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philit, Mittwoch, 5. November 2008, 19:46 Lustig find' ich die allüberall verbreiteten Umfragen, dass zwischen 70 und 80 % der Österreicher (Deutschen, Franzosen, Japaner, Italiener) Obama gewählt hätten. Und dass das - wenigstens für Österreich - auch noch als ein Hinweis für die Aufgeschlossenheit der Befragten gewertet wird. Na, das schau ich mir an: Wie ein wirklich Schwarzer für die CSU in Bayern zum Ministerpräsident gewählt wird oder in Österreich ein Farbiger zum Bundeskanzler. (Das schafft unser paintballspielender Zahnklempner sehr viel eher.) Und dann die Begründung für dieses Verhalten: Das politische Programm Obamas. Ach? Programm? Was für ein Programm? Da hätt' ich bei den allerorts auf den Fernsehkanälen Interviewten doch mal gern Näheres gewusst. "Change!" Sechs Buchstaben, eine Silbe. Nicht dass man hierorts sehr viel geistreichere Parolen hören könnte. Als principium rationis sufficientis ist das Ganze aber dürftig, "change" ist weder als zureichender noch notwendiger Grund für eine positive Beurteilung des Wahlprogrammes anzusehen. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Samstag, 18. Oktober 2008, 17:34 Diese Woche kann als Tiefpunkt der TV-Kultur in die österreichische Fernsehgeschichte eingehen. Wenngleich sie bloß die konsequente Fortsetzung einer 20 Jahre dauernden Haider-Reality-Soap ist. Kaum war wieder eine ungustiöse Sprechblase des Nachrichtenquotenkönigs publik geworden, schon war es einen Beitrag wert, eine Diskussion, eine Analyse selbsternannter Politikexperten. Das nun schon fast vergessene Lob der Beschäftigungspolitik im Dritten Reich war paradigmatisch. Man beließ es nicht dabei, diese eigentümlichen Wertschätzungen einer Diktatur festzuhalten, die Nähe von unter vorgehaltener Hand von Stammtischhistorikern vertretenen Theorien zu dokumentieren (und diese Theorien salon- und staatsfähig gemacht zu haben ist ein unzweifelhaftes Verdienst Haiders), sondern man setzte einen betulichen ORF-Redakteur in den Dienstwagen des noch amtierenden Landeshauptmannes und bat ihn um gefällige Aufklärung. Der, welch Zufall, die Deutsche Geschichte von Golo Mann aus der Tasche zog und mit dem Zitat eines halbjüdischen Historikers diese seine These untermauerte. Da aber staunte der Redakteur und der Zuschauer wunderte sich (etwa darüber, dass Haider Geschichtswerke in der Aktentasche mit sich führte). Weil man den solcherart zu einem Gewährsmann Haiders hochstilisierten Golo Mann die Gelegenheit geben wollte, seine eigene Sicht der Dinge darzulegen, kam es in der Fortsetzung dieses seltsamen Schwanks zur Auslandsreise des ORF-Redakteurs, der in Kilchberg vorstellig wurde und den Verfasser der Deutschen Geschichte mit den Thesen Haiders konfrontierte. Golo Mann aber reagierte unwirsch, er schien rechtschaffen verwundert über den Fragesteller und wies zum einen darauf hin, dass er selbstverständlich nirgends die Beschäftigungspolitik Hitlers gelobt habe, betonte zum anderen, dass es ihm ganz nebenher ziemlich wurscht sei, was ein Herr Haider (den er nicht kenne) irgendwo in einem österreichischen Provinzparlament von sich gebe. Verstört von der Ignoranz gegenüber dem damals schon wichtigsten österreichischen TV-Politiker musste der Journalist seine Heimfahrt antreten; und wenn auch die Ausbeute gering, der erhoffte, martialische Aufschrei der Empörung ausgeblieben war, ja obwohl - wenn auch unausgesprochen - Golo Mann Haider die Wichtigkeit jenes chinesischen Reissackes zugestand, der da irgendwo im hintersten China der Schwerkraft gehorcht, trotzdem berichtete man fleißig weiter, ereiferte sich und schien fast enttäuscht, als nach der Abwahl als Landeshauptmann all die Erregung langsam zu verebben begann. Aber die quotenorientierte Liebesbeziehung zwischen ORF und Haider blieb aufrecht - bis heute. Heute: Liveübertragung, Gedenken, Ehrengäste, Sondersendungen. Vor einer Woche eine Hommage an den "begabten Politiker", eine Apotheose, videoclipartig, verherrlichend. Und gestern, weil die fortgesetzte Proskinese vor den Wahlplakaten des großen Rhetors vielleicht sogar den eingefleischten Bewunderern zu weit ging, der ganz unverhohlene Hinweis auf das Schwulenlokal, in dem Haider seine letzten Stunden verbrachte. Augenzwinkernder Tabubruch an der falschesten Stelle. Genau das geht niemanden etwas an - und auch das Argument, dass Haider selbst nie vor persönlichen Untergriffen, Unterstellungen und Lügen zurückgeschreckt ist, wirkt absonderlich: Denn seltsam wäre es, wenn er noch posthum als moralische Instanz betrachtet würde. Der ORF und Haider bilden eine absonderliche Symbiose, eine Verquickung von journalistischer Hilflosigkeit und Schlagzeilenfetischismus. Haider wurde von seiten des öffentlichen Rundfunks so oft totgesagt, dass er überleben musste, er wurde in derart gehäufter Weise als Faschist für alle möglichen und unmöglichen Äußerungen bezeichnet, dass dieser Begriff eine Um- und Entwertung erfuhr. Weil es immer nur Pauschalierungen gab, nie fundierte Auseinandersetzungen, sondern