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Samstag, 6. September 2008
philit, Samstag, 6. September 2008, 15:00 Der natürliche Feind des homo rusticus ist der Baum. Vor allem in Wäldern nimmt er überhand, er wirft Schatten - und sein Laub im Herbst dem erbosten Gartenliebhaber vor die Füße. Deshalb haben Gott und die Baumärkte die Motorsäge erfunden, das muss so nach dem dritten Tage gewesen sein, gleich nachdem die Erde aufgehen ließ Gras und Kraut, das sich besamte, jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten. (Über die Idee des Krauts hätte so mancher Hobbygärtner noch ein Wörtchen mit Gott zu reden ...) Ein - glücklicherweise durch andere Anwesen - getrennter Nachbar holzt, holzt ab. Dies ist bei dem Betreffenden umso erstaunlicher, als ihm bislang wenig an freier Sicht und noch weniger an einer solchen auf die angrenzenden Häuser gelegen war, sehr viel hingegen an juristischen Spitzfindigkeiten und der Telefonnummer der lokalen Polizeistation, die für die Beschwerden akustischer, visueller und - vor allem - olfaktorischer Art alsbald die Arbeitslosigkeit in der Gegend verringern wird müssen. (Olfaktor, der: Geruchsnerv. Sich belästigt fühlend, wenn bei einem weiteren Nachbarn esoterische Hausfrauen frustriert ums Lagerfeuer sitzen, um sich durch diverse Düfte von ihren sexuellen Verklemmungen zu befreien. Nackig auf einem Trampolin hoppeln scheint auch zur Therapie zu gehören. Und wenngleich ich zugeben muss, dass von Wohlgerüchen wenig, von vermeintlicher Abfackelung alter Autoreifen oder gebrauchter Tennissocken geruchlich viel zu vernehmen ist, scheint mir - wie bei vorgeblichem Nachbarn, die Wahrscheinlichkeit, durch diese Feuerchen lebenslange, zu Siechtum und Tod führende Lungenerkrankungen sich zuzuziehen, gering zu sein.) Mal sehen, was die Zukunft bringt. Da auch mein direkter Nachbar dem gräulichen Baumwuchs den Garaus gemacht hat, könnte nun auch der juristische Rodungsexperte vom Dachfirst aus ein Eckchen meines Grundstückes und ihm wenig Wohlgefälliges erblicken. Ich bin der einzige in der Umgebung, dem noch kein Besuch von seiten der Ordnungshüter beschieden war. Vielleicht beanstandet er jenes Waldstück, dass dem Erdboden gleichzumachen ich nicht gesonnen bin - weil ihm dadurch der Blick auf mein möglicherweise ungesetzliches Treiben genommen wird. Die Natur sollte so aussehen wie bei jenem kürzlich im TV auftretenden Vorgartenbesitzer an der deutsch-holländischen Grenze: Auf die Frage, ob es nicht enorm aufwändig sei, einen derart gepflegten Garten vorzuweisen, meinte der Herr mit gewitztem Gesichtsausdruck: Mitnichten, das von Gott an Tag 3 irrtümlich gepflanzte Allerlei sei von ihm längst überlistet worden. PVC heißt die Lösung, Plastikfolien, allüberall vergraben im Garten, so dass (breites Grinsen) hier überhaupt nichts mehr wachse. Nur an wenigen Stellen sei diese Folie durchbrochen (Ziersträucher), ansonsten gäbe es noch Blumen in speziell versenkten Behältnissen. Über der Plastikfolie hingegen Kieselsteine und/oder Rindenmulch. In Meyers Konversationslexikon von 1876 (es muss nicht immer wikipedia sein) erfahren wir vom Verfasser des Lemmas über die Verbindung zwischen Paradies und Garten, der annähernden Gleichsetzung. Und von Gottes Rückständigkeit, der da bei seinen floristischen Exzessen auf die Verwendung von Polymerisationsverfahren vollkommen vergaß. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Freitag, 5. September 2008
philit, Freitag, 5. September 2008, 02:19 Mein Lieblingsschwachsinn psychoanalytischer Provenienz: "So also symbolisiert das erektionsfähige Organ den Platz des Genießens, nicht als es selbst, nicht mal als Bild, sondern als der dem begehrten Bild fehlende Teil: Darum auch ist es dem Im Wissen, demnächst auf mindestens zwei sich mit derlei metaphysischem Nonsens Beschäftigenden zu treffen, den Satz auswendig lernen. Dann zuschlagen. Die Macht der Worte. - - - - ... Link (2 comments) ... Comment Freitag, 29. August 2008
