künstler ihr[sic] gelungenes und nachzuahmendes Werk erkennen und es unter den mißlungenen herausfinden; wenn er nicht vor der Erfahrung das Schöne antizpiert?" (Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung, drittes Buch $ 45) Das bringt nur ins Grübeln und Widerlegen wollen, besser geeignet virtuelle Basisklassen oder implizite Destruktoren. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 17. Mai 2008
philit, Samstag, 17. Mai 2008, 01:06 Drei freie PCI-Slots, einmal AGP. Müsste klappen, eine ältere Grafikkarte auftreiben und der neue Monitor kann mit vernünftiger Qualität betrieben werden. Die alte Frau am Fenster, sieht mich, grüßt. "Heil Hitler!" Nickt kurz und geht weiter. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Dienstag, 6. Mai 2008
philit, Dienstag, 6. Mai 2008, 21:16 Bauboom in Österreich. Wobei: Mehr Tief- wie Hochbau. Die Erschließung von Unterirdischem steht hoch im Kurs. Und ich habe Verständnis dafür, also für die Gewölbe an sich, für meterdicke Türen, Schallschutzwände, für gebunkerte Lebensmittel. Und nein: Außer meiner eigenen wert-unwerten Person beabsichtige ich niemanden einzuschließen. Im Gegenteil. Ausschließen ist die Devise, draußen bleiben, aus den Augen, aus dem Sinn. Wo immer die Welt an mich herantritt, nervt sie. Menschen, die mich für noch blöder halten als ich nun ohnehin schon zu sein pflege, die ihren Vorteil und meinen Nachteil im Auge haben und denen ich nur ein jaja, passt schon, sagen kann, weil es mir peinlich wäre, wenn sie wüssten, dass ich sie und ihr Gebaren durchschaue. Und dann müde sein und Ruhe haben wollen, angestrengt durch das bemühte Betrügen anderer und das eigene Bemühen um das scheinbare Nichtsbemerken. Irgendwo tief unten sein, in ehemaligen Atombunkern, strahlen- und homogeschützt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 28. April 2008
philit, Montag, 28. April 2008, 12:28 Ich verlinke nur selten, bin keine Anlaufstelle für fröhliche Spruchweisheiten oder - noch schlimmer - youtube-Links. Dieser Artikel im Standard wäre es wert gelesen zu werden - und er wird aus den im Artikel beschriebenen Gründen, höchstwahrscheinlich nicht gelesen. Weil er schlicht zu lang ist, mehr als die maximal zumutbaren drei Absätze umfasst. - - - - ... Link (9 comments) ... Comment Sonntag, 27. April 2008
philit, Sonntag, 27. April 2008, 14:56 Wenn Städter aufs Land ziehen haben sie die Natur im Auge. "Grün", sagen sie, "Wiese", sagen sie, "Wald". Schön, ruhig, romantisch. Verträumt schauen sie ins Gesträuch, bewundern Nadelbäume, unterscheiden nicht zwischen Lärchen und Fichten, sagen sich aber, dass sie das schon noch lernen würden. Zuerst einmal ein Häuschen gekauft, geschmückt mit romantischen Holzwerkzeugen, von geschäftstüchtigen Bauern preisgünstig erworben, dazu Autoreifen mit Stiefmütterchen und ein handgefertigter Gartenzwerg aus China. Endlich Natur. Rein in die Wiese, sitzen, träumen. Nach 10 Minuten ein leises Gefühl der Unruhe, außerdem Jucken - tatsächlich, Ameisen. Direkt vor'm Haus, oh, ein Wespenkrug am Schuppen, Maulwurfshügel, die das nach Gleichmaß dürstende Auge verstören, Brennnessel (der Tee schmeckt auch nur auf Designertischchen im Penthouse wirklich gut), lebensbedrohliche Hornissen. Man kann's auch übertreiben mit der Natur, die Natur übertreibt. Soviel muss nun auch wieder nicht sein, Spinnen und Mücken fragen nicht höflich nach Einlass, Bäume erfrechen sich, Schatten zu werfen. Da muss die Zivilisation eingreifen, regulierend, planierend, nivellierend, das Hohelied des rechten Winkels anstimmend. Will sagen: Mein Nachbar betoniert. Die Wiese, die hochgelobte, blühende. Die sich der Wasserwaage entziehende. Und er fällt. Bäume, weil nicht zusammenklappbar. Wer braucht nach Erfindung des Sonnenschirms noch Buchen oder Eichen, deren renitente Schatten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 23. April 2008