Parolenweit- und -zielwerfen, weil der Nationalsozialist über alles und jedes gestülpt wurde, kann man heute für einen Politiker Staatstrauer verhängen, dessen tatsächliche Leistungen in einem Nebensatz Platz fänden. Das alles haben wir einer Medienlandschaft zu verdanken, der jeder noch so unappetitliche Skandal willkommen ist. Nun steht Österreich am Grab eines besoffenen Rasers, während hilflose Auslandskorrespondenten von ihren Nachrichtenmoderatoren gefragt werden, wie so etwas möglich sei, Staatstrauer für einen faschistoiden Rechtspopulisten, stundenlange Liveübertragungen vom Begräbnis. Das versteht wahrlich nur der homo austriacus, großgeworden mit ORF und Kronenzeitung, zwischen bemühtem Gutmenschentum, das allüberall faschistoide Züge zu erkennen meint und einem salonfähig gewordenen Biertischrabaukentum. - - - - ... Link (5 comments) ... Comment philit, Mittwoch, 15. Oktober 2008, 15:55 Das Lesen der täglichen Nachrichten erschöpft. Es ruft keinen Widerspruch mehr hervor, den Wunsch einer irgendwie gearteten, polemisch-zynischen Auseinandersetzung mit dem Gehörten und Gelesenen, sondern müde Resignation. Große und kleine Blödheiten, nationaler Verfolgungswahn in den USA, weil eine Puppe - angeblich - den Islam hochleben lässt oder die nicht weiter überraschende Tatsache, dass Haider sturzbesoffen war bei seinem Unfall. Groß, weil in den Auswirkungen auf die Dauer selbstmörderisch: Der Trauerblick von Michael Glos über das mangelnde Wirtschaftswachstum. Wann werden wir endlich genug haben, wann zur Einsicht kommen, nicht jedes Jahr mehr, noch mehr kaufen, besitzen zu wollen? Der fettgefressene Europäer als Sinnbild der Dekadenz: Des Morgens vollgestopft wird ihm am Abend mittels Kanüle das Fett wieder abgesaugt. Man fördert Überproduktion und exportiert. Weshalb man in Westafrika hauptsächlich italienisches oder spanisches Gemüse bekommt. Das nennt sich EU-Agrarförderung. Dann gibt es noch so etwas wie Entwicklungshilfe, die aber den Wirtschaftsförderungen nach Möglichkeit nicht in die Quere kommen soll. Oder eine Symbiose eingeht, dahingehend, dass die Förderung in der Ansiedlung ausländischer Betriebe besteht, die mit billigen afrikanischen Arbeitskräften zum Wirtschaftswachstum in der EU beitragen und jede weitere Entwicklung im betreffenden Land verhindern. Bzw. dessen Abhängigkeit fördern. Glos blickt heute bei Spiegel-Online nachdenklich und betroffen drein. Es wächst nicht mehr und soll doch wachsen. Wir wollen mehr, anderes, Neues. Wir haben nichts zu sagen, sind aber ständig erreichbar. Wir wollen überall hin und beklagen, dass die Fremde sich von der Heimat unterscheidet. Kein Sauerkraut mit Schweinshaxe in Ägypten, da helfen auch Pyramiden nicht mehr über die Frustrationen hinweg. Die Natur bietet ein Beispiel für unbeschränktes Wachstum. Das nennt sich Krebsgeschwulst und führt sich selbst ad absurdum. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Montag, 13. Oktober 2008, 19:38 Nun also ist er vom rechten Wege abgekommen. Man weiß nicht, ob man angesichts betender Menschen vor Wahlplakaten weinen oder lachen soll, Kerzen, Rosenblätter an der Unfallstelle und im Saal mit dem Kondolenzbuch. Er starb wie er lebte, rücksichtslos, selbstgefällig - und hatte Glück: Raser haben auf einen wenig freundlichen Nachruf zu rechnen, wenn sie mit 140 Stundenkilometer eine Gruppe Jugendliche mit in den Tod nehmen - oder eine Familie. Andere blieben verschont und der Mythos Haider lebt. Seine Leistung: Biertischparolen salonfähig gemacht zu haben, endlich durfte man aussprechen, was man am Stammtisch schon immer gewusst hatte. Da war einer, der der Ignoranz beredten Ausdruck verlieh, der Robin Hood Zukurzgekommener, der endlich jener ungreifbaren Entität (denen da oben) die Meinung sagte. Der seine Positionen beliebig wechselte, von der Missgeburt der österreichischen Nation sprach und bei Bedarf zum aufrechten Patrioten wurde. Ein demagogisches Talent, das auf der Klaviatur der Einfalt glänzend spielen konnte: Billigbenzin und ein 100 Euroschein zur Abgeltung des Kaufkraftverlustes, traurige junge Mütter, denen er ebenfalls mit ein paar hundert Euro zur Geburt gratulierte. Seine letzte Leistung: Asylwerber zu kriminalisieren, Demonstration seines prekären Verhältnisses zum Rechtsstaat. Das mag angesichts seines sonstigen politischen Rowdytums wie ein Fußnote wirken, ist aber dennoch paradigmatisch. Das Vorurteil wird zur Grundlage für politisches Handeln, ein Gerichtsurteil braucht es nicht. Der Stammtisch freut sich, er hat es ihnen wieder einmal gezeigt. Ihnen: Den anderen, Ausländern, Asylanten und so nebenher dem Rechtsstaat, der mit diesem Gesocks viel zu viel Geduld zeigt. De mortuis nil nisi bene. Nicht jeder lateinische Satz ist klug, nicht jede antike Weisheit verdient so genannt zu werden. Haiders Tod mit 140 kmh entsprach seiner politischen Gesinnung: Er nahm für sich andere Regeln in Anspruch, andere Gesetze, er ignorierte nicht nur Geschwindigkeitsbegrenzungen sondern auch alle Anstandsregeln. Sofern er sich davon irgendeinen Vorteil versprach. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Mittwoch, 8. Oktober 2008, 16:56 Soso, Wahlverlierer Molterer & Co garantieren also Spareinlagen. In voller Höhe. Dito Merkel und Steinbrück für das deutsche Reich. Ich garantiere mit, ich garantiere, weil Österreich und Deutschland schon mit Garantien versehen sind, einfach mal für Slowenien und Burkina Faso. Weil deren Hauptstadt so lustig klingt: Ouagadougou. Bei Einlagen, die möglicherweise das Zweifache (wer weiß das schon) des BIP betragen, kann man bestenfalls garantieren, dass sie garantiert nicht sicher sind. Wie auch. Und schon landet man wieder bei der Sicherheit. Vielleicht begreifen nun selbst die Amerikaner, dass die ihnen vom Oberpinsel G. W. eingeredete Angst vor Osama bin Dingsbumms eine holde Mär ist, dass sie ausschließlich dazu dient, im Sinne von ein paar Konzernen (auf deren Wahlkampfhilfe man dann zählen darf) Geld auszugeben. Und dass sie sich vor allem vor ihrer Regierung, vor Hedge Fonds (auch diese Anlagen haben schon wieder das "sicher" im Namen) und der Wallstreet fürchten sollten. (Im übrigen könnte ich mir gut vorstellen, dass der böse Wolf in der amerikanischen Rotkäppchenvariante schon längst durch durch den grauenerregenden Turbanfuzzi ersetzt wurde. Gute Nacht John Boy ...) Auch Schäuble, Platter und Konsorten wollen uns glauben machen, dass wir uns nur sicher fühlen dürfen, wenn ein halbes Jahr lang gespeichert wird, wer sich spät abends taiwanesisches Rudelbummsen im Internet angeguckt hat. Sicherheit, ihr Pappnasen, besteht nicht darin, dass ich rund um die Uhr überwacht, fotographiert, gefilmt werde. Sondern in einer stabilen Gesundheitsversorgung, angemessenen Renten und Pensionen, einem stabilen Finanzsystem, das nicht zum Casino für reiche Zocker verkommt. Einem System, für dessen Schaffung und Fortbestand die Politik zu sorgen hätte. Das wäre mal eine Aufgabe statt sich ein gutes Dutzend Abfangjäger zu kaufen, die uns vor Übergriffen der ewig imperialistischen Schweiz und des hochgerüsteten Liechtenstein schützen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 4. Oktober 2008, 05:21 Lehman Brothers, Derivate, Leerverkäufe, AIG und Konsorten. Böse Kerlchen das alles, durchaus. Und nebenher ein Kuriosum, dass in Russland Raubtierkapitalismus vom feinsten herrscht, während in den USA mittels staatlicher Hilfe versucht wird, die Wallstreet zu retten. Und das Jammern bei den Anlegern groß, zum Teil berechtigt. Denn beraten wurden sie mit Sicherheit so, dass den Banken der größtmögliche Gewinn entstand. (Wobei: Ist das wirklich so überraschend, glaubt man denn anderen Verkaufsfuzzies alles aufs Wort, was sollte den Anlageberater vom Staubsaugervertreter oder Versicherungsmakler unterscheiden? Hält man den Verkäufer im Mediamarkt oder H&M für eine Inkarnation der Mutter Theresa, hat man denn nicht auch dort - manchmal - den leisen Verdacht, dass einem etwas verkauft, einfach nur verkauft werden soll?) Der Rest ist Appell ans logische Denken: Nachdem Banken weder große noch kleine Geldbrüter in Diensten haben, pflegen sie Gelder zu investieren. Und wer für seine paar tausend Euro mehr als 3 % zu lukrieren wünscht, dem sollte einleuchten, dass damit das Risiko steigt. Steht ja auch Bank außen drauf und nicht Heilsarmee oder Caritas. Hohes Risiko - viel Geld. Wie beim Lotto: In Österreich (wir können uns nur 45 Zahlen leisten, sind ein kleines Land) beträgt die Chance auf einen Sechser 0,0000001227738 oder aber - Gegenwahrscheinlichkeit - die Chance auf Verlust des Einsatzes (kleinere Gewinne nicht mitgerechnet) 0,9999998772262. P fast 1, das ist - so der Spieler - Scheiße. Und bei zu erwartenden Gewinnen (Zinsen) von 10 % oder mehr muss da irgendwas sein, das das Risiko erhöht, weil ansonsten - allgemein bekannte Geldgier als bekannt vorausgesetzt - kaum jemand auf Derartiges verzichten würde. Da sollte es bereits klingeln und knirschen im Obergebälk und diverse Glöckchen läuten. Aber es wird abgeschaltet - und dieses Abschalten wird erleichtert durch die Hoffnung auf billiges Geld und gnädiger Ignoranz anderer Überlegungen: Dass man nämlich mit dem ganzen Gesocks der neoliberalen Börsenhaie im Grunde nichts zu tun haben will und weltanschaulich derlei weit von sich weist, aber ein paar Prozent mehr Rendite dennoch gern einsteckt. Einige meiner Bekannten haben schon vorher mit Fonds Schiffbruch erlitten. Ich habe das nie verstanden, nicht die Gier (denn: Was bitte sind ein paar Prozentpunkte bei einigen 10000 Euro?), nicht den Versuch der Absicherung: Leute, die sich schlau dünken, wenn sie mit 30 ihre Rente zu planen beginnen, weil ihnen ein Wirtschaftsdödel erklärt, dass das Umlagesystem 2050 nicht mehr funktioniert. Zum einen ist das einseitig gedacht, da, wenn schon Prognosen möglich sind (wären), auch die Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers steigt (in höherem Maße, wie er Rentner zu versorgen hätte) und dadurch das Umlagesystem immer noch funktionierte, zum anderen mir schlicht Böses schwant, wenn da einer mein Geld veranlagen