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philit, Montag, 29. September 2008, 23:14 B. sieht aus wie der personfizierte Schalterbeamte einer Raiffeisenfiliale auf dem Land. Adrett, Mode aus dem Quelle-Katalog, kurzgeschnittenes Haar, das sich an der Stirne zu lichten beginnt, immer noch ein wenig pickelig, höflich, verständnisvoll, das Herz aller prospektiven Schwiegermütter erfreuend. Und B. ist - Bankangestellter auf dem Land. Als er sich erhebt, um wie die anderen ein wenig aus seinem Leben zu erzählen, sinkt die Aufmerksamkeitsschwelle, Flüstern da und dort, man hört kaum hin, "arbeite jetzt in der Kreditabteilung, bin vor vier Jahren mit meinem Lebensgefährten zusammengezogen ..." Das Flüstern wird leiser, Erstaunen malt sich auf den Gesichtern, später sagen T. und H., dass sie es auch (?) nicht gewusst hätten, B. - schwul?, naja, vielleicht hätte man es sich denken können, aber da sei nichts dabei, gar nichts, nein nein, das ist ganz normal, so normal, dass sie nicht müde werden es zu betonen. B. hat ruhig weitergesprochen, erstaunlich selbstbewusst, einige wenige Sätze, Belangloses, dann ist M. an der Reihe, der damit beschäftigt ist, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu bringen, überlautes Räuspern, der Tonfall jovialer als geplant. Aber ihm hört keiner zu, immer noch bemüht man sich um eine möglichst unauffällige Mimik, bei vielen ist das Bedürfnis zu spüren, das soeben Gehörte zu erörtern, es sich zu wiederholen, das Gegenüber zu fragen, "hast du gewusst? ...", "aber ist ja ganz --- natürlich", auch wenn das seltsam unnatürlich klingt ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 29. August 2008, 00:56 Nordic walking setzt sich nun unter der autochthonen Landbevölkerung durch. Allein, bei aller generellen Zweifelhaftigkeit des rhythmischen Aufsammelns von Papierfetzen mittels Schistöcken: Die Technik ist verbesserungswürdig. Also: Apoplektischer Weinbauer um die 50 mit gehörigem Embonpoint stampft mit unter die Achseln geklemmten Stöcken am Gehweg entlang. Dieselben wippen im Takt mal links, mal rechts über das schweißgebadete Haupt, die Hände wackeln eigentümlich vor dem Körper hin und her, weil die Oberarme zwecks Klammerung der Stöcke an den Brustkorb gepresst werden. Beachtlich aber vor allem der Schritt: Wer nun seine literarischen Hausaufgaben gemacht und den Merowingern ihre Referenz erwiesen hat, dem sei mit dem Freiherrn Childerich von Bartenbruch III. ein Bild in Erinnerung gerufen: Hahnentritt nebst Ausstellwinkel größer 120 Grad. Bei jedem Aufstampfen schien mein Schwerathlet ein Säugetier mittlerer Größe (Ratte?) zermalmen zu wollen, fleischgewordene Urgewalt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Sonntag, 8. Juni 2008, 15:32 Die nekrophilen, mittelalterlichen Frauen, welche mit Ernsthaftigkeit und zusammengekniffenen Lippen der Blumenpflege bei Kirchen und auf Friedhöfen obliegen. Mit knallgelber Gießkanne werden Stiefmütterchen ersäuft, Immergrün, Nelken. Verhärmt und ausgehungert oder fettgefressen mit wabernden Oberarmen. Vor dem großen Gott der Kirche und dem kleinen in Person des Pfarrers oder Dechants beugen sie das Knie, die Schrift führend im katholischen Frauenverein. Opferbereit wird in der Erde gewühlt, gepflanzt, gejätet in der Hoffnung auf ewige Seligkeit. Manche Gräber mit ihren ewig roten Lichtern und den stramm stehenden Tulpen, mit Schnittblumen in den barock anmutenden Vasen aus Fernost erwecken Sehnsucht. Unter solcher Pracht ist gut ruhen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 12. April 2008, 18:52 Die Vorstellung: Pickelig und hühnerbrüstig, scheuer Blick, der dem des Gegenüber auszuweichen sucht, blasse