philit, Mittwoch, 23. April 2008, 12:54 Die BILD-Zeitung widerfährt mir manchmal. Nicht oft, aber immerhin. Und dieses große Widerfahren lässt mich immer wieder staunen. Auch - oder weil - sich ein wohl bestallter Chefredakteur namens Strunz allenthalben über die mangelnde Sorgfalt der Berichterstattung in Blogs alterierte. Nun denn - darüber bin ich also gestolpert. Abgesehen davon, dass auf die eigentliche Problematik dieser Sperre nirgendwo eingegangen wurde (die wohl weniger in den gesundheitlichen Bedenken des BDB lag denn in einer Politik, den deutschen Meistertitel anderweitig zu verkaufen und Herrn Sidon das Geschäft zu vermasseln) hat man eine wunderbare Serie von Fotos geschaltet, die zwar einen Boxer schwer und langsam k. o. gehen lassen, von dem aber eines mit Sicherheit gesagt werden kann: Andreas Sidon ist dort - trotz anderslautender Bildunterschriften - nicht abgebildet, vielleicht Geiler von Kayserberg oder Herr von und zu Scheichsbeutel. Dann die nächste Überraschung, man beschert ihm eine Frau (tatsächlich ist die Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder vor einigen Jahren tödlich verunglückt) und lässt diese ihre Freude ausleben über einen Sieg ihres angeblichen Mannes. Die Dame heißt Nadja, ist mit dem Manager verheiratet und offenbar Bigamistin. Nun heißt es natürlich offene Türen einzurennen, wenn man diesem Blättchen seine Unfähigkeit bestätigt. Dass aber Angestellte dieser Zeitung als ernsthafte Diskussionspartner auf vorgeblich ernsthaften Veranstaltungen betreffs Journalismus eingeladen werden, ist das eigentlich Skandalöse dieser ganzen Angelegenheit. In Blogs kann man nun viel Unsinn lesen, derartig schlecht recherchierte, dümmliche Beiträge zu schreiben bleibt der BILD vorbehalten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 21. April 2008
philit, Montag, 21. April 2008, 02:07 Viele blasen die Trompete. Die Welt pfeift aus dem letzten Loch. Zuerst entweicht immer das Ozon. Manchen wird der Marsch geblasen, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Das war schon in Jericho so. Die alten Griechen ließen die Seele durch den Mund entweichen. Bei uns hatten sogar die Fußbälle eine Seele. Wenn ihnen die Luft ausging, waren Griechen und Fußbälle nicht mehr zu gebrauchen. Wer ins gleiche Horn bläst, kann auch unmusikalisch sein. Er hat von Tuten und Blasen keine Ahnung. Die Flöte ist ein phallisches Symbol. Dass man auf ihr blasen kann, hat erotisch-sprachliche Konsequenzen. Es gibt Ohrenbläser und Trübsalbläser. Da geht's auch ohne die Posaunen von Jericho, die keine Posaunen waren. Lichter kann man ausblasen. Manchmal sind's Lebenslichter. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Sonntag, 20. April 2008
philit, Sonntag, 20. April 2008, 14:19 Auf Caritasplakaten verhungern werbewirksam Kinder. Auf PRO 7 kann man sich das Fett absaugen lassen. Auf RTL bekommt man es wieder zurück. Das ZDF sagt einem, was dabei am besten schmeckt. Essen hält Leib und Seele zusamm'. Manchmal reicht es weder für das eine noch für das andere. Ich hab auch schon keinen Hunger mehr. Man muss positiv denken. Auch das Negerkindlein ist nicht umsonst verhungert. Den Klingelbeutel freut's, den Herrn Pfarrer auch. Der Bischof muss abnehmen, der Missionar schaut aber schon schlecht aus. Das Kindlein kommt in den Himmel, der liebe Gott will auch sein Freude haben. Je jünger, desto unschuldiger. Das Negerkindlein bekommt eine Gewitterwolke. Gewitter muss es auch geben. Nur die Blitze sind unangenehm. Zum Glück haben wir eine Feuerwehr. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 16. April 2008