will, damit ich in 40 Jahren mir eine goldene Schnabeltasse kaufen kann. Mein Geld kriegt niemand, schon gar nicht über einen solch langen Zeitraum, mein Geld wird von meinem Sohn verbraten. Wenn ich - froh wird er sein, endlich den Maden anheim falle. Außerdem bin ich launisch, will vielleicht morgen noch einige Hektar Wald kaufen, damit zwischen mir und meiner Umgebung die Distanz auf Unhörbarkeit vergrößert wird. Oder ich brauche einen guten Rechtsanwalt, damit der meine bevorstehenden Gräueltaten an der Jägerei als Notwehr auslegt. Im Grunde hat man Banken gegenüber nur zwei Möglichkeiten: Absolut keine Schulden oder ausschließlich auf Pump leben. Amerikanische Methode. Wer nichts hat, trotzdem alles kauft, kann nicht in Konkurs gehen. Er beginnt mit dem Konkurs und baut diesen konsequent aus. Allerdings sollte man dann nicht mehr umsatteln auf seriös, das könnte teuer werden. Obwohl: Immer noch billiger als Fonds bei Lehmann Brothers oder Parmalat Aktien. Ansonsten: Glaubt denn wirklich irgendwer, der noch einigermaßen seiner Sinne mächtig ist, dass ausgerechnet Wirtschaftswissenschaftler wissen, was in 30, 40, 50 Jahren ist? Frau Helga in der Kronenzeitung trifft präzisere Vorhersagen, die Haupttätigkeit der Prognostiker besteht in der Revidierung der eigenen Prognosen. Ob man sich nach dem IHS oder der Opposition von Jupiter und Saturn richtet, ist betreffs Wahrscheinlichkeit des Prognostizierten vollkommen egal. Man bedenke, dass die großen Ökonomen bislang nicht einmal das Wirtschaftswachstum des nächsten Quartals vorherzusagen vermögen. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Mittwoch, 1. Oktober 2008, 17:27 Dieser Artikel ist eine seltene Wohltat. Allen westeuropäischen Fähnchenschwingern anempfohlen, deren buddhistisches Fundament zwischen Seidentuchmalkurs an der Volkshochschule und interkulturellem Trommelseminar unter Abfackelung unzähliger IKEA-Teelichter gelegt wurde. Nicht jeder Gläubige mutiert zum verblendeten Massenmörder. Aber förderlich ist das metaphysische Brimborium - aus welcher Himmelsrichtung auch immer - allemal. Es bedarf eines Paradigmenwechsels: So wie es Hitlers zweifelhaftes Verdienst ist, zur Ächtung des Krieges beigetragen zu haben (wobei das Gedächtnis der Menschheit kurz, die Waffenproduktion hingegen enorm ist), so gilt es zu erkennen, dass jedwede Form von Religiosität doktrinär ist, den Samen für Fanatismus sät und die Bereitschaft, anderen ihren Glauben auf gewalttätige Weise nahezubringen, fördert. Glauben mit Verstand ist eine contradictio in adiecto - und dem Verzicht auf den Einsatz der bei den meisten ohnehin bescheiden funktionierenden Großhirnmasse sollte nicht das Wort geredet werden. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 30. September 2008, 21:06 Zwieschwatz könnte Orwell das nennen. Fast 30 % Rechtswähler im Ostreich und nun Gejammer und Gegreine. Und natürlich sind nicht alle Nazis, neinnein, das sind doch nur Protestwähler oder Dummköpfe oder beides. Überhaupt und sowieso: Was ist denn ein Nazi? Der mit der niedrigen Mitgliedsnummer anno 1933, einer der vielen, die für den Anschluss stimmten fünf Jahre später (mit viel Druck gab's über 99 % - aber keiner bezweifelt, dass selbst bei freien Wahlen eine eindeutige Mehrheit zustande gekommen wäre) oder der Auschwitzaufseher von 1943? Waren die 43,9 % Deutsche 1933, die Hitler wählten, Nazis? In dem Sinne, dass sie sich auf's Vergasen freuten, auf den Krieg, die hoffentlichen dienstbaren Ostvölker? Wahrscheinlich waren sie es genauso wie die 30 % Österreicher, die von solchen Sachen nichts wissen, nichts wissen wollen, die aber in jedem Fall sich freuen, wenn da einer scheinbar ihre Sache (die der Entrechteten und unverschuldet Machtlosen) vertritt, die ihnen eine Gruppe präsentieren, die noch weniger privilegiert ist als ihre eigene und irgendeinen irakischen oder albanischen Flüchtling, der eine Vergewaltigung begangen hat. Wie Herr Fritzl der typische Österreicher ist (oder war das nicht doch der Karl), so ist ein zehnfach vorbestrafter Üzgül der typische Türke. Nein, mit Auschwitzparolen hätte keine Partei 30 % geholt, aber mit dümmlichen Ausländersprüchen, mit der vermeintlicher Solidarisierung (ihr mit uns gegen die da oben); und es schaden dabei keine Ulrichsbergtreffen (sind die mangels Veteranen mittlerweile abgesagt?) oder lustige Paintballspiele mit veritablen Neonazis. Und diese 30 % sind mindestens so dämlich oder unveranwortlich wie die 43 % von annodazumal, denen es zum Großteil wirklich beschissen ging, die sehr viel weniger Informationsmöglichkeiten besaßen und vielleicht in der NSDAP ihre einzige Chance sahen. Die BZÖ- und FPÖ-Wähler sind keine Nazis (weil sie mit diesem Begriff mangels politischer, historischer Kenntnisse gar nichts anfangen könnten), sondern schlicht und einfach Idioten. Mit den Charakterzügen des Zukurzgekommenen (man könnte doch diesem Scheißtürken oder Scheißserben sein neues Auto wegnehmen und mir geben), einer "mia san mia"-Mentalität, eines verqueren Stolzes auf ein Österreich, in dem