philit, Freitag, 29. August 2008, 00:56 Nordic walking setzt sich nun unter der autochthonen Landbevölkerung durch. Allein, bei aller generellen Zweifelhaftigkeit des rhythmischen Aufsammelns von Papierfetzen mittels Schistöcken: Die Technik ist verbesserungswürdig. Also: Apoplektischer Weinbauer um die 50 mit gehörigem Embonpoint stampft mit unter die Achseln geklemmten Stöcken am Gehweg entlang. Dieselben wippen im Takt mal links, mal rechts über das schweißgebadete Haupt, die Hände wackeln eigentümlich vor dem Körper hin und her, weil die Oberarme zwecks Klammerung der Stöcke an den Brustkorb gepresst werden. Beachtlich aber vor allem der Schritt: Wer nun seine literarischen Hausaufgaben gemacht und den Merowingern ihre Referenz erwiesen hat, dem sei mit dem Freiherrn Childerich von Bartenbruch III. ein Bild in Erinnerung gerufen: Hahnentritt nebst Ausstellwinkel größer 120 Grad. Bei jedem Aufstampfen schien mein Schwerathlet ein Säugetier mittlerer Größe (Ratte?) zermalmen zu wollen, fleischgewordene Urgewalt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 27. August 2008
philit, Mittwoch, 27. August 2008, 02:51 Abchasien und Südossetien anerkannt. Zeter und Mordio bei allen westlichen Staaten, diese Russen. Natürlich, würden sich beim jetzt im Schwange befindlichen Unabhängig Erklären auch die Tschetschenen beteiligen, wären Medwedew und Putin wohl kaum als aufrechte Verteidiger der Eigenständigkeit zu gewinnen. Andererseits: Wie war das doch gleich mit dem Kosovo? Und was war damals in Jugoslawien, als man trotz des offenkundig ungeklärten Grenzverlaufes zwischen Kroatien und Serbien von deutscher Seite nichts Besseres zu tun wusste, als die Kroaten anzuerkennen? Mit den allseits bekannten Folgen? Natürlich entschuldigt eine Dummheit nie eine andere, jeder schielt auf seinen Vorteil und kocht sein politisches Süppchen in der Hoffnung, es mögen sich ein paar Fleischklößchen finden. Aber ein bisschen weniger Doppelmoral täte den U.S.A. und Europa gut. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Dienstag, 26. August 2008
philit, Dienstag, 26. August 2008, 02:38 Das Schaudern, wenn jemand mir sagt, er möchte sein wie ich. Aus mir heraustreten, mich mit den Augen des anderen sehen. Vergeblicher Versuch, die Perspektive zu wechseln. Zurück in der eigenen Haut. "Wünsch dir das nicht" sagen wollen ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Donnerstag, 21. August 2008
philit, Donnerstag, 21. August 2008, 14:42 Die immer gleichen Fotos in verschiedenen Variationen: Weinende Mütter, Kinder, Männer über ihre Kameraden gebeugt, im Hintergrund brennende Häuser, manchmal der Lärm von Mündungsfeuer, Detonation von Sprengsätzen. Auch die Texte austauschbar: Das Leiden der Zivilbevölkerung wird in drastischen, melodramatischen Worten geschildert. Und die Conclusio: Unschuldiges Leiden, machtgierige Politiker, Militärs. Irgendeine Nomenklatura will mehr Macht und das Volk leidet. Ich halte diese beliebte, streichelweiche Sichtweise für grundfalsch. Nicht was die machtgierigen, korrupten Staatsmänner und -frauen anlangt, sondern was das arme, verführte Volk betrifft. Erinnerung an den Jugoslawienkrieg: In meiner Stadt kannte ich Bosnier, Kroaten, Slowenen - und weil die Stadt eine Kleinstadt ist, waren sie bis zu Beginn der 90iger Verbündete. Wenn etwa die Fußballnationalmannschaft sich zu mehr-weniger großen Taten begab. Dann aber, nach Beginn der Auseinandersetzungen (unabhängig davon, dass der Westen