Gesichtsfarbe, da der Junge von den ihn immer noch durchfütternden Eltern in den Keller verbannt wurde. Der Linux/Unix-User. Vorurteile, selbstredend. Dennoch drängt sich diese Vorstellung auf beim Lesen von einschlägigen Forumsbeiträgen, in denen mit Überheblichkeit und wenig höflicher Diktion die "Klicki-Bunti"-User in ihre vorgeblich bescheidenen geistigen Schranken gewiesen werden. Wenn man schon gar nichts hat oder ist - dann wenigstens ein Linux-Freak. Andere renommieren mit Hubräumen (nicht jenem im cranium), Armbanduhren oder Penislängen. Wobei ich mich keineswegs als Freund und Befürworter blöder Fragen verstehe, die Feststellung "ubuntu ist scheiße, da gibt's keinen root" ist zum einen falsch, zum anderen der Ausdrucksweise des mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Kellergewächses angepasst. Ich bin kein Microsoftanhänger, verwende zwei verschiedene Linuxdistributionen - und dies gern und immer öfter (außerdem XP und Win2000). Aber ich habe vollstes Verständnis für all jene, die am bloßen Funktionieren ihres Computers interessiert sind, die keinen Konsolentexteditor wie vi oder den puritanischen lynx-Browser verwenden wollen. Man kann Auto fahren, ohne mit Zylinderkopfdichtungen per du zu sein, das Licht anknipsen und Wechselstrom falsch buchstabieren. Dennoch immer wieder erstaunlich, welch bescheidene Kenntnisse zu einem zweifelhaften Selbstbewusstseinshöhenflug führen. Ob Philatelist, Hobbygärtner oder Ofensetzer: Für Arroganz reicht's allemal. Wobei die unfreundlichsten meist nicht die kompetentesten Forumsuser sind. Mich nerven diese Puristen, diese seltsamen Konsolenapostel, die da alles, was mehr als 16 Farben aufweist, als unzulässig bunt in die Welt der Kleinkinder verbannen. Und was immer - und mit Recht - gegen Bill Gates gesagt werden kann (und sein humanitäres Engagement darf durchaus in Zweifel gezogen werden): Wahrscheinlich gäbe es keine Linuxuser ohne Microsoft, ohne die Marketingidee, auch gelangweilten Friseurgehilfinnen und pensionierten Landmaschinenmechanikern einen Rechner ins Wohnzimmer zu stellen. Ob das an und für sich gut und wünschenswert war und ist, darf bezweifelt werden. Der Kellerbewohner sollte jedoch so manchen Microchip auf den Windows-Altar als Opfergabe legen - gäbe es doch sonst gar nichts, worauf er stolz sein könnte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 2. Februar 2008, 18:17 Wie man gefunden wird. Wonach gesucht wird. Und keine Möglichkeit, die vermutete Enttäuschung auf den Gesichtern derer zu sehen, die mit dem Ergebnis ihrer Recherche unzufrieden gewesen sein dürften. Häufigster Suchbegriff: "Tschuschen". Von serbokroatisch ćuš abgeleitet, angeblich (denn die Herkunft ist umstritten). Spezifisch österreichisch, Verwendung für Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien, pejorativ. Dann "Hulesch & Quenzel" bzw. "Scheichsbeutel". Dies die einzig Suchenden, die möglicherweise nicht allzu enttäuscht das Fenster geschlossen haben, vielleicht wollten sie eine Anleitung für die Zubereitung von Taschengrus oder Peinflaschen oder auch nur die Melzersche Frage stellen, wie man "nur Scheichsbeutel heißen kann". "Man kann" hat der kleine E. P. erwidert und gestrahlt. Doderer hat vermutlich auch seine Freude gehabt. Mit "stabilitas loci" kann ich auch leben. Wenngleich manch suchender Benediktiner hier alsbald die Flucht ergriffen und geglaubt haben dürfte, im anwesenden Schreiberling einen Gottseibuns entdeckt zu haben. Die mephistophelische Rolle sollte die schlechteste nicht sein. "Katzlmacher" ist ein wenig liebenswerte Bezeichnung für die italienischen Nachbarn (mit möglicherweise schlüpfriger Etymologie), "Selbstmordmethoden" sucht