philit, Mittwoch, 16. April 2008, 16:50 Das mit dem Rechnen ist so eine Sache, manch ein Pimpf hat schon in der Volksschule seine Probleme, zur Strich- kommt die Punktrechnung und die Zahlen werden dreistellig. Und bei vier beginnt laut Volksmund die Mengenlehre, vier ist mehr und vier ist viel, viel aber ist jenseits der Vorstellungsgrenze. So mancher Pimpf wird später Politiker, da verdient man viel und braucht von Zahlen noch lange keine Ahnung zu haben. Als man etwa im österreichischen Nationalrat nach der Zahl der Nullen einer Milliarde (wohlgemerkt nicht der der Anwesenden) sich erkundigte, bezeugten die solcherart Befragten eine bei diesem Menschenschlag kaum vermutete Kreativität. Einer antwortete "viel", andere Angaben schwankten zwischen 5 und 20. "Viel" war richtig, größer vier. Das mit den Nullen ist ohnehin ein Ärgernis, eigentlich weiß man, dass von nichts nichts kommt und eine Null (so nebenbei eine babylonische Erfindung, was die amerikanische Obernull vielleicht zu seinem Feldzug veranlasst hat) eben gerade nix ist - außer sie stellt sich brav hinten an und verwirrt den längst erwachsenen Pimpf um den Faktor 10. Scheiß Punktrechnung, schon wieder, da lebt man brav eindimensional vor sich hin und muss sich plötzlich mit Quadratischem herumschlagen. Der Großpimpf ist natürlich der Meinung, dass zwischen 10 hoch 8 und 10 hoch 9 nicht viel Unterschied sein kann, ändert sich ja nichts, ist wie bei 78 und 79 und wenn man's in Zwetschkenknödel umrechnet, sind das wieder viele, so viele, wie man kaum essen kann und in jedem Fall fast gleich viel. Und so kommt's, dass eben 500 Millionen Dollar auch viel sind. Fünf mal 10 hoch 8 Dollar, in Euro ein bissi weniger, aber sicher auch noch eine Menge, Kurs 1,5, blöde Rechnerei schon wieder. Und mit dem Essen hat das auch zu tun, nicht mit Zwetschkenknödel sondern einfach mit Verhungern. Soviel nämlich, soviele Dollar bräuchte man, hat der Mann von der Weltbank gesagt, damit die armen Neger in Afrika nicht verhungern, weil zwar auf der Welt viel angebaut wird, aber seit neuesten umweltschonend bio getankt wird. Bio, das hat man früher essen können, aber jetzt kann die Hofratsgattin damit zum Einkaufen fahren, sie kann ihren neuen Pachero oder Tuareg damit betanken und umwelt- und klimaschonend zum Friseur kutschieren. Und das mit dem Essen ist jetzt Essig und das ist blöd für alle die, die keinen Geländewagen zum Einkaufen haben. Natürlich hat der Herr von der Weltbank nicht Neger gesagt, er hat Englisch geredet und sicherlich den korrekten Ausdruck für den Verhungernden verwendet, für Mbonga Kdule oder wie immer der heißt. Auch Verhungern will gelernt sein und wenn's schon sein muss, dann als Schwarzer, Farbiger, Schwarzafrikaner oder Mensch mit dunkler Hautfarbe. Mbonga hat sich allerdings während seines vor sich Verhungerns gar nicht um semantische Feinheiten gekümmert, der hat da kein Problem damit gehabt und hätte ihm jemand etwas zu essen gegeben, wäre er wohl auch ein "Nigger" zu überhören bereit gewesen. War aber nix da zum Essen wegen der umweltschonenden Hofratsgattin, fürs Weltklima müssen Opfer gebracht werden und Überbevölkerung ist sowieso ein Problem. 500 Millionen Dollar sind natürlich viel Geld, so eine Weltbank hat auch nur ein begrenztes Budget und die einzelnen Länder neben diesem auch noch ein Defizit. Österreich beispielsweise. Jetzt kann man natürlich blödsinnige Rechnungen anstellen, etwa vorschlagen, zwei Abfangjäger weniger zu kaufen, aber da leidet die Sicherheit, der Terror ist gelandet in Europa, schon vor Monaten und da weiß man nie, ob nicht so ein Eurofighter doch zu irgendetwas nutze ist und außerdem liegt Österreich im Herzen Europas, Liechtenstein im Westen droht mit Aktenordnern von Steuerflüchtlingen und den Slowenen haben wir schon zu Gastarbeiterzeiten nicht getraut. Und mein Holzhändler fürchtet sich vor den Zigeunern (tatsächliche Verwendung des inkorrekten Ausdrucks), vielleicht sind da Kampfjets auch zu brauchen. Im Kampf gegen die Überbevölkerung aber sind die Weltbank und ihre Mitglieder ausnehmend effizient, das hält jeden Vergleich aus, man denke nur an die Amerikaner. Die brauchen für hunderttausend tote Irakis 1 Billion Dollar, und Billionen sind bei uns mehr als Milliarden, viel mehr sogar, manche behaupten es wären ungefähr 1000. In Amerika aber ist die Billion eine Million und so ist das Ganze dann doch wieder recht billig, 10 Dollar für einen Iraki, das ist ein Schleuderpreis, kriegste bei Ebay auch nicht günstiger. - - - - ... Link (7 comments) ... Comment Sonntag, 13. April 2008
philit, Sonntag, 13. April 2008, 19:34 Am liebsten mochte ich politische Landkarten. Sie waren bunt, jeder Staat eine Farbe, der kleine orange Fleck in der Mitte, wie ein Einzeller nach Osten schwimmend, war Österreich. Orange war eine schöne Farbe, Österreich ein schönes Land. Orange war die Farbe der Schirennläufer, von Heini Messner und Karl Schranz, deren Erfolge man im Radio verfolgen konnte - wenn der Empfang gut war. Das magische Auge zu einem feinen Strich reduziert - und von der Kredenz weggehen, denn das verursachte eine Störung. Später konnte man die Rennläufer auf verschwommenen Schwarzweißbildern verfolgen, das Problem mit dem schlechten Empfang blieb, bei ungünstiger Wetterlage sah man bloß Schemen im Rauschen der kosmischen Hintergrundstrahlung, die Bilder "liefen", ein anderer Platz für die Zimmerantenne wurde gesucht, auf der Fensterbank, der Küchenkommode, manchmal Gabeln, andere Metallstücke angeklemmt. Das Radio stand auf einem Regal über der Eckbank. Und auf dem Radio ein Blumentopf, Pelargonien, vermutlich. Das alles fügt sich in meinem Gedächtnis zur ersten politischen Erinnerung, Aufregung und Spannung war damit verbunden wie beim Hahnenkammrennen oder der Lauberhornabfahrt. Stündlich wurde über den Gesundheitszustand von Robert Kennedy berichtet, der einem Attentat zum Opfer gefallen war. Zwei meiner Onkel waren anwesend, alles war aufgeregt, diskutierte, der Hoffnungsträger einer freien Welt lag im Sterben, das Radio lief mit voller Lautstärke. Und irgendwann fiel durch die Vibrationen der Blumentopf, traf meinen Bruder - und zwischen Scherben, Verletzungen, dem entstehenden Tumult starb im fernen Amerika der Bruder des guten Präsidenten, der uns, den Westen, Berlin gerettet hatte. Ich wollte selbst politische Karten zeichnen - und bemalte mit Buntstift die Rückseite eines Kalenderblattes. In der Mitte war ein kleiner Fleck, orange, das schöne Orange aus dem Atlas - der Rest des Blattes dunkelgrün gefärbt. Dass zu meiner Erklärung dieser Landkarte gelacht wurde, verwunderte mich, schien doch alles so selbstverständlich, genau so, wie es mir vermittelt wurde: Das große, dunkle, grüne Gebiet war die Sowjetunion, waren die Kommunisten. Deren Anführer ein dicker, dunkelhaariger Mann mit buschigen Augenbrauen und Pelzkappe, grimmiger