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Montag, 28. April 2008
philit, Montag, 28. April 2008, 12:28 Ich verlinke nur selten, bin keine Anlaufstelle für fröhliche Spruchweisheiten oder - noch schlimmer - youtube-Links. Dieser Artikel im Standard wäre es wert gelesen zu werden - und er wird aus den im Artikel beschriebenen Gründen, höchstwahrscheinlich nicht gelesen. Weil er schlicht zu lang ist, mehr als die maximal zumutbaren drei Absätze umfasst. - - - - ... Comment
i., 2008.05.01, 18:36
Könnte auch an Javascript liegen. Hier ein Link zur "text only"-Version: derstandard.at
Natürlich wird heute mehr verlegt, immer schneller und grösstenteils Schrott, der sich an Moden und Marketingstrategien zu orientieren hat. Ob dessen Anteil aber früher so viel kleiner war, die Konkurrenz gesitteter und das Feuilleton wirklich besser? Zumindest letzteres wage ich zu bezweifeln. Bereits in meiner Jugend lobten Feuilletons Bücher hoch, deren Erfolg und lange "Haltbarkeit" ich mir als Laie bis heute am ehesten dadurch erklären kann, dass man sie nicht ganz gelesen hat, und sie haben wohl bereits damals besseren Romanen Aufmerksamkeit und Budget entzogen. Für so manchen Klassiker vermute ich Ähnliches; Dostojewski, Goethe, Schiller oder Zola etwa haben manchen Himbeersirup abgesondert, darüber tröstet auch die Form der Behältnisse nicht hinweg. Bücher, die mich beeindruckten, sind mir höchst selten in Feuilletons begegnet. Dafür entnehme ich Feuilletons seit einem guten Vierteljahrhundert recht zuverlässige Hinweise darauf, welche Romane, Theaterstücke, Filme oder Ausstellungen ich mir ersparen kann. Nach dem anderen muss man halt suchen, wenn man es will, z. B. in Verlagskatalogen. Mir ist bisher kein Buchhändler begegnet, der sie seiner Kundschaft nicht kostenlos zur Verfügung gestellt hätte, und es hat sich auch noch keiner geweigert, etwas zu bestellen oder zu empfehlen, das in den gängigen Verzeichnissen nicht aufgeführt ist. Schliesslich ist er Geschäftsmann und will gelebt haben; auch das, so vermute ich, ist kein neues Phänomen. ... Link
philit, 2008.05.01, 21:01
Ich will nicht das Lob der guten alten Zeit singen. Zum Feuilleton vermag ich nicht viel zu sagen, früher las ich es sehr selten, heute langweilt es mich ungeheuer. Nabelschau, das trifft es schon.
Dennoch hat sich was verändert (wobei ich nur für den Zeitraum der letzten 30, 40 Jahre sprechen kann). Die Halbwertszeit von Büchern hat sich enorm verkürzt, das Buch selbst ist wesentlich mehr zur Ware geworden. Kulturszene war (zumindest in dem angesprochenen Zeitraum) etwas relativ Lebendiges, es gab (selbst in meiner Provinzheimatstadt) häufig Lesungen (von bekannten und unbekannten Schriftstellern), es gab etwa in Graz sehr häufig literarische Veranstaltungen und _es wurde darüber berichtet_. Keine noch so verquere Hinterhoflesung, bei der sich nicht doch ein Redakteur des ORF-Steiermark einfand, von der nicht in fast allen Zeitungen zumindest kurz berichtet wurde. Häufig in Verbindung mit Buchhandlungen (die es heute einfach nicht mehr gibt), in Graz haben sie sich mind. um den Faktor 10 verringert, einige wenige Große (an den Fingern einer Hand abzuzählen) - das war's. Dort findet man im Schaufenster 100 Exemplare von Roches Feuchtgebiete. Früher hätte man sowas verschämt ganz hinter aufgestellt, nicht, weil der Unterleib ein nicht unwesentliches Thema ist, sondern weil man "Literatur" verkaufen wollte. Und man konnte sogar davon leben, nicht gut, aber immerhin. Natürlich kann man heute von der Literatur sehr viel leichter leben. Weil ungleich mehr gekauft, vielleicht auch mehr gelesen wird. Allerdings muss das produzierte Werk leicht verdaulich sein, es wird gestrichen, gekürzt, es werden Geschmacksverstärker eingesetzt. Und das hat mit dem Lesen an sich zu tun, ein Lesen, das sich an Zeitungen, Zeitschriften schult. Wieder für Österreich: Die Zahl der Bilder im "Profil" hat sich mehr als verdoppelt, dazu irgendwelche "Info-Kästchen" und sehr viel mehr Werbung. In Zeitungen dasselbe. Überschrift, ein, zwei Absätze, großes Bild. Bestenfalls der Verweis auf die Seite xy. Informiert wird über Schlagzeilen und Bilder, nicht über den Text. (Blogs sind dasselbe: Bilder, zwei Sätze, youtube-Filmchen. Sie sind ein Spiegel dieser (Lese-)Kultur. Auch im Fernsehen ist das bemerkbar: Jahrelang brachte etwa der ORF am Sonntag zur besten Sendezeit Opernaufführungen. Natürlich - Minderheitenprogramm. Aber es war noch möglich, es gab noch keine bunten Satelliten-Talkshows, die Zuschauer hätten abziehen können, bestenfalls den Abendgottesdienst oder ein Feuerwehrfest. Solche Dinge sind längst undenkbar geworden, wird bestenfalls in Kulturkanäle ausgelagert. Und in der Literatur konnte noch ein wenig sperrig geschrieben werden, unbehübscht. Ob etwa Hermann Burger heute noch verlegt würde, ob Schilten einen Abnehmer fände? Die Halbwertszeit von Büchern betrage jetzt also 2, 3 Monate. T. hat mir noch vor kurzem erzählt, dass es vor 8 Jahren noch etwa 6 Monate waren, was dann von der Auflage nicht verkauft sei, kann ruhig eingestampft werden. Verlags-, Lektoratskontakte beschränken sich auf Vorschläge, wie etwas besser verkauft werden könne. Wann. Weihnachten ist immer eine gute Zeit, nicht vor den Ferien, im Urlaub wird nicht gelesen. Und die Unmenge der Veröffentlichungen, die Zahl der Autoren (wobei sich die meisten problemlos allen Wünschen unterordnen) ist so groß, dass man irgendwo hinten im Verlagsprogramm tatsächlich nicht mehr zur Kenntnis genommen wird. Paradebeispiel für mich ist Martin Suter. Ein bisschen witzig, ein bisschen (scheinbarer) Tiefgang, gute Kontakte zu den Medien, leicht verdaulich, künstlich aromatisiert. Humor für den Büroangestellten, der sich heute einmal nicht mit einer Vorabendserie amüsieren will. Ist aber kein großer Unterschied, ist auch nicht weiter schlimm. Außer dass fast nur noch derlei verlegt wird. In einem vom ORF vor kurzem ausgestrahlten Beitrag wurde dann - mutatis mutandis - die Karaseksche Dummheitsgleichung aufgestellt: Gut ist, was Erfolg hat. ... link
i., 2008.05.02, 16:02
Burgers Brotberuf war Lehrer, und das wird seine Gründe gehabt haben. Wenn Spekulation erlaubt ist: Selbst Thomas Mann hätte vermutlich eher auf seine Einkünfte aus Buchverkäufen verzichten können als auf die Erträge des ererbten Vermögens oder jene, die sich später aus seiner Bekanntheit an sich ergaben. Wie war das bei Konsalik und Kollegen?
Bücher, so mein Verdacht, hatten auch früher leicht verdaulich zu sein, wenn man von ihnen leben wollte. Burger würde wohl auch heute noch verlegt, es würde darüber berichtet, er ginge auf Lesetournee, vielleicht würde Schilten sogar häufiger gekauft; aber gelesen? Ich erinnere mich an die Plaudereien der Mutter eines Jugendfreundes über Romane, die alle in ihren Regalen standen, offenhörlich allenfalls überflogen, man hätte die Bücher nach Erscheinungsdatum des zugehörigen Feuilleton-Artikels ordnen können. Das ist fünfundzwanzig Jahre her und war schon damals keine Ausnahme. Kultursendungen mögen damals Eingang ins Hauptprogramm gefunden haben. Aber ob sie dadurch ein grösseres Publikum hatten? Meiner Erinnerung nach waren sie vielen ein Grund, den Ausschaltknopf zu betätigen. (Was ich durchaus verstehe, der oft oberlehrerhafte Ton ging auch mir auf den Senkel.) Literatur (und Musik, Theaterstücke, Filme) ist heute nicht mehr nur für die Mutter jenes Jugendfreundes problemlos erschwinglich, sondern für nahezu jedermann. (Trotzdem warten viele auf Grabbeltisch oder Antiquariat. Autoren, so vermute ich, werden davon nichts haben und die kleinen Buchhändler nur wenig.) An den Vorlieben des breiten Publikums hat sich aber wenig geändert; neu ist nur, dass es sich Groschenromane jetzt auch zwischen Buchdeckeln leisten kann. Also bekommt es sie in dieser Form, konsumiert sie und entsorgt sie hinterher ebenso wie die Jlfc-Möbel oder die I&N-Klamotten. Dass Fräulein R.s Ergüsse als Literatur durchgehen, scheint mir nicht neuer als der Beifall für jene des Herrlein Miller (das mit dem H.). Es steht aber wie erwähnt jedem frei, nach anderem zu suchen und es zu bestellen, auch und gerade in kleinen Buchhandlungen. Dass es wohl nur eine Minderheit tut, hängt in meinen Augen mit anderem zusammen. Mit Ähnlichem vielleicht wie der Vorliebe für Bildergeschichten. Dieses Phänomen beobachte ich auch hier. Allerdings halte ich den modernen Journalismus nicht für die Ursache solcher Lesegewohnheiten, wenigstens nicht in den hiesigen Verhältnissen. Vielmehr vermute ich, die Zeitungen reagierten auf etwas, das sich hier seit etlichen Jahren feststellen lässt (und tragen insofern zu dessen Verfestigung bei): Viele Jugendliche verlassen die Schule, ohne den Inhalt eines zwei- oder gar dreiseitigen Textes verstehen zu können. Das scheint man von ihnen auch gar nicht zu erwarten, ihre Abschlusszeugnisse sind gut, und was sie sich an Fähigkeiten angeeignet haben, reicht allemal für einen Bachelor. Gäbe es dafür Noten, könnten sie den Inhalt längerer Artikel wortgetreu wiedergeben, nicht aber erfassen oder gar kritisch beurteilen, und sie verspüren nach letzterem offensichtlich auch kein Bedürfnis. Weshalb auch, es besteht dafür ja keine Notwendigkeit. Wir leben nicht in einer Wissens-, sondern in einer Auswendiglern-Gesellschaft, die sich nach Feierabend bespassen lassen will, und den grössten Beifall erhält, wer diesen Wunsch am schrillsten befriedigt. (Auch dies nicht neu, aber in einer Demokratie, so scheint mir, nicht nur kulturell, sondern auch politisch eine heikle Sache.) ... link
philit, 2008.05.02, 16:32
"Burgers Brotberuf war Lehrer, und das wird seine Gründe gehabt haben. Wenn Spekulation erlaubt ist: Selbst Thomas Mann hätte vermutlich eher auf seine Einkünfte aus Buchverkäufen verzichten können als auf die Erträge des ererbten Vermögens oder jene, die sich später aus seiner Bekanntheit an sich ergaben. Wie war das bei Konsalik und Kollegen?"
Bei letzteren: Keine Ahnung. Aber bei Th. Mann hast du Recht, wollte man ihm doch seine Buddenbrooks auf die Hälfte beschneiden. "Bücher, so mein Verdacht, hatten auch früher leicht verdaulich zu sein, wenn man von ihnen leben wollte. Burger würde wohl auch heute noch verlegt, es würde darüber berichtet, er ginge auf Lesetournee, vielleicht würde Schilten sogar häufiger gekauft; aber gelesen?" Das weiß ich nicht. Aber zumindest nach Aussagen zweier Bekannter, die in jener Zeit eine Literaturzeitschrift herausgaben bzw. mit Verlegern in Kontakt waren, wurde weniger darauf geachtet, ob das Geschriebene vermarktbar sei oder nicht. Eher die Richtung: Das ist gut, schauen wir mal, ob es sich verkaufen lässt. Nicht: Es lässt sich verkaufen, daher ist's auch gut. (Eine persönliche Erinnerung: Ich wurde, obwohl die Betreffenden keine Zeile von mir je gelesen hatten, als Jugendlicher zweimal zu Literaturlesungen eingeladen (und hätte sogar Geld dafür bekommen!). Heute wäre das schon deshalb nicht möglich (zumindest in dieser Region), weil es diese Veranstaltungen gar nicht gibt. (Eine andere Frage ist natürlich, ob der Menschheit viel durch das Vorenthalten meiner Jugendwerke entgangen ist. Ich bin der Überzeugung: Nein!)) "Das ist fünfundzwanzig Jahre her und war schon damals keine Ausnahme. Kultursendungen mögen damals Eingang ins Hauptprogramm gefunden haben. Aber ob sie dadurch ein grösseres Publikum hatten? Meiner Erinnerung nach waren sie vielen ein Grund, den Ausschaltknopf zu betätigen. (Was ich durchaus verstehe, der oft oberlehrerhafte Ton ging auch mir auf den Senkel.)" Unterschreibe ich durchaus. Aber ein Unterschied: Durch die Reduktion auf zwei Kanäle war oft 50 % der empfangbaren Programme der Kultur (Wissen, was auch immer) gewidmet. Sodass einem solches manchmal einfach "unterlief", vielleicht auch anregend war. Und wenn es nur dazu beitrug, den Fernseher auszuschalten, war es auch nicht das Schlechteste. "Literatur (und Musik, Theaterstücke, Filme) ist heute nicht mehr nur für die Mutter jenes Jugendfreundes problemlos erschwinglich, sondern für nahezu jedermann. (Trotzdem warten viele auf Grabbeltisch oder Antiquariat. Autoren, so vermute ich, werden davon nichts haben und die kleinen Buchhändler nur wenig.) An den Vorlieben des breiten Publikums hat sich aber wenig geändert; neu ist nur, dass es sich Groschenromane jetzt auch zwischen Buchdeckeln leisten kann. Also bekommt es sie in dieser Form, konsumiert sie und entsorgt sie hinterher ebenso wie die Jlfc-Möbel oder die I&N-Klamotten. Dass Fräulein R.s Ergüsse als Literatur durchgehen, scheint mir nicht neuer als der Beifall für jene des Herrlein Miller (das mit dem H.). Es steht aber wie erwähnt jedem frei, nach anderem zu suchen und es zu bestellen, auch und gerade in kleinen Buchhandlungen." Oja, viel billiger. Und selbstverständlich kann heute jeder sich informieren, mit Literatur, Musik versorgen - und das wesentlich leichter und günstiger. Aber man tut es nicht, weil höchst werbewirksam fast ausschließlich Mist präsentiert wird. Natürlich folgt daraus das leidige Henne-Ei-Problem: Wer war zuerst da, der blöde Konsument oder aber die verblödenden Medien? Wahrscheinlich eine Wechselwirkung und schwer zu entscheiden. Ich muss mich einmal erkundigen, ob früher auch Dieter Bohlen und Konsorten auf der Frankfurter Buchmesse auftraten. Erinnern kann ich mich an eine derartige Popularität von Flachdenker (zwischen Buchdeckeln) nicht. Vielleicht aber lässt diese bloß nach, diese Erinnerung ... "Dass es wohl nur eine Minderheit tut, hängt in meinen Augen mit anderem zusammen. Mit Ähnlichem vielleicht wie der Vorliebe für Bildergeschichten. Dieses Phänomen beobachte ich auch hier. Allerdings halte ich den modernen Journalismus nicht für die Ursache solcher Lesegewohnheiten, wenigstens nicht in den hiesigen Verhältnissen. Vielmehr vermute ich, die Zeitungen reagierten auf etwas, das sich hier seit etlichen Jahren feststellen lässt (und tragen insofern zu dessen Verfestigung bei): Viele Jugendliche verlassen die Schule, ohne den Inhalt eines zwei- oder gar dreiseitigen Textes verstehen zu können. Das scheint man von ihnen auch gar nicht zu erwarten, ihre Abschlusszeugnisse sind gut, und was sie sich an Fähigkeiten angeeignet haben, reicht allemal für einen Bachelor. Gäbe es dafür Noten, könnten sie den Inhalt längerer Artikel wortgetreu wiedergeben, nicht aber erfassen oder gar kritisch beurteilen, und sie verspüren nach letzterem offensichtlich auch kein Bedürfnis. Weshalb auch, es besteht dafür ja keine Notwendigkeit. Wir leben nicht in einer Wissens-, sondern in einer Auswendiglern-Gesellschaft, die sich nach Feierabend bespassen lassen will, und den grössten Beifall erhält, wer diesen Wunsch am schrillsten befriedigt. (Auch dies nicht neu, aber in einer Demokratie, so scheint mir, nicht nur kulturell, sondern auch politisch eine heikle Sache.)" Das mit der Schule habe ich oft genug selbst erlebt, habe das Verstehen von Texten anhand von Zeitungsartikeln einfachster Art getestet. Tatsächlich abenteuerlich - und in weiterer Hinsicht die Drei-Wort-Botschaften von Wahlplakaten erklärend. War's früher besser? Teilweise waren die Anforderungen höher, hat man, entsprechendes Verhalten vorausgesetzt, "mehr" gelernt. Viel Unsinn, aber das hat sich auch heute nicht geändert. Andererseits hat sich die Grundhaltung einem Schüler gegenüber zum Positiven gewandelt, wird er als Mensch begriffen, keine Prügelstrafe, mehr Mitsprache. Aber genau hier spießt es sich auch schon wieder: Was haben sich meine Schüler doch immer geärgert, wenn ich ihnen keine Vorschriften machte, sie möglichst viel selbst entscheiden ließ. Daran besteht (wohl eine spezifisch menschliche Eigenschaft) nicht das geringste Interesse, "bitte, Sagen Sie, was wir tun, lernen, machen sollen." Die größtmögliche Freiheit als größtmögliche Strafe. ... link
i., 2008.05.03, 03:38
Die Buddenbrooks auf die Hälfte zusammenstreichen? Dem Erblasser sei gedankt!
Dass die Bereitschaft abgenommen hat, einen guten Roman auf grosses Risiko zu verlegen, das kann ich mir gut vorstellen. Soweit ich es mitbekomme, können es sich heute noch Häuser mit Beststellern im Programm leisten, die die Querfinanzierung von schwerer Verkäuflichem erlauben, und Verlage, die Zuschüsse erhalten. In ersterem Fall müsse man es mittlerweile dem Marketing gegenüber vertreten, am erfolgsversprechendsten sei das Argument der Imagepflege. Wie lange das noch funktioniert … Wenn der Unterhosenmangel von Hotelerbinnen, mittelprächtige Fernsehmoderatorinnen und abgetakelte Schnulzensänger zum Gegenstand ernsthafter öffentlicher Diskussionen werden, so ändert sich wohl auch das, was als erstrebenswertes Image gilt. (In Italien scheint der Prozess schon weiter fortgeschritten. Will man das Grauen lernen, schaue man sich die dortige Medien- und Verlagswelt an und wer dahinter steckt: Fernseh-Stationen, Einaudi, Mondadori, zugehörige Kleinverlage, Magazine und Zeitschriften, Schul- und Fachbuchverlage – überall hat das Berlusconi-Imperium die Finger drin, es erinnert einen ans Deutschland der Dreissigerjahre. Zum Glück ist die "Zementfresse" zu alt, um ihr Unheil noch lange treiben zu können.) Dass Werbestrategien auf so grosse Empfänglichkeit stossen, halte ich für unser eigenes Verschulden. Grundlegende Kulturtechniken zu vermitteln, eine gewisse Bildung und im günstigsten Fall gar die Fähigkeit, zu denken, das ist nicht Aufgabe der Massenmedien, sondern