man hier vergebens. Gibt's alt.suicide.holiday noch? Gibt's überhaupt noch Newsgroups? Auch das Internet kommt in die Jahre ... - Mädchen mit nasser Hose - kostenlose Sexfilme - hübsche mädchen nackt am strand - am anfang war der furz Und Verwandtes. Was hat letzterer gesucht, eine skatologische Bibel? Hilfe bei Blähungen?? - fieberthermometer bastelanleitung Ein Thermometer im Eigenhau. Quecksilbermine vor dem Haus. Dazu kommen noch andere Seltsamkeiten. "Großvater aufgehängt". "Lampenschirm aus Judenhaut". "Judenseife". (Wollten letztere zu Ebay?) Zum Schluss noch einige, die sich eine Inhaltsangabe zur Strudlhofstiege erhofften. Und bei mir nur landeten, weil der gute Scheichsbeutel die Jahre und Jahrzehnte überdauerte und sich nun einer Emailadresse bedient. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 13. Januar 2007, 01:23 Heast - da Benzin is todal büllig wuan. Jo, echt klass, waun i jetz mea foa, daspoa i ma total vü! Tja, da kann die Werbung noch so oft suggerieren und jeder Pimpf davon überzeugt sein - "Ich bin doch nicht blöd" - nur das suggestive Geplapper ändert den Zustand noch lange nicht. Obiger Dialog ohne jegliche Verfremdung meinerseits und jedes Gran Ironie seitens der beiden GTI-Fahrer. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Donnerstag, 11. Januar 2007, 18:51 Fettnapf, der, oft im Diminutiv gebraucht: Behältnis, in das hineinzusteigen den Widerwillen der im Riesengebirge beheimateten Hausfrauen auszulösen pflegte und dessen Inhalt der Einfettung des Schuhwerks diente. Da aber die Redensart im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist, ist von der Annahme auszugehen, dass bei diesem Ausspruch auch auf Speisefett Bezug genommen wurde, das als wertvoll erachtet und dessen Vernichtung durch Unbedachtsamkeit noch ärgerlicher war. Soweit der Röhrich. Ich aber wende mich den fettlösenden Scheuermitteln zu, obliege Hausfrauenpflichten und einem sonst nicht so stark zu Tage tretenden Reinlichkeitsbedürfnis. Ich hab es nicht gewusst! Also: Ich wusste schon, dass es ein Akt der Unfreundlichkeit ist, in einer Kritik sich an Gott zu wenden und um die Emeritierung eines Literaturprofessors zu bitten. Aber ich hätte diesem Wunsch nicht Ausdruck verliehen, wenn ich davon gewusst hätte, dass selbiger (der Professor, nicht Gott, wenngleich er oft keinen Unterschied macht) in dieser Redaktion sitzt. Nicht dass ich mich inhaltlich von dem Geschriebenen distanzieren würde - mitnichten. Aber peinlich bleibt's doch irgendwie, sieht es doch nach bewusstem Affront aus. Während ich bis zur Unanständigkeit harmoniebedürftig bin. - Ich fürchte, ich muss mich an die Konkurrenz wenden. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Mittwoch, 27. Dezember 2006, 02:02 Eine Liste der dümmsten Wörter erstellen. Unbestrittene Nummer eins: Wirtschaftswachstum. Ausdruck abgrundtiefer Einfalt in Verbund mit Borniertheit und Ignoranz. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 5. Dezember 2006, 20:10 "Der Mann aus dem Oberstock ein Massenmörder? Zuvörderst Attestierung der Unauffälligkeit: Sein tägliches "Guten Morgen" als Hinweis, dass es ihm nicht anzusehen gewesen sei. - Erwartete man blutbefleckte Hände, zerrissene Oberhemden, höhnischen Grinsen, in der Rechten ein stets bereites, durch's Blut geschwärztes Brotmesser? Die Unscheinbarkeit als reflexartige Entschuldigung, niemand möge da kommen und anklagen. Doch ein, zwei Tage vergehen - und schon wird man fündig: Lichterflackern zu Unzeiten, eigentümliche Geräusche, unnatürliche Einsamkeit. Nun beugt man sich flüsternd übers Treppengeländer, teilt einander die Ungeheuerlichkeiten mit. Möge er sich ja nicht erfrechen