damals so ziemlich alle diplomatischen Fettnäpfchen zerdeppert hat, die sich ihm in den Weg stellten) war es ganz und gar nicht notwendig, das arme, geschundene Volk für den Krieg zu begeistern - im Gegenteil: Im stillen Kämmerchen wurden sehr viel radikalere Lösungen vorgeschlagen als von den offiziellen Führern. I. war stolz auf seinen Sohn, der freiwillig in den Krieg zog, er sprach plötzlich von der "natürlichen" Führerschaft der Kroaten, von notwendigen Gebietsansprüchen. Die Angst um den Sohn wurde vom Stolz bei weitem übertroffen. Gerade in Jugoslawien wurde häufig von einem Krieg der Mächtigen gesprochen und von einem Volk, das friedlich zusammenleben wolle. Ich habe davon nichts gespürt, noch vor Ausbruch der kriegerischen Handlungen waren die Volksgruppen im fremden Österreich verfeindet, Menschen, die sich kurz zuvor gemeinsam Sportübertragungen angesehen hatten, die gemeinsam gefeiert, getrauert hatten bei Niederlagen und Siegen. Es gab nicht den geringsten Anlass einander zu hassen; aber es genügte, dass einer aus Osjiek, der andere aus Novi Sad kam. Es bedurfte auch keiner raffinierten Propaganda, die Bereitschaft, für eine Heimat in den Krieg zu ziehen, in der man über Jahrzehnte hinweg kaum mehr als einige Wochen verbracht hatte, der Eifer andere totzuschlagen, weil sie hinter der - lange unsichtbaren - Grenze gelebt haben, war enorm - und beängstigend. Und Vernünftige, Besonnene wurden von allen angefeindet, Defaitisten, Drückeberger, Feiglinge. Österreicher fühlten sich in ihren Haltungen bestätigt: So ganz weit her ist es mit der Zivilisation bei den Tschuschen doch nicht, man hat es immer schon gewusst. Und wenn ich nun weinende Georgier jedweder Provenienz sehe, über ihre Angehörigen gebeugt, verzweifelt: So ist das Leiden unstrittig, das Elend, der Jammer. Aber auch die Neigung den anderen zu töten, aus Rache oder einfach mal präventiv. Man weiß ja nie. Wie man in Friedenszeiten die Mitglieder der eigenen Gruppe, Ethnie bevorzugt, sie in Ämter setzt, ihnen Privilegien zugesteht und dann überrascht ist, dass der andere es - die Macht vorausgesetzt - in seinem Einflussgebiet ebenso macht. Eines ist aber bei all dem nicht notwendig: Das gemeine Volk, den kleinen Mann davon zu überzeugen, dass der andere ihm Böses will. Der Mächtige und der von ihm Regierte unterscheiden sich nur in ihrem Einfluss, nicht in ihrer Haltung. Sie schielen beide auf ihrern Vorteil und beiden ist jedes Mittel recht. Nichts wird vom kleinen Manne lieber geglaubt, als dass ihm eine andere, meist unterprivilegierte Gruppe etwas nimmt, das eigentlich ihm zusteht. Der andere: Das sind Türken, Tschuschen, Juden, Schwule, Studenten, Arbeitslose und eigenartigerweise auch die Mächtigen, von denen sie sich zum Instrument machen lassen. Wobei in dieser Strategie System liegt: Je mehr solcher Gruppen zum Feindbild angeboten werden, desto eher wird auf jene vergessen, die dieses Angebot machen. Auf die da oben, deren Privilegien man gerne selbst hätte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Sonntag, 17. August 2008
philit, Sonntag, 17. August 2008, 13:38 Den Mund öffnen, nach Worten suchen, die Mühe eines Satzes, einer Umschreibung. Abbrechen, nichts suchen, nichts erklären wollen, Sprechen als Arbeit. In Belanglosigkeiten verstummen, die Katze am Schoß, ihr Zärtlichenkeiten zuraunend, lautmalerisch, bedeutungslos. Den Gebrauch gesprochener Sprache verlernen wie andere, brach liegende Fertigkeiten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 4. August 2008