man die entsprechende Rolle nur deshalb nicht spielen kann, weil es "die dort oben" nicht zulassen und alles jener Gruppe geben, die sich aus Türken, Tschuschen, Irakern oder afrikanischen Drogendealern rekrutiert. Warum die dort oben das so handhaben, weiß man nicht, was die Schwulen, Türken und Neger kriegen, auch nicht - aber ungerecht ist es in jedem Fall. Zum Glück aber haben wir Strache und Haider als Rächer der Unterdrückten. Eigentlich stellt sich die Frage nach dem nationalsozialistischen Hintergrund überhaupt nicht, sondern nur jene nach der Einfalt der Wählenden. Und natürlich müssten ÖVP und SPÖ nach den letzten beiden Jahren wegen Anstiftung zu diesem Unsinn belangt werden. Aber wie man - bei allem berechtigten Ärger - bei Haider oder Strache ein Kreuz machen kann, lässt sich tatsächlich nur mit akuter Imbezibilität erklären. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung oder Rechtfertigung. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 5. September 2008, 02:19 Mein Lieblingsschwachsinn psychoanalytischer Provenienz: "So also symbolisiert das erektionsfähige Organ den Platz des Genießens, nicht als es selbst, nicht mal als Bild, sondern als der dem begehrten Bild fehlende Teil: Darum auch ist es dem Im Wissen, demnächst auf mindestens zwei sich mit derlei metaphysischem Nonsens Beschäftigenden zu treffen, den Satz auswendig lernen. Dann zuschlagen. Die Macht der Worte. - - - - ... Link (2 comments) ... Comment philit, Mittwoch, 27. August 2008, 02:51 Abchasien und Südossetien anerkannt. Zeter und Mordio bei allen westlichen Staaten, diese Russen. Natürlich, würden sich beim jetzt im Schwange befindlichen Unabhängig Erklären auch die Tschetschenen beteiligen, wären Medwedew und Putin wohl kaum als aufrechte Verteidiger der Eigenständigkeit zu gewinnen. Andererseits: Wie war das doch gleich mit dem Kosovo? Und was war damals in Jugoslawien, als man trotz des offenkundig ungeklärten Grenzverlaufes zwischen Kroatien und Serbien von deutscher Seite nichts Besseres zu tun wusste, als die Kroaten anzuerkennen? Mit den allseits bekannten Folgen? Natürlich entschuldigt eine Dummheit nie eine andere, jeder schielt auf seinen Vorteil und kocht sein politisches Süppchen in der Hoffnung, es mögen sich ein paar Fleischklößchen finden. Aber ein bisschen weniger Doppelmoral täte den U.S.A. und Europa gut. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Donnerstag, 21. August 2008, 14:42 Die immer gleichen Fotos in verschiedenen Variationen: Weinende Mütter, Kinder, Männer über ihre Kameraden gebeugt, im Hintergrund brennende Häuser, manchmal der Lärm von Mündungsfeuer, Detonation von Sprengsätzen. Auch die Texte austauschbar: Das Leiden der Zivilbevölkerung wird in drastischen, melodramatischen Worten geschildert. Und die Conclusio: Unschuldiges Leiden, machtgierige Politiker, Militärs. Irgendeine Nomenklatura will mehr Macht und das Volk leidet. Ich halte diese beliebte, streichelweiche Sichtweise für grundfalsch. Nicht was die machtgierigen, korrupten Staatsmänner und -frauen anlangt, sondern was das arme, verführte Volk betrifft. Erinnerung an den Jugoslawienkrieg: In meiner Stadt kannte ich Bosnier, Kroaten, Slowenen - und weil die Stadt eine Kleinstadt ist, waren sie bis zu Beginn der 90iger Verbündete. Wenn etwa die Fußballnationalmannschaft sich zu mehr-weniger großen Taten begab. Dann aber, nach Beginn der Auseinandersetzungen (unabhängig davon, dass der Westen damals so ziemlich alle diplomatischen Fettnäpfchen zerdeppert hat, die sich ihm in den Weg stellten) war es ganz und gar nicht notwendig, das arme, geschundene Volk für den Krieg zu begeistern - im Gegenteil: Im stillen Kämmerchen wurden sehr viel radikalere Lösungen vorgeschlagen als von den offiziellen Führern. I. war stolz auf seinen Sohn, der freiwillig in den Krieg zog, er sprach plötzlich von der "natürlichen" Führerschaft der Kroaten, von notwendigen Gebietsansprüchen. Die Angst um den Sohn wurde vom Stolz bei weitem übertroffen. Gerade in Jugoslawien wurde häufig von einem Krieg der Mächtigen gesprochen und von einem Volk, das friedlich zusammenleben wolle. Ich habe davon nichts gespürt, noch vor Ausbruch der kriegerischen Handlungen waren die Volksgruppen im fremden Österreich verfeindet, Menschen, die sich kurz zuvor gemeinsam Sportübertragungen angesehen hatten, die gemeinsam gefeiert, getrauert hatten bei Niederlagen und Siegen. Es gab nicht den geringsten Anlass einander zu hassen; aber es genügte, dass einer aus Osjiek, der andere aus Novi Sad kam. Es bedurfte auch keiner raffinierten Propaganda, die Bereitschaft, für eine Heimat in den Krieg zu ziehen, in der man über Jahrzehnte hinweg kaum mehr als einige Wochen verbracht hatte, der Eifer andere totzuschlagen, weil sie hinter der - lange unsichtbaren - Grenze gelebt haben, war enorm - und beängstigend. Und Vernünftige, Besonnene wurden von allen angefeindet, Defaitisten, Drückeberger, Feiglinge. Österreicher fühlten sich in ihren Haltungen bestätigt: So ganz weit her ist es mit der Zivilisation bei den Tschuschen