hierher zurückzukehren und unschuldig zu sein." - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 21. November 2006, 18:18 Die Dummheit ist ungleich stärker tabuisiert als sexuelle Themen oder amoralische Verhaltensweisen. Das wusste auch schon Wilhelm Busch: Nenn den Burschen liederlich, leicht wird er's verdaun. Nenn ihn dumm, so wird er dich, wenn er kann verhaun. Um Irrtümern vorzubeugen: Dumm ist nicht der krankhaft Debile, geistig Behinderte. Der Gewänder, mit denen sie sich schmückt, sind unzählige; und nicht am seltensten trägt sie einen Überwurf aus Intelligenz. Und nicht die ungefährlichste Verkleidung. Das Problem ist immer das dieser Verkleidung. Die ihrer selbst bewusste Dummheit ist harmlos, durch das Bewusst-Sein ist sie veränderbar - noch viel mehr: Sie ist aus diesem Grund schon wieder ihr eigenes Gegenteil. Charakteristika dummen Verhaltens sind nachgerade Sturheit, Ignoranz, Immunität jedwedem Argument gegenüber. Die sokratische Erkenntnis, die Einsicht in die eigene Beschränktheit ist mithin Grundlage und Anfangspunkt intelligenten Verhaltens. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Donnerstag, 16. November 2006, 14:56 Neuhochdeutschenglisch ist obiges ein sogenannter Eye-Catcher. Hormonausschüttung garantiert, da rumort's in den Lenden und man will Genaueres wissen in der Hoffnung auf ein wohliges Kribbeln. Denn, so meine Erfahrung, wenn bei einem Zweibeiner schon gar nichts mehr funktioniert, sich der Kadaver nur noch mühsam hinschleppt - das funktioniert allemal. Längst ist es klar: Laubsauger. Die Überschrift entnommen aus einem Baumarkt-Prospekt, zwischen Weihnachtsbeleuchtungssonderangebote und Vernickeltem und Emaiilliertem. Laub ist - so ein schlaues Buch - wenigstens in Deutschland ein weitgehend rechtsfreier Raum. Außerdem der Albtraum jedes Vorgartenbesitzers, versunkene Gartenzwerge, neurotische Nachbarn und eine wahre Beleidigung fürs Auge, dass sich an naturgrünem Einerlei ergötzen will. Mein Nachbar hingegen, leidlich weit entfernt, sodass mir erst einmal das Vergnügen einer Betrachtung seiner Physiognomie vergönnt war, der ist kein Grünrasenfetischist, keiner, der tagtäglich dem unsäglich orignellen Stinkefingergartenzwerg die Kappe poliert - meiner saugt und bläst --- im Wald!! Er wohnt im Wald, daher bleibt ihm auch nichts andres übrig, vielleicht ist das Gerät ein Geschenk seiner Schwiegermutter oder auf einer Tombola gewonnen worden, nichts desto weniger: Er lässt Nietzsches Gedanken von der ewigen Wiederkehr hochleben und arbeitet wie weiland Sisyphus - unsichtbar - weil hinter Bäumen und einer veritablen Staub- und Laubwolke verborgen, aber umso besser hörbar (ein Mähdrescher ist dagegen dem Summen einer Biene vergleichbar) mit Lust und Hingabe mehrere Nachmittage. Welches Ziel er genau verfolgt ist mir auch nach mehreren Jahren noch höchst rätselhaft - er scheint es aber nach Einsatz einigerTage zu erreichen (oder aber das Schwiegermuttergeschenk gibt nach 48 Stunden Dauerbelastung regelmäßig den Geist auf). - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Montag, 13. November 2006, 01:11 Muss das Alter sein, das da unversehens über mich hereinbricht. Mit jedem Tag konservativer. Kein Interesse an künstlerisch wertvollen ukrainischen Dokumentarfilmen (schwarz-weiß, natürlich!), Experimentalliteratur (deren unendliche schöpferische Freiheit die orthographisch-grammatikalische Hilflosigkeit kaschiert), an Betroffenheitsdiskussionen über die neue Rechte. Mich großväterlich vor dem Fernseher niederlassen? Zwischen einem Haribomoderator, der es zuwege bringt, Millionen an im Takt zuckender Brustmuskulatur ihre Freude finden zu lassen (*wink* - danke