philit, Montag, 4. August 2008, 02:44 Zähne sind dabei, Haare. Träume - die allerdings schon sepiafarben oder schwarzweiß. (Das junge Mädchen am Tisch, über meine Kindheitsfotos gebeugt, der Blick abwechselnd auf mich und auf die Bilder gerichtet: Wow, bist du alt. Das sind doch nur Schwarzweißfotos! Sie lacht, erschrickt über die eigene Ehrlichkeit, stupst mich an, lächelt, flirtet ein wenig. So alt doch noch nicht.) Und die Zeit, die, von der man kein Ende kennt. Die eigene Zeit. Unendlich verlängert bis in ein unwirkliches Alter. Übrig geblieben die verstaubte Erinnerung an jene, die niemals alt wurden. Da und dort ein Rest Humor. Überlebenswichtiges Akzidens. Flüchtig wie das Pneuma der Alten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Montag, 4. August 2008, 01:39 Aber - kennt man das nicht? Man beichtet das Unvermeidliche, erwartet das Urteil, ängstlich beschämt - und wird wider Erwarten gut aufgenommen, verständnisvoll und kann sich gar nicht genug daran tun, seinen Dank zu erweisen. Der nicht in echtem Dank besteht, sondern sich vielmehr aus der Erleichterung speist, so sanft und rücksichtsvoll behandelt worden zu sein. Kaum aber ist einige Zeit verstrichen, erscheint das eigene Verhalten ein wenig peinlich, fast erniedrigend (denn in gleicher Weise stellt sich der gestandene Fehltritt als weniger furchtbar dar) - und nun erfolgt eine seltsame Umkehrung: Man verzeiht die nachsichtige Haltung dem Verzeihenden nicht, fühlt sich von ihm erniedrigt und nimmt Rache an der Großherzigkeit. Mit kleinen, feinen Stichen, als solche kaum erkennbar und nur dem Eingeweihten verständlich, so unscheinbar, dass eine Forderung nach Unterlassung solcher Äußerungen mit herzlicher Naivität zurückgewiesen werden könnte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 26. Juli 2008
philit, Samstag, 26. Juli 2008, 23:36 Nun also feiert man. Aufgeschlossen, stylisch, engagiert, man kämpft für Umwelt und Gerechtigkeit, ist für Obama und gegen Bush (so nebenher: Da werden einige sich wundern über die kaum auszumachenden Unterschiede. Der Katzenjammer ist garantiert, aber wer steht nicht gerne Schulter an Schulter mit Gleichgesinnten in Fanmeilen, am Reichsparteitag oder feuerzeugschwenkend beim Popkonzert). Des abends lässt man Flugzeuge fliegen, deren Anflug auf den Ort des Feierns lautstark bejubelt wird. (Weshalb eigentlich, warum wird da gejubelt und gewunken, gegröhlt und gejohlt? Weil keine Bomben fallen, nicht wie bei diversen Flugshows einiges schwachsinnige Personal durch abstürzende Jagdbomber der darwinschen Selektion anheim fallen?) Wie auch immer, es lärmt, stinkt, Autokarossen allüberall bei einem prospektiven Anteil von Grünwählern weit über 50 Prozent. Und immer noch kreischt man, man kreischt leichten Herzens, es reichen Fluggeräte oder einfach die eigene, simple Verfassung. Der Veranstalter: Kämpfer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. Und immer wieder der Beweis: Die Tatsache, gesellschaftlich diskriminiert zu sein, schützt keineswegs vor Blödheit und Stumpfsinn. Unter Geschlagenen, Missbrauchten, Benachteiligten findet sich der gleiche Anteil an Schwachköpfen und Arschlöchern wie anderswo. Was ausgesprochen und niedergeschrieben meist ein paar besonders eifrige Verfechter einer besseren Welt auf den Plan ruft, die da die Kritik mit Verachtung gleichsetzen. Oja, ich bin für Gleichberechtigung. Mir ist es herzlich wurscht, wer welche Körperöffnung des anderen mit welchem Teil malträtiert, welcherlei Hilfsmittel zum Lustgewinn eingesetzt werden, deren Beschaffenheit u. v. m. Wurscht nicht im Sinne einer verächtlichen Gleichgültigkeit, sondern schlicht und einfach egal. Aber es ist ein Irrtum anzunehmen, dass die Diskriminierung mit positiven charakterlichen Eigenschaften einherginge. Mit Nachdenken, Verständnis, Empathie. "Auschwitz war keine Besserungsanstalt" hat Ruth Klüger einmal erwidert, als ihr die faschistoiden Tendenzen