doch nicht, man hat es immer schon gewusst. Und wenn ich nun weinende Georgier jedweder Provenienz sehe, über ihre Angehörigen gebeugt, verzweifelt: So ist das Leiden unstrittig, das Elend, der Jammer. Aber auch die Neigung den anderen zu töten, aus Rache oder einfach mal präventiv. Man weiß ja nie. Wie man in Friedenszeiten die Mitglieder der eigenen Gruppe, Ethnie bevorzugt, sie in Ämter setzt, ihnen Privilegien zugesteht und dann überrascht ist, dass der andere es - die Macht vorausgesetzt - in seinem Einflussgebiet ebenso macht. Eines ist aber bei all dem nicht notwendig: Das gemeine Volk, den kleinen Mann davon zu überzeugen, dass der andere ihm Böses will. Der Mächtige und der von ihm Regierte unterscheiden sich nur in ihrem Einfluss, nicht in ihrer Haltung. Sie schielen beide auf ihrern Vorteil und beiden ist jedes Mittel recht. Nichts wird vom kleinen Manne lieber geglaubt, als dass ihm eine andere, meist unterprivilegierte Gruppe etwas nimmt, das eigentlich ihm zusteht. Der andere: Das sind Türken, Tschuschen, Juden, Schwule, Studenten, Arbeitslose und eigenartigerweise auch die Mächtigen, von denen sie sich zum Instrument machen lassen. Wobei in dieser Strategie System liegt: Je mehr solcher Gruppen zum Feindbild angeboten werden, desto eher wird auf jene vergessen, die dieses Angebot machen. Auf die da oben, deren Privilegien man gerne selbst hätte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 28. Juni 2008, 13:45 Mein Hang zum Verfolgungswahn darf als gering bezeichnet werden. Ich werde nicht ständig umgetrieben von der Angst, irgendjemand könnte mir folgen, mich ausforschen, meine Sachen durchwühlen, meinen Computer durchsuchen. Obschon mir das passiert ist, seinerzeit, dass sich da jemand des - für mich selbstverständlichen - Vertrauens als wenig würdig erwiesen hat und in allerlei Daten Einsicht nahm. Ob zur Zufriedenheit der Betreffenden mag bezweifelt werden, ein Passwort für den IRC-Channel, dazu Entwürfe für eine Geschichte des Kynismus, Fragmente, für den nicht Eingeweihten ohne Erklärungen mit Sicherheit unverständlich. Und auch meine kriminelle Energie ist bescheiden, ich halte Geschwindigkeitsbeschränkungen ein, löse Fahrscheine in der Straßenbahn und betrüge selbst meine Haushaltsversicherung nicht. So gesehen müsste ich keine Angst haben vor Überwachung, vor dem neuen metternichschen System in Österreich, das, ohne irgendwie größere Aufmerksamkeit zu erregen, installiert wurde. Ein Rechtsstaat lebt vor allem vom Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Prinzipiell ist gegen Maßnahmen, die in irgendeiner Form der Sicherheit dienen, nichts einzuwenden, wenn man nicht wüsste, dass der derlei Machtbefugnisse in falsche Hände geraten (oder - in Zukunft - geraten werden). Nun denn, die Zukunft braucht man dafür nicht zu strapazieren, sage und schreibe 32 Abfragen täglich wurden getätigt, Abfragen, von denen der Betroffene nie erfahren wird, Abfragen, denen "mit tauglichen Mitteln der Informationsbeschaffung zu begegnen ist", weil eben eine konkrete Gefahrensituation bestehe. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es sich hier um eine Insel der Seligen handle, scheine ich in einem Staat zu leben, der durch und durch von zwielichtigen Gestalten bevölkert ist. 32 mal täglich ist Gefahr im Verzug, werden Daten (Handystandort, IPs, etc.) abgefragt, um Schaden abzuwehren von unserem schönen Österreich. Verbrecher allerorten, Terroristen, Fundamendalisten, mafiöse Strukturen. Hoffentlich erfährt die us-amerikanische Administration nichts von diesen Zuständen, bei denen ist eben ein Schurkenstaatplatz freigeworden. Dass nun Frau Fekter zum Obersheriff (mit Bedauern muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es für "Sheriff" noch keine adäquate, weibliche Form gibt) ernannt wurde, vermag nicht zu beruhigen. Law and order hat sie angekündigt, ganz im Sinne von F. J. Strauß: Rechts von uns darf kein Platz sein. Herr Strache darf sich seiner Klaustrophobie sicher sein. Mir aber graut vor einem Staat, in dem Polizisten richterliche Befugnisse erhalten, in dem der Betroffene von den Maßnahmen, den über ihn gesammelten Daten, den Grund, weshalb er als potentielle Gefahrenquelle eingestuft wurde, nichts erfährt. Die dämliche, aus den USA importierte Terrorgefahr dient als Vorwand für eine Aushöhlung der Grundrechte. Wozu all diese Befugnisse einmal dienen könnten, ist möglicherweise sogar den diese Gesetze beschließenden Personen unklar. Man beugt vor, ist gewappnet. Wie mein ehemaliger Nachbar im Kaufrausch: Günstig waren sie, die Kompressoren, deshalb wurden zwei erstanden im Baumarkt. Er ist vor einigen Jahren gestorben, ohne sie je ausgepackt zu haben. Ein solch glückliches Ende wird diesen Gesetzen kaum beschieden sein, im Gegenteil: Ihre Anwendung erfolgt schon jetzt mit Hingabe. Dieser Regierung aber wünsche ich ein baldiges Ende. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Donnerstag, 12. Juni 2008, 16:08 Es drängt sich fast auf, wieder etwas über bemalte Fußballeinfaltspinsel zu schreiben. Jedweder Couleur, ob Schwarz-Rot-Gold, Rot-Weiß-Rot, mit Schweizerkreuz oder Halbmond. Ich bin privilegiert, in der Einschicht von Hupkonzerten weitgehend verschont, ich hab leicht reden, weil sich die Blödheit auf's Urbane konzentriert, weil sie dort - gesammelt und gefasst - eine wirtschaftliche Macht darstellt. (Nun denn, indirekt proportionale Beziehungen zu vermuten zwischen exzessivem Kaufverhalten und bescheiden anmutenden intellektuellen Kapazitäten scheint ohnehin statthaft.) Bis auf einige bewimpelte Fahrzeuge blieb mir die Einfalt also optisch und akustisch verborgen. Stellt sich die Frage, was denn Menschen im allgemeinen und besonderen verbindet, woher das Wir-Gefühl kommt, aus welchen Gemeinsamkeiten es sich speist oder ob in Ermangelung von Gemeinsamkeiten solche künstlich erzeugt werden. Und tatsächlich nimmt es wunder, was denn alles zur Gruppenbildung beitragen kann: Etwa die Benutzung einer ähnlichen Automarke, der geistige Kretinismus versammelt sich alljährlich zum GTI-Treffen. Vermeintlich die Sprache (aber fühlt sich nicht auch Stoiber als Deutscher?), geographische Nähe (ein diffiziler Punkt, scheinen in enger Nachbarschaft sich befindliche Gruppen doch einander in größter Feindschaft gegenüberzustehen, nirgendwo sind Hass und Aversion größer als bei Lokalderbys), warum nicht Schuhgrößen oder eingewachsene Zehennägel? Obskur? Größe der Gruppe für eine Identifikation inadäquat? Aber gibt's nicht Frauen- und Männersolidarität, Zusammenhalt von Weißen, Schwarzen, Gelben? Was also ist das Gemeinsamkeit Stiftende? Der Besitz von Hoden oder Eierstöcken? Wie wär's mit Hämorrhoiden? Gibt's neben GTI- und Manta-Fetischisten auch Menschen, die sich wegen der selben Marke ihrer elektrischen Zahnbürste verabreden? Wegen einer Warze am Steißansatz, einer Fettleber? Oder sind dies wirklich nur zufällige Ausprägungen ein und desselben Nichtdenkens, Nichtdenkenwollens, einem Bedürfnis entsprechend, das Sehnsucht zeigt nach Aufgehen in einer Masse Gleichgesinnter - egal welcher Gesinnung, einer Masse, die durch ihr bloßes Vorhandensein alles und jedes sanktioniert, der man nicht durch eine bestimmte Leistung sondern durch Zufälligkeit zugehörig ist und in der man sich vollwertig fühlen darf, sei man auch ein noch so mickriges Menschlein - und in der man hauptsächlich und vor allem stolz sein darf auf seine Warze am Arsch und seine nationale Zugehörigkeit und im anderen, Warzen- und Hämorrhoidenlosen ein Wesen minderer Art sehen kann, das, je nach Zeit- und Sozialverhältnissen, beschimpft, verachtet oder vergast werden darf. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Sonntag, 27. April 2008, 14:56 Wenn Städter aufs Land ziehen haben sie die Natur im Auge. "Grün", sagen sie, "Wiese", sagen sie, "Wald". Schön, ruhig, romantisch. Verträumt schauen sie ins Gesträuch, bewundern Nadelbäume, unterscheiden nicht zwischen Lärchen und Fichten, sagen sich aber, dass sie das schon noch lernen würden. Zuerst einmal ein Häuschen gekauft, geschmückt mit romantischen Holzwerkzeugen, von geschäftstüchtigen Bauern preisgünstig erworben, dazu Autoreifen mit Stiefmütterchen und ein handgefertigter Gartenzwerg aus China. Endlich Natur. Rein in die Wiese, sitzen, träumen. Nach 10 Minuten ein leises Gefühl der Unruhe, außerdem Jucken - tatsächlich, Ameisen. Direkt vor'm Haus, oh, ein Wespenkrug am Schuppen, Maulwurfshügel, die das nach Gleichmaß dürstende Auge verstören, Brennnessel (der Tee schmeckt auch nur auf Designertischchen im Penthouse wirklich gut), lebensbedrohliche Hornissen. Man kann's auch übertreiben mit der Natur, die Natur übertreibt. Soviel muss nun auch wieder nicht sein, Spinnen und Mücken fragen nicht höflich nach Einlass, Bäume erfrechen sich, Schatten zu werfen. Da muss die Zivilisation eingreifen, regulierend, planierend, nivellierend, das Hohelied des rechten Winkels anstimmend. Will sagen: Mein Nachbar betoniert. Die Wiese, die hochgelobte, blühende. Die sich der Wasserwaage entziehende. Und er fällt. Bäume, weil nicht zusammenklappbar. Wer braucht nach Erfindung des Sonnenschirms noch Buchen oder Eichen, deren renitente Schatten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Mittwoch, 16. April 2008, 16:50 Das mit dem Rechnen ist so eine Sache, manch ein Pimpf hat schon in der Volksschule seine Probleme, zur Strich- kommt die Punktrechnung und die Zahlen werden dreistellig. Und bei vier beginnt laut Volksmund die Mengenlehre, vier ist mehr und vier ist viel, viel aber ist jenseits der Vorstellungsgrenze. So mancher Pimpf wird später Politiker, da verdient man viel und braucht von Zahlen noch lange keine Ahnung zu haben. Als man etwa im österreichischen Nationalrat nach der Zahl der Nullen einer Milliarde (wohlgemerkt nicht der der Anwesenden) sich erkundigte, bezeugten die solcherart Befragten eine bei diesem Menschenschlag kaum vermutete Kreativität. Einer antwortete "viel", andere Angaben schwankten zwischen 5 und 20. "Viel" war richtig, größer vier. Das mit den Nullen ist ohnehin ein Ärgernis, eigentlich weiß man, dass von nichts nichts