Blick, hängende Mundwinkel, undenkbar, ihn lachend zu zeigen. Auch das selbstverständlich, ein böses Land konnte nur einen bösen Präsidenten haben, Weltherrschaft, Kalter Krieg, Revolution, die schlimmen Wörter passten zu den Augenbrauen. Und dann gab's noch Vietnam, wo die Guten den Krieg verloren. Immer waren sie auf dem Rückzug, verloren Terrain, schon seit Jahren. Die Abendnachrichten brachten den Untergang näher, Stück um Stück, jeden Tag wurde der Kampf aussichtsloser, das Böse war unaufhaltsam. Das Böse: Bolschewismus, Che Guevara, Dominoeffekt, Russen, Ho Chi Minh. Wörter so gefährlich wie der dunkle, missmutige Präsident, immer wieder der Hinweis auf das glückliches Österreich, nur 100 Kilometer weiter der Eiserne Vorhang, wo das Reich dieses Bösen begann. Einmal fuhren wir nicht auf einen der unzähligen Berggipfel mit den ewig gleichen Kreuzen und Gipfelbüchern, in die wir uns regelmäßig eintrugen, sondern ins Burgenland, zu diesem eisernen Vorhang. An Stacheldraht meine ich mich zu erinnern, dahinter Büsche, Dornen, Wald. Man unterhielt sich darüber, ob es dort Minen gäbe, Wachtürme, Soldaten mit Maschinengewehren. Wahrscheinlich alles. Da ich mir diese Grenze absolut unüberwindlich vorstellte, war ich überrascht, dass sich die Vögel um diese Barriere nicht scherten. Ob die das dürften, fragte ich, ob das so einfach möglich wäre. Ob nicht geschossen würde. Später habe ich Freiheit noch oft mit Fliegen in Zusammenhang gebracht. Große Aufregung, als mit roter Farbe "Che Guevara" und "Ho Chi Minh" auf die Kirchenmauer geschrieben wurden. Doppelt schlimm: Der heilige Ort der Kirche, die furchtbaren Namen. Das Blasphemische dieser Aktion nahm mich erstmals für die unbekannte Welt des Bösen ein: Dieses Gotteshaus als eine fortgesetzte Qual des Stillsitzens, alte Männer und Frauen, die ihre violetten Zungen zur Kommunion rausstreckten, der Zwang, nichts sagen, sich nicht bewegen zu dürfen. Die Gegner, die Beschmutzer der Kirche, die geschriebenen Namen waren Verbündete gegen eine Welt von Angst und Verbot. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2008.09.06, 15:00 Links
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Von Bäumen, Gott und Gärten
Der natürliche Feind des homo rusticus ist der Baum. Vor...
by philit (2008.09.06, 15:00)
*sehrfreu* - und: Wenn
du das verstehen würdest - ich wäre aufs Schwerste beunruhigt!
by philit (2008.09.05, 20:01)
Hallo :-) Ich verstehe das
zwar nicht, will aber sagen, daß ich vielleicht wieder...
by aelis (2008.09.05, 14:12)
Unübertroffen Mein Lieblingsschwachsinn psychoanalytischer Provenienz:
"So also symbolisiert das erektionsfähige Organ den Platz des Genießens,...
by philit (2008.09.05, 02:19)
Das ist nicht gesund ...
Nordic walking setzt sich nun unter der autochthonen Landbevölkerung durch....
by philit (2008.08.29, 00:56)
Unabhängig Abchasien und Südossetien anerkannt.
Zeter und Mordio bei allen westlichen Staaten, diese Russen. Natürlich,...
by philit (2008.08.27, 02:51)
hm Das Schaudern, wenn jemand
mir sagt, er möchte sein wie ich. Aus mir heraustreten,...
by philit (2008.08.26, 02:38)
Vom Kriege Die immer gleichen
Fotos in verschiedenen Variationen: Weinende Mütter, Kinder, Männer über ihre...
by philit (2008.08.21, 14:42)
Verlernen Den Mund öffnen, nach
Worten suchen, die Mühe eines Satzes, einer Umschreibung. Abbrechen, nichts...
by philit (2008.08.17, 13:38)
Verlieren Zähne sind dabei, Haare.
Träume - die allerdings schon sepiafarben oder schwarzweiß. (Das junge...
by philit (2008.08.04, 02:44)
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