Israels vorgehalten wurden, die doch gerade von einem Volk, das den Holocoust erlebt habe, so nicht erwartet würden. Ich bin also genervt von Geplärr, Geschrei, Gelärme seitens der Diskriminierten, die ich sonstwo hin wünsche. Und finde es trotzdem selbstverständlich zum Kotzen, wenn rechtsklerikale Bestrebungen in der Politik sich nicht entblöden, jemanden wegen seiner sexuellen Ausrichtung welches Recht auch immer zu benehmen. Und kein Mensch hat eine Stelle als Feuerwächter für mich ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Freitag, 25. Juli 2008
philit, Freitag, 25. Juli 2008, 20:16 Geheimtipps gehören zum Wildwuchs semantischer Paradoxa. Vergleichbar den geflüsterten "aber nicht weitersagen"-Instruktionen, die mir gerade dann häufig zuteil werden, wenn ich Dinge erfahre, die zu wissen ich nicht die geringste Neugier verspürte. Aber diesen flüsternden, seltsame Einvernehmlichkeiten herstellenden Wächtern lebenswichtiger Informationen ist schwer zu entkommen. Das Schicksal nun hat mir Übles zugedacht: Ich lebe in einer Gegend, die sich zunehmend als Geheimtipp entpuppt. Das bedeutet, dass alle mögliche Prominenz sich hier anzusiedeln begehrt, dass man also eine Zweit- oder Drittwohnung sich anschafft in der ach so unberührten Natur, um sich alsbald ganz schrecklich zu langweilen. Das grüne Einerlei verstört und damit die eigene Einfalt, weil grade nichts von ihr ablenkt. Und so schreitet man zur Tat - und anstatt im Penthouse dem Nachbarschnösel auf die Nerven zu fallen, gibt es nun hier allwöchentlich Natur-Kultur-Events, um dem Besäufnis den entsprechenden Namen zu verleihen. (Früher hieß das Ganze "Woazbrotn", war eine pekuniäre Notwendigkeit der dörflichen Jugend, da der Rausch am Lagefeuer kostengünstiger war als in diversen Discotheken. Wobei ebensowenig jener dem Event seinen Namen gebende "Woaz" vonnöten war wie heutzutage die Kultur. Das Ergebnis entleerter Bierkisten und französischer Rotweinflaschen pflegt im übrigen das Gleiche zu sein.) Bald werde ich wieder auf der Flucht sein. Eine Konstante meines Lebens, auch als Kind konnte ich dem Wunsch nach Alleinsein nicht den entsprechenden, Verständnis heischenden Ausdruck verleihen. Manchmal nahm mich ein tieffühlendes Mutterherz an der Hand und führte mich widerwillig den Spielgenossen zu mit der Bitte, mich doch auch teilhaben zu lassen. "Aber er will ja nicht!" Richtig. Ich wollte meist bloß meine Ruhe, weshalb ich mit einigem Geschick Verstecke ausfindig machte, in denen mich auch das größte Wohlwollen nicht aufzuspüren in der Lage war. Ich meine mich erinnern zu können, bei J. Kerouac (On the road) von Feuerwachen in den Bergen gelesen zu haben, ein halbes Jahr Einsamkeit garantiert. Bei Kenntnis derartiger Stellen bitte eine Mail an den scheichsbeutelschen Account ... - - - - ... Link (3 comments) ... Comment Freitag, 18. Juli 2008
philit, Freitag, 18. Juli 2008, 14:37 Wäre da ein Preis ausgeschrieben für den originellsten Titel - Leonard Nelson ist ein Kandidat: "Spuk. Einweihung in das Geheimnis der Wahrsagekunst Oswald Spenglers und sonnenklarer Beweis der Unwiderleglichkeit seiner Weissagungen nebst Beiträgen zur Physiognomik des Zeitgeistes. Eine Pfingstgabe für alle Adepten des metaphysischen Schauens." - - - - ... Link (4 comments) ... Comment Sonntag, 29. Juni 2008