für die Info :-)), Pferde-, Kinder- und Hundenannys, sich gegenseitig bekochenden Proleten oder dem täglichen Storchentratsch aus dem Tiergarten Brunsbüttel. Manchmal zumindest ein Boxkampf, wahrhaftige Prophylaxe, wer weiß, wie vielen ohne dieses Ventil ein Auftritt in der nächsten Schönheits-OP-Sendung gedroht hätte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 26. September 2006, 00:49 Brechen von Erwartungshaltungen. An der Tankstelle meine Verwunderung über die Preise an der Zapfsäule, "das wird auch immer billiger". Meist nickt der Tankwart dazu, während er meine Frontscheibe von plattgedrückten Insekten befreit, begleitet von einem gemurmelten "jaja". Nur selten werde ich wahrgenommen, dann ein erstauntes Auflblicken, ein Lächeln, Lachen. Während ich weiter ernst und seriös bestätige, dass Autofahren ungeheuer günstig ist. Vielleicht erzählt er abends seiner Frau von dem Verrückten, den er heute zu bedienen und betanken die zweifelhafte Ehre hatte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Donnerstag, 31. August 2006, 15:51 Man versucht mich zu beruhigen. Aber ich traue ihnen nicht, ich weiß um die Tücke des Objekts, um die ihm innewohnenden Geister, plackend den strebenden Menschen, der da sitzt und denkt und schreibt und dessen Stirn benetzt ist von all der Qual des Sinnierens mit Tropfen heißen Schweißes. Mühsam Satz um Satz sich abgerungen, nun denn, endlich festgebannt - so glaubt der Tor, auf der Festplatte des surrenden Gerätes. Tor! Leise - klick - das verebbende Summen des Lüfters, das fein-höhnische Summen der Geister, welche F. Th. Vischer schon vor 150 Jahren vergeblich zu bekämpfen sich unterfing. Und nun? Leisten? Gummierte Leisten? Ramponierte Dachdeckermeister? Kann man sich erinnern an derlei? Schrecklich war ich in meinem Ingrimm, die Orgel erdröhnte, stampfte, ein einzig Erzittern allüberall. Nötigung des hiesigen Spenglergewerbes durch Androhung roher Gewalt. Dann - diese Mail. Der Öffentlichkeit hier übermittelt nebst meiner Antwort, weil das Interesse an derlei ein weitgehendes ist, sein muss. Wiedererstarken des Theismus, Umschreiben der Philosophie- und Metaphysikgeschichte möglicherweise unumgänglich. ----------------------------------------------------------------------------------------------------- An Hulesch & Quenzel Ltd & Co KEG Schottenring 16 1010 Wien Sehr geehrte Damen und Herren! "Grüß Sie Gott, Herr Scheichsbeutel – geht’s Ihnen schon besser?!" Die Verbesserung kann immer nur eine partielle sein, eine intermittierende, den Bereich zwischen zwei Unglücksfällen betreffende. "Ihr Bericht vom 27. Juli, der uns, urlaubsbedingt, erst vor kurzem zugetragen wurde, bietet wahrlich Anlässe genug, uns nun doch Ihres Problems anzunehmen: Sollten Sie Ihr gummiertes Lattenproblem tatsächlich noch nicht gelöst haben, haben wir gute Nachricht für Sie!" Gute Nachrichten von Hulesch & Quenzel. Wie nun kann ich das verstehen, welche Interpretation dem zugrunde legen, ist dies gleichbedeutend mit dem Abbruch der Geschäftsverbindungen zum inkriminierten Dachdeckermeister oder aber bedeutet es, dass - nein, daran soll nicht gedacht werden. "Unsere gute Claire Driftwood hat zugesagt, dass sie sich in der Zentrale um das von Ihnen so eifrig gesuchte gute Stück bemühen wird, und Sie mögen nur die genaue Spezifikation auf Deutsch an uns mailen. Je präziser die Angaben, desto schneller würde sie dienlich sein können." Ich danke Ihnen ergebenst für Ihr Anerbieten! Als ich mich meinem Handwerksmeister nach abermaliger Vertröstung im Hahnentritt und mit stumpfem Fußwinkel genähert habe, hat er jedoch um die gesundheitlich unversehrte Erreichung seines Pensionsalters besorgt umgehend für die Lieferung und Montage jener erwähnten Leistungen gesorgt, die, zu meiner (und seiner) Überraschung, bislang ihren wasserdichtenden Dienst erfolgreich versehen. (Im übrigen scheint mir der Name ihrer Mitarbeiterin - Treibholz - bezüglich gegen das Eindringen von Feuchtigkeit gerichteter Teile gelinde gesagt verdächtig.) "Weiters beteuern wir reflexartig, dass wir auch mit dem Miss-Geschick Ihres Dachdeckers in keinerlei Verbindung stehen!" Ihre Reflexe werden von mir selbstverständlich in Ehren gehalten. Dennoch - auch ich verfüge über solche - und so stellt sich mir die Frage: Könnte es sein, wäre es möglich oder als nicht unwahrscheinlich anzusehen, dass der vor kurzem erfolgte Einzug einer wilden Katze nebst weiß-grau-braun-schwarz geflecktem Nachwuchs in meinem Dachboden in irgendeinem, wenn auch nur entferntem Zusammenhang mit irgendeiner, hier gar nicht näher zu spezifizierenden Firma steht? Wobei hier auf eine spezielle Perfidie hinzuweisen ist: Das Aussehen der Racker (süß!!) und die Auswirkungen ihrer Ausscheidung (braun den Plafond färbend) stehen in herzzereißendem, dadurch aber umso schwieriger zu lösendem Gegensatz. "Lassen Sie uns also bei Bedarf ohne jedes Zaudern wissen, was wir für Sie tun können." Ich bitte um Verständnis, wenn ich für den Eigenbedarf auf Ihre Dienste Verzicht leiste. Hingegen werde ich mich selbstredend vertrauensvoll an Sie wenden, wenn es bei meinen ungeliebten Nachbarn zu Um- oder Ausbauten kommt. Mit freundlichen Grüßen Hiob Scheichsbeutel p. s.: Einige meiner Bekannten machten mich auf mögliche Erweiterungen Ihrer Produktpalette aufmerksam: So wäre - sofern nicht längst geschehen - der gesamte EDV-Bereich ein weites Betätigungsfeld: Mäuse, die die Installation von Sex-Dialern automatisieren, Programmschließungsroutinen, welche alle Speicherungen rückgängig machen, periodisch und nur durch ok zu bestätigende Festplattenformatierungen etc. Schlicht: Die binäre Erweiterung der Tücke des Objekts. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Montag, 28. August 2006, 14:41 Das Ärgerliche an allen Theoretikern, die einen Gedanken fassen, ihn drehen und wenden und selbigen schließlich über alles und jedes stülpen. Dabei zerren und ziehen sie an ihrem System, merken nicht, dass es allüberall Risse bekommt, und sie reißen noch dran, selbst wenn schon formidable Löcher klaffen. Denn immer sind sie mit ihren Systemen zu früh fertig, sie sind der Welt zuvor, welche sich dann frecherweise nicht einfangen lassen will. Das liegt nun natürlich an der störrischen Welt - und so bekommt das System noch einen Zusatz: Als Paralipomenon wird nachgeliefert, wie diese sich unbotmäßig gerierende Welt zu sein hat. Nebenher wird das eine als Beweis für das andere angeführt, das System erklärt die vorgestellte Welt, diese wiederum lässt sich nur durch das Theoriegebäude umfassend beschreiben. Früh sind sie mit ihrem System fertig - und dann schreiben sie: Suchen Themen, die sich bequem subsummieren lassen, schneiden bei Widerspenstigkeit Extremitäten oder Köpfe ab und erklären das Abgeschnittene für Beiwerk. Bei wievielen Werken wünschte ich: Beschreibt einfach nur die Vielfältigkeit der Erscheinungen, die Mannigfaltigkeit der Welt, das Bunte aller Geschichte. Und wenn sich dann, im Anschluss, immer noch die Möglichkeit einer Katalogisierung ergibt, nun gut, so mögt ihr walten. Im übrigen ist jeder Mensch ein kategorienbildendes Tier - und manchmal kann man derlei auch dem Leser überlassen. - - - - ... Link (6 comments) ... Comment ... Next page
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by philit (2008.11.26, 21:05)
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