kommt und eine Null (so nebenbei eine babylonische Erfindung, was die amerikanische Obernull vielleicht zu seinem Feldzug veranlasst hat) eben gerade nix ist - außer sie stellt sich brav hinten an und verwirrt den längst erwachsenen Pimpf um den Faktor 10. Scheiß Punktrechnung, schon wieder, da lebt man brav eindimensional vor sich hin und muss sich plötzlich mit Quadratischem herumschlagen. Der Großpimpf ist natürlich der Meinung, dass zwischen 10 hoch 8 und 10 hoch 9 nicht viel Unterschied sein kann, ändert sich ja nichts, ist wie bei 78 und 79 und wenn man's in Zwetschkenknödel umrechnet, sind das wieder viele, so viele, wie man kaum essen kann und in jedem Fall fast gleich viel. Und so kommt's, dass eben 500 Millionen Dollar auch viel sind. Fünf mal 10 hoch 8 Dollar, in Euro ein bissi weniger, aber sicher auch noch eine Menge, Kurs 1,5, blöde Rechnerei schon wieder. Und mit dem Essen hat das auch zu tun, nicht mit Zwetschkenknödel sondern einfach mit Verhungern. Soviel nämlich, soviele Dollar bräuchte man, hat der Mann von der Weltbank gesagt, damit die armen Neger in Afrika nicht verhungern, weil zwar auf der Welt viel angebaut wird, aber seit neuesten umweltschonend bio getankt wird. Bio, das hat man früher essen können, aber jetzt kann die Hofratsgattin damit zum Einkaufen fahren, sie kann ihren neuen Pachero oder Tuareg damit betanken und umwelt- und klimaschonend zum Friseur kutschieren. Und das mit dem Essen ist jetzt Essig und das ist blöd für alle die, die keinen Geländewagen zum Einkaufen haben. Natürlich hat der Herr von der Weltbank nicht Neger gesagt, er hat Englisch geredet und sicherlich den korrekten Ausdruck für den Verhungernden verwendet, für Mbonga Kdule oder wie immer der heißt. Auch Verhungern will gelernt sein und wenn's schon sein muss, dann als Schwarzer, Farbiger, Schwarzafrikaner oder Mensch mit dunkler Hautfarbe. Mbonga hat sich allerdings während seines vor sich Verhungerns gar nicht um semantische Feinheiten gekümmert, der hat da kein Problem damit gehabt und hätte ihm jemand etwas zu essen gegeben, wäre er wohl auch ein "Nigger" zu überhören bereit gewesen. War aber nix da zum Essen wegen der umweltschonenden Hofratsgattin, fürs Weltklima müssen Opfer gebracht werden und Überbevölkerung ist sowieso ein Problem. 500 Millionen Dollar sind natürlich viel Geld, so eine Weltbank hat auch nur ein begrenztes Budget und die einzelnen Länder neben diesem auch noch ein Defizit. Österreich beispielsweise. Jetzt kann man natürlich blödsinnige Rechnungen anstellen, etwa vorschlagen, zwei Abfangjäger weniger zu kaufen, aber da leidet die Sicherheit, der Terror ist gelandet in Europa, schon vor Monaten und da weiß man nie, ob nicht so ein Eurofighter doch zu irgendetwas nutze ist und außerdem liegt Österreich im Herzen Europas, Liechtenstein im Westen droht mit Aktenordnern von Steuerflüchtlingen und den Slowenen haben wir schon zu Gastarbeiterzeiten nicht getraut. Und mein Holzhändler fürchtet sich vor den Zigeunern (tatsächliche Verwendung des inkorrekten Ausdrucks), vielleicht sind da Kampfjets auch zu brauchen. Im Kampf gegen die Überbevölkerung aber sind die Weltbank und ihre Mitglieder ausnehmend effizient, das hält jeden Vergleich aus, man denke nur an die Amerikaner. Die brauchen für hunderttausend tote Irakis 1 Billion Dollar, und Billionen sind bei uns mehr als Milliarden, viel mehr sogar, manche behaupten es wären ungefähr 1000. In Amerika aber ist die Billion eine Million und so ist das Ganze dann doch wieder recht billig, 10 Dollar für einen Iraki, das ist ein Schleuderpreis, kriegste bei Ebay auch nicht günstiger. - - - - ... Link (7 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2008.12.31, 03:01 Links
Literatur
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Was zu derart Amüsantem
wie Martensteins Glosse führt, darf nicht strafbar sein.
by i. (2008.12.31, 03:01)
Ich muss meine hochgeschätzte Juristin
befragen: Ob sich hinter solch einer Aufforderung (Schreiben Sie...
by philit (2008.12.30, 22:07)
(Denk Dir einfach die
esoterische Hausfrau als Bogen Überleitung:)
Empfehlenswert.
by i. (2008.12.29, 23:51)
Zu Chr. Hitchens: Der Herr
ist kein Hirte Seit es Anhänger eines vorderasiatischen Propheten unternommen...
by philit (2008.12.20, 16:42)
Das Mädchen von damals III
Nun hab' ich also doch geschrieben - und Antwort bekommen....
by philit (2008.12.06, 20:55)
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Neben der humorigen Messerstecherei erfahre ich u. a., dass Klaus...
by philit (2008.12.02, 16:07)
Twitterjournalismus - oder wer hat
den Größeren? Der Blogjournalismus twittert wieder ganz aufgeregt. Bombay, Mumbai,...
by philit (2008.12.01, 16:40)
Nein, aber der Umstände halber
fällt mir zur Zeit immer wieder Burger ein, seine...
by philit (2008.11.27, 03:10)
War gestern H.s Todestag?
by i. (2008.11.27, 01:46)
tractatus logico-suicidalis - in memoriam
Die schönen Augenblicke sind auch die schrecklichsten. Durch die man...
by philit (2008.11.26, 21:05)
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