Worte
 


*Der Arschlochsager

Er trägt seine Ehrlichkeit als Banner vor sich her. Wenn er dich beschimpft, musst du dir das als Ehre anrechnen. Nicht jeder ist so aufrichtig, so direkt, die wüstesten Beschimpfungen sind seiner Offenheit zu danken, er ist keiner, der sich hinter höflichen Formulierungen verbirgt. Er beweist seine Freundschaft durch die Unverfrorenheit der Schmähungen, er ist eben nicht wie alle anderen, du solltest dankbar sein, einen solchen Freund zu haben.

Sentimentalitäten kennt er nicht. Da ist er hart, das lässt er nicht durchgehen. Da könnte ja jeder kommen, Schlaffheiten werden nicht geduldet. Je trauriger der Betreffende, desto wüster die Beschimpfungen. Das muss einer aushalten, ist der Preis der Unbestechlichkeit. Andere würden trösten, aber das ist nur deren Schwäche, Unaufrichtigkeit. Über solche Gefühle ist er erhaben, er kennt das nicht. Vielleicht fällt es ihm schwer, aber er weiß, was er sich schuldig ist. Konsequenz muss sein. Hinter seinem Schild der Ehrlichkeit schlägt er zu und ermahnt die Opfer, es ihm zu danken.

 
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*Die Menschensammlerin

"Die Menschensammlerin besteht darauf, gefunden zu werden. Nein, das würde sie nicht zugestehen, dass Sammeln und suchen nah verwandt sind. Aber sie gibt sich aufgeschlossen, sie rede gern mit anderen, sei interessiert an ihrer Umwelt. Ist sie wieder gefunden worden, so trägt sie ihr neues Fundstück in den Keller. Dort liegen sie in einem weiten Raum, fein säuberlich aufgereiht. Die ganz hinten sind schon verblasst, die reden kaum noch, manche sind gar völlig verschwunden. Weiter vorn ist noch mehr Leben, die sprechen noch, aber mit jedem neuen Fundstück rücken sich weiter zurück und aus der Aufmerksamkeit.

Die meisten der dort Liegenden sind Männer. Das hält die Menschensammlerin für Zufall, sie kann nichts dafür, stets von ihnen gefunden zu werden. Aber es gibt auch Frauen darunter, sie haben eine höhere Halbwertszeit, sind meist besser erhalten.

Ganz wenige sind hervorgehoben, sie ruhen auf einem erhöhten Podest, bei näherem Hinsehen entpuppt dieses sich als Katafalk . Mit ihnen kann nicht mehr gesprochen werden, es sind die Toten. Sie sind die Prunkstücke der Sammlung, über sie spricht sie am liebsten. Kommt jemand neu hinzu und scheint er vertrauenswürdig, dann erzählt sie von ihnen. Sie werden nie vergessen, es waren die besten, nur leider sind sie jetzt tot. Möglicherweise wäre alles anders gekommen, wenn sie sich nicht davongemacht hätten.

Schon knarrt die Treppe, sie trägt eine Neuerwerbung nach unten, bettet ihn sanft neben die anderen. Er redet noch zu laut, sie legt den Finger an die Lippen, weist mit traurigem Blick auf die Toten, bittet ihn leiser zu sein. Sie denkt nicht daran ihn zu ermorden, aber es wäre mal wieder Zeit für einen wertvollen Verstorbenen. Die anderen haben sich ein wenig abgenützt." (mv)

 
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last updated: 2008.12.31, 03:01
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Was zu derart Amüsantem wie Martensteins Glosse führt, darf nicht strafbar sein.
by i. (2008.12.31, 03:01)
Ich muss meine hochgeschätzte Juristin befragen: Ob sich hinter solch einer Aufforderung (Schreiben Sie...
by philit (2008.12.30, 22:07)
(Denk Dir einfach die esoterische Hausfrau als Bogen Überleitung:) Empfehlenswert.
by i. (2008.12.29, 23:51)
Zu Chr. Hitchens: Der Herr ist kein Hirte Seit es Anhänger eines vorderasiatischen Propheten unternommen...
by philit (2008.12.20, 16:42)
Das Mädchen von damals III Nun hab' ich also doch geschrieben - und Antwort bekommen....
by philit (2008.12.06, 20:55)
Unterhaltung Aus der Kategorie Unterhaltung: Neben der humorigen Messerstecherei erfahre ich u. a., dass Klaus...
by philit (2008.12.02, 16:07)
Twitterjournalismus - oder wer hat den Größeren? Der Blogjournalismus twittert wieder ganz aufgeregt. Bombay, Mumbai,...
by philit (2008.12.01, 16:40)
Nein, aber der Umstände halber fällt mir zur Zeit immer wieder Burger ein, seine...
by philit (2008.11.27, 03:10)
War gestern H.s Todestag?
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by philit (2008.11.26, 21:05)


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