philit, Sonntag, 29. Juni 2008, 13:34 Das, was ein geschichtliches Ereignis bedeutsam mache, ist seine Wirkung, sein Einfluss auf den Ablauf der Geschichte und nicht die Sache an sich. Solcherlei geistreiche Erkenntnisse liest man in Köhlmeiers "Abendland", fühlt sich an Hegels Trivialgeschichtsauffassung erinnert, dass denn das Stärkere immer siege (mit dem zweifelhaften Zusatz, dass es auch das Bessere sei, wobei noch zu definieren wäre: Für wen besser). Auf diese Weise hat Geschichte immer Recht - und man vermag auch die Zukunft vorauszusagen: Insofern, als dass auch in Zukunft der Stärkere siegen werde. (Und eigentlich ist's nur dümmliche Tautologie: Der Stärkere ist der Stärkere!) * Das nun ist so richtig wie belanglos. Es besagt nichts anderes, als dass es eben Stärkere und Schwächere gibt, Sieger und Verlierer und es ist für die Gegenwart nichts anderes als das Konstatieren des status quo. Ein teleologisches Geschichtsbild, es hat so kommen müssen und nicht anders, weil es eben so ist und nicht anders. Alles Seiende hat eine Ursache - und weil es auf diese Weise ist, konnte es nicht anders sein. Wenn nun aber die Zeit bis zu unserer Gegenwart auf diese Weise determiniert ist, lassen sich für teleologische Schlauköpfe auch Zukunftsszenarien orten, ob wissenschaftlich oder metaphysisch verbrämt. Zwischen Jüngstem Tag und Klassenloser Gesellschaft ist kein Unterschied, und weil alle Wege zwangsläufig dorthin führen, können auch Opfer gebracht werden. Auf ein paar Tote kommt es nicht an - im Gegenteil: Diese sind offenbar notwendig, sie sind nur die zwangsläufige Zwischenschritte auf dem Weg dorthin. Wo immer das ist. Köhlmeier dient die Hinrichtung Jesu (eine Person zweifelhafter Historizität) als ein Beleg für seine Theorie, die Kreuzigung selbst belanglos, folgenschwer erst durch jene Menschen, die diesem Tod Bedeutung zuerkannten. Das klingt nun einleuchtend, ist aber von fundamentaler Aussagelosigkeit: Es ist nichts anderes als die Feststellung eines historischen Faktums. Es bedeutet schlicht, dass die Folgen ähnlicher Ereignisse nicht immer die gleichen sind (alles andere wäre denn auch überraschend). Bzw.: Dass Ursachen Wirkungen haben. Und unterschiedliche Ursachen unterschiedliche Wirkungen, je nach Ort und Zeit des Geschehens. Ein umstürzender Baum wird meist niemanden erschlagen, manchmal einen unvorsichtigen Forstarbeiter, selten einen Präsidenten. Und mit den Propheten aller Zeiten ließen sich viele Fußballstadien füllen, in einigen wenigen Fällen hatten diese mit einem Hang zur Hysterie und Epilepsie ausgestatten Personen weitreichendere Wirkung. Sie hatten ihn, weil fast jeden Sonntag jemand im Lotto gewinnt, weil die zufällige Verteilung keine andere Wirkung zulässt. (Sie mussten ihn aber nicht haben: Wie auch die Lottozahlen andere hätten sein können. Was Sonntag Abend noch den meisten einleuchtet.) Bei den Propheten hingegen wird alsbald eine höhere Macht vermutet, die nach Erschaffung der Welt nebst starker und schwacher Kernkraft derzeit mit der Überwachung von Klein-Maxi beschäftigt ist und ihn wegen eines geklauten Kaugummis im Supermarkt der ewigen Verdammnis zuführt. Der Exkurs war in dieser Länge nicht vorgesehen, aber die Zwangsläufigkeit der Geschichte musste hier und heute zu diesem Ergebnis führen! Eigentlich wollte ich nur meiner Überraschung Ausdruck verleihen, dass dieser Roman (Köhlmeiers "Abendland") durchwegs euphorische Kritiken erhielt. Nach einigen hundert Seiten bin ich mir dessen gewiss: Für diese Art der Literatur ist mein Leben zu kurz, ich bin nicht mehr jener jugendliche Enthusiast, der da einmal meinte, alles lesen zu müssen. Je weniger Jahre mir verbleiben, desto rigider mein Auswahverfahren. Und dieses Buch erinnert in seiner epischen Langeweile, den konstruierten Handlungssträngen und ach so besonderen Schicksalen stark an J. Franzens Korrekturen. Meine masochistische Ader verträgt aber nur eine veritable Qual pro Jahr, zu mehr reicht meine Leidensfähigkeit nicht. (Zu J. Franzen: Während es bei ihm noch manch amüsante oder berührende Szene gab, wartet man bei Köhlmeier vergebens auf ein Ende der Geschwätzigkeit. Was