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philit, Samstag, 6. Dezember 2008, 20:55 Nun hab' ich also doch geschrieben - und Antwort bekommen. Verspätet. Zu selten schreibe jemand, als dass es sich lohnte, die Mailbox regelmäßig zu kontrollieren. Und ja, natürlich bleibe die Einladung aufrecht, zweimal betont sie's. Ich werd' in ein fremdes Leben schauen, ein mir fremdes Leben. Das Haus wird schön sein und Sonnenkollektoren haben, ein großer Wohn-Essbereich, IKEA-Eleganz, Couch, Flachbildfernseher. Obwohl sie nicht dazu kommt, ihn einzuschalten, müde aus dem Büro, die Hausarbeit, der Sohn. Bilder an der Wand, vielleicht ein Druck von Andy Warhol, Fotos von der Familie, der geschiedenen Mann nicht aus dem Bild geschnitten. "Ich seh ihn jetzt gleich oft wie früher", hat sie mir erzählt, "er war doch nie da. Nun kommt er alle zwei Wochen wegen des Sohnes - und manchmal ruft er an, wenn's ihm schlecht geht. Er hat ja niemanden. Naja, eine Neue, das war gleich nach der Trennung, drei Wochen. Wahrscheinlich war schon vorher was." Sie zögert, dann leise: "Sicher sogar." Die Fotos: 160 etwa, wenn sie alle hat entwickeln lassen. Enorm für die Prä-Digital-Ära. Ich. Ich am Strand, ich im Hotelzimmer, unter weißgekalkten Hauseingängen, vor orthodoxen Kirchen. Zu zweit im Spiegel, einander festhaltend, sicher vieles, an das ich mich nicht mehr erinnern kann. Den Brief habe sie auch noch, Brief, sie lacht. 150 Seiten, ja, natürlich habe sie alles gelesen, mehr Buch wie Brief. Du mit deinen Büchern. Die Fotos sind der eigentlich Grund des Treffens, einen Grund braucht man. Braucht man? Wahrscheinlich, weil: Wie das sonst aussieht. Auch wenn niemand etwas weiß, also das, also - wegen früher halt. Sie wird verlegen sein, ich auch. Lächeln. Die Verlegenheit wird durch ihre Vernunft verdrängt werden, immer war sie vernünftig. Außer damals, "mit dir". Ich werde mir die Vernunft anhören und nur dann etwas einwenden, wenn sie es übertreibt. Sie hat die Vernunft immer über das Leben gebreitet, damit die Falten und Unebenheiten unsichtbar bleiben, nur nicht stolpern, hinfallen. Vielleicht aber werde ich gar nichts sagen, nur ein wenig traurig zuhören und noch trauriger wieder wegfahren. Weil es nichts zu sagen gibt. Wenn ich denn fahre ... - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 11. November 2008, 18:08 Ich überlebe mich. In einer Zeit großgeworden, die noch mit nach Alkohol stinkenden Matrizenvervielfältigungsapparaten hantiert hat, Kopierer nur vom Hörensagen kannte, in der man noch Inhaltsangaben statt Abstracts schrieb und Zusammenfassungen statt Handouts verteilte. Computer waren riesige Röhrenmaschinen mit eingelegten Bändern, derