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Sonntag, 17. Mai 2009
philit, Sonntag, 17. Mai 2009, 14:35 Man kann zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Menschentypen unterscheiden: Jenen, die in ein Haus oder eine Wohnung ziehen, um dort zu "gestalten", die in Aktivismus verfallen zwischen dem Kleben riesig-rosenroter Rautentapeten oder aber nach dem Studium diverser Wohnzeitschriften (man braucht - neben Psychoratgebern zum besseren Sein mittlerweile auch solche, die einem das Wohnen erklären) in den Fluchtpunkt des Korridors ein Kandinskygemälde hängen, dass zur Sommersonnenwende um Punkt 8 Uhr früh von den ersten Strahlen beleckt wird. So erinnernd an die Pyramiden von Cheops und Sneferu, deren Grabkammern vom Lichtstrahl des Polarsterns bei seiner unteren Kulmination getroffen werden. Natürlich geht's auch chinesisch, wo unter anderem Löcher in Gebäuden konstituierend sind, Löcher zum Durchzug - nicht der frischen Luft wegen (dort, wo auf derlei geachtet wird ist es mit frischer Luft ohnehin nicht weit her), sondern um diversen bösen Geistern den Aufenthalt unleidlich zu machen. Weil das Ganze chinesisch (= exotisch-interessant) ist, wird diese Perforation mit gebührender Achtung betrachtet. Ich gehöre - zum Einleitungssatz zurückkehrend und wie der geneigte Leser zu vermuten mittlerweile allen Anlass hat - nicht in diese Gruppe, ich wohne bar jeder Gebrauchsanleitung und überlasse - bescheiden wie ich bin - der Natur ihren Gestaltungswillen. Wenn ich in meinem Wohnraum auf einem recht unkünstlerischen Sessel gegenüber einer dekorationsfreien weißen Mauer sitze und die Nase in ein Buch stecke, so sind meine Gedanken in demselben, erwägen nicht die Möglichkeit, dort ein Bild, hier eine Designvase und die Wand überdies mit pastellgrünen Punkten zu bekleckern. Und noch viel mehr ist mein Gestaltungswillen auf den zigtausend Quadratmetern um mich herum - die einzig optisch-akustischer Schutzschild sind, zumeist grün (im Winter weniger), manchmal blühend, im Herbst sich verfärbend - ein überaus beschränkter, mir ist nicht danach, mit der Natur wettzueifern, dort ein Gärtchen, hier eine Allee, dann wieder ein Boskett, einen Springbrunnen oder eine mit Kräutern gespickte Gartenzwergversammlung entstehen zu lassen. Ich will sein, einfach nur sein, eine Liege im - selten - gemähten Gras, nichts weiter. Was schlicht unvorstellbar ist, hat doch kaum je ein Besucher sich nicht zur Bemerkung hinreißen lassen, was man denn hier nicht "alles machen könne". Also: Ich will nichts machen, das Roden haben meine Vorfahren in der Jungsteinzeit für mich dankenswerter Weise übernommen, im Weingarten werden Trauben von Hagebutten und Brombeeren sukzessive ersetzt - und ich, jedem Alkohol abhold, habe nichts dagegen einzuwenden. Bei mir wächst es sich demokratisch, der Buchsbaum gleichberechtigt mit dem wilden Hollunder, pinus sylvestris neben pyrus communis (und das ist nun eine Referenz an einen lang Verstorbenen, einem, der dafür Verständnis gehabt hätte). Ich bitte daher abzusehen von Vorschlägen aller Art, wie ich mir (dem nach herkömmlicher Meinung einfach langweilig sein muss) die Zeit vertreiben könnte mit "machen", mir ist mitnichten danach - und schon gar nicht nach der völlig redundanten Tätigkeit des Ausreißens und Wiedereinsetzens. ![]() Im übrigen: So sieht's aus. Schön - wie ich finde, aber selbst wenn dem nicht so wäre: Schönheit (oder was sinistre Ästheten darunter verstehen) wird überbewertet. Wenn ich nun aber aus oben erwähntem Buchsbaum einen Hinkelstein schnitze: So gewinnt der Garten nach meinem Dafürhalten keinen Deut ... - - - - ... Comment |
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