wäre jene der Schulen. Wir lassen es zu, dass sie sie nicht erfüllen. Mehr noch, wollen sie ihrer Pflicht nachkommen, geht das Gezeter los: Nicht fordern dürfe man, sondern müsse "die Kids da abholen, wo sie stehen" – eine der einfältigsten Wendungen, die mir in den letzten Jahren begegnet ist, und dies nicht nur wegen der Zicklein. Im Grunde behandelt man die Schüler und Studenten wie Idioten, von denen man gar nicht erwarten darf, etwas verstehen oder gar Eigenständiges äussern zu können; man ist schon froh, wenn sie das Nachplappern lernen. Das passt auch gut zu den Politikern, die finden, man müsse die hiesigen Quoten an höheren Bildungsabschlüssen steigern, um mit anderen Ländern mithalten zu können (die kein duales Bildungssystem haben, aber das ist wohl bereits zu kompliziert, um berücksichtigt zu werden). Erreichen lässt sich diese Steigerung am schnellsten übers Senken inhaltlicher Ansprüche. Dass dies zur Entwertung der Abschlüsse öffentlicher Schulen führen könnte und dadurch im direttissimo zurück in die Klassengesellschaft, scheint niemanden zu kümmern. Im Grunde werfen wir weg, was uns dank unserer (Ur-)Grosseltern und Eltern in den Schoss fiel: das Recht, zu lernen und die Freizeit, es zu tun. Rechte, Bildung, Freiheiten stehen in unseren Regionen breiteren Bevölkerungskreisen offen als je zuvor, in einem Ausmass, von dem die Kinderarbeiter vor hundert Jahren nur träumen konnten, und Du hast recht: sie werden wohl von vielen als Last empfunden. Lieber einem folgen, der vorgibt, was gut sei und was zu tun, das ist bequemer als denken und eigene Massstäbe zu entwickeln. Das fängt beim Einkauf an und hört beim Lesen nicht auf. ... link ... Comment
i., 2008.05.03, 23:43
Der Untergang des Abendlandes lässt vielleicht doch noch auf sich warten: Hier finden derzeit die jährlichen Literaturtage statt; gestern berichtete der Klassiksender den halben Tag darüber, in der Hauptnachrichtensendung gab 's am frühen Abend ein Interview dazu, und heute war der Veranstaltung eine halbstündige, sonst eher politisch-wirtschaftliche Sendung gewidmet. (Was noch nichts aussagt über die vertretenen Schriftsteller und ihre Bücher, aber immerhin; und abgetakelte Möchtegern-Prominente waren keine vertreten. Hach! Man wird ja bescheiden.)
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philit, 2008.05.04, 01:36
Das kommt jetzt aber sehr ungelegen, wo ich doch vor 10 Minuten beschlossen hab, das Abendland in den Orkus zu schicken. Die ganzen Präliminarien wieder für den Allerwertesten, so ein Untergang ist auch kein Kinderspiel, das nächste Mal möchte ich rechtzeitig informiert werden. Einige Brandherde in der näheren Umgebung werden nicht mehr ungeschehen zu machen sein ...
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i., 2008.05.04, 14:56
(Für allfällig mitlesende Helvetier: Ja, ja, ich weiss, dass es eigentlich "zeuselst" hiesse; aber erstens verstünde das hier kein Mensch, und zweitens hat selbst Werner darauf Rücksicht genommen.)
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online for 2235 Days
last updated: 2008.09.06, 15:00 Links
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Von Bäumen, Gott und Gärten
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by philit (2008.09.06, 15:00)
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by philit (2008.09.05, 20:01)
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by aelis (2008.09.05, 14:12)
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by philit (2008.09.05, 02:19)
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by philit (2008.08.26, 02:38)
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by philit (2008.08.21, 14:42)
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