aber nicht als Lob für den Amerikaner zu verstehen ist.) ---------------- *)In der Geschichte sei "göttliche Vernunft" (auch Weltgeist genannt) und dies sei wahr. Der Beweis hiefür sei die Geschichte selbst. Solche Auffassungen sind sinn- und wertlos, sind beliebig, weil sich (ähnlich wie bei Sprichwörtern) mit ebenso viel Verve das Gegenteil vortragen ließ (und mir persönlich scheint die Geschichte ein eher zweifelhafter Hinweis auf göttliche Vernunft zu sein). Vielleicht spiegelt sich in solchen Haltungen bloß die Sehnsucht nach Geborgenheit, einem Aufgehobensein in einer irgendwie derterminierten Welt nach dem Verlust des naiven Gottesglaubens (wobei zwischen Welt- und Heiligem Geist kein Unterschied besteht). Wie auch Marx die Hegelsche Eselei übernommen hat und das Jüngste Gericht durch seinen proletarischen Endzeittraum ersetzt hat. Die Logik solcher Beweisführungen verdient diese Bezeichnung nicht: Das ist Kaffeesudleserei a posteriori. Aus einer vorhandenen Tatsache wird auf deren Notwendigkeit geschlossen. Wäre die Heilige Römische Kirche nicht göttlich, sie hätte nicht überleben können. Weil sie überlebt hat, ist sie göttlich. Aus a folgt b und weil b, so a. Dieses Zirkel- und Kurzschließen hat seit jeher Hochkonjunktur, auf diese Weise können sich auch Mugabe und J. W. Bush ihre Göttlichkeit bestätigen lassen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 28. Juni 2008
philit, Samstag, 28. Juni 2008, 13:45 Mein Hang zum Verfolgungswahn darf als gering bezeichnet werden. Ich werde nicht ständig umgetrieben von der Angst, irgendjemand könnte mir folgen, mich ausforschen, meine Sachen durchwühlen, meinen Computer durchsuchen. Obschon mir das passiert ist, seinerzeit, dass sich da jemand des - für mich selbstverständlichen - Vertrauens als wenig würdig erwiesen hat und in allerlei Daten Einsicht nahm. Ob zur Zufriedenheit der Betreffenden mag bezweifelt werden, ein Passwort für den IRC-Channel, dazu Entwürfe für eine Geschichte des Kynismus, Fragmente, für den nicht Eingeweihten ohne Erklärungen mit Sicherheit unverständlich. Und auch meine kriminelle Energie ist bescheiden, ich halte Geschwindigkeitsbeschränkungen ein, löse Fahrscheine in der Straßenbahn und betrüge selbst meine Haushaltsversicherung nicht. So gesehen müsste ich keine Angst haben vor Überwachung, vor dem neuen metternichschen System in Österreich, das, ohne irgendwie größere Aufmerksamkeit zu erregen, installiert wurde. Ein Rechtsstaat lebt vor allem vom Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Prinzipiell ist gegen Maßnahmen, die in irgendeiner Form der Sicherheit dienen, nichts einzuwenden, wenn man nicht wüsste, dass der derlei Machtbefugnisse in falsche Hände geraten (oder - in Zukunft - geraten werden). Nun denn, die Zukunft braucht man dafür nicht zu strapazieren, sage und schreibe 32 Abfragen täglich wurden getätigt, Abfragen, von denen der Betroffene nie erfahren wird, Abfragen, denen "mit tauglichen Mitteln der Informationsbeschaffung zu begegnen ist", weil eben eine konkrete Gefahrensituation bestehe. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es sich hier um eine Insel der Seligen handle, scheine ich in einem Staat zu leben, der durch und durch von zwielichtigen Gestalten bevölkert ist. 32 mal täglich ist Gefahr im Verzug, werden Daten (Handystandort, IPs, etc.) abgefragt, um Schaden abzuwehren von unserem schönen Österreich. Verbrecher allerorten, Terroristen, Fundamendalisten, mafiöse Strukturen. Hoffentlich erfährt die us-amerikanische Administration nichts von diesen Zuständen, bei denen ist eben ein Schurkenstaatplatz freigeworden. Dass nun Frau Fekter zum Obersheriff (mit Bedauern muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es für "Sheriff" noch keine adäquate, weibliche Form gibt) ernannt wurde, vermag nicht zu beruhigen. Law and order hat sie angekündigt, ganz im Sinne von F. J. Strauß: Rechts von uns darf kein Platz sein. Herr Strache darf sich seiner Klaustrophobie sicher sein. Mir aber graut vor einem Staat, in dem Polizisten richterliche Befugnisse erhalten, in dem der Betroffene von den Maßnahmen, den über ihn gesammelten Daten, den Grund, weshalb er als potentielle Gefahrenquelle eingestuft wurde, nichts erfährt. Die dämliche, aus den USA importierte Terrorgefahr dient als Vorwand für eine Aushöhlung der Grundrechte. Wozu all diese Befugnisse einmal dienen könnten, ist möglicherweise sogar den diese Gesetze beschließenden Personen unklar. Man beugt vor, ist gewappnet. Wie mein ehemaliger Nachbar im Kaufrausch: Günstig waren sie, die Kompressoren, deshalb wurden zwei erstanden im Baumarkt. Er ist vor einigen Jahren gestorben, ohne sie je ausgepackt zu haben. Ein solch glückliches Ende wird diesen Gesetzen kaum beschieden sein, im Gegenteil: Ihre Anwendung erfolgt schon jetzt mit Hingabe. Dieser Regierung aber wünsche ich ein baldiges Ende. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 21. Juni 2008
philit, Samstag, 21. Juni 2008, 20:46 Natürlich tut man H. Unrecht. Schon wird er des Mordes bezichtigt, im allerersten Satz wird ihm eine Frau zugesellt, die er (an der indikativischen Aussage ist nicht zu zweifeln) vom Leben zum Tode befördert hat, haben soll - und alsbald werden, wenige Absätze später, verquere zölibatere Anspielungen gemacht. Auch das man muss ausgemerzt werden. Ich tue Unrecht. Wir müssen ihm noch eine Chance geben. Weil er ein im Grunde sympathischer Charakter ist. Ein neuer Anlauf, eine neue Frau. Überhaupt eine? Aber er schüttelt den Kopf. (Nebenher beanstandet er die erste Person Plural. Ausmerzen ...) R.! R. will keine Frau, seine Erfahrungen als Frikativ und Glottal anführend gibt er zu wissen und kund, vorläufig auf alle Fortpflanzungsmöglichkeiten Verzicht zu leisten. Später vielleicht, so er, später, wenn der Gerüchte weniger sind und das Publikum ungläubiger. Frauen erschlagen. Ihm reiche die Zeit. Genug zu tun für einen Totschläger. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2008.09.06, 15:00 Links
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Von Bäumen, Gott und Gärten
Der natürliche Feind des homo rusticus ist der Baum. Vor...
by philit (2008.09.06, 15:00)
*sehrfreu* - und: Wenn
du das verstehen würdest - ich wäre aufs Schwerste beunruhigt!
by philit (2008.09.05, 20:01)
Hallo :-) Ich verstehe das
zwar nicht, will aber sagen, daß ich vielleicht wieder...
by aelis (2008.09.05, 14:12)
Unübertroffen Mein Lieblingsschwachsinn psychoanalytischer Provenienz:
"So also symbolisiert das erektionsfähige Organ den Platz des Genießens,...
by philit (2008.09.05, 02:19)
Das ist nicht gesund ...
Nordic walking setzt sich nun unter der autochthonen Landbevölkerung durch....
by philit (2008.08.29, 00:56)
Unabhängig Abchasien und Südossetien anerkannt.
Zeter und Mordio bei allen westlichen Staaten, diese Russen. Natürlich,...
by philit (2008.08.27, 02:51)
hm Das Schaudern, wenn jemand
mir sagt, er möchte sein wie ich. Aus mir heraustreten,...
by philit (2008.08.26, 02:38)
Vom Kriege Die immer gleichen
Fotos in verschiedenen Variationen: Weinende Mütter, Kinder, Männer über ihre...
by philit (2008.08.21, 14:42)
Verlernen Den Mund öffnen, nach
Worten suchen, die Mühe eines Satzes, einer Umschreibung. Abbrechen, nichts...
by philit (2008.08.17, 13:38)
Verlieren Zähne sind dabei, Haare.
Träume - die allerdings schon sepiafarben oder schwarzweiß. (Das junge...
by philit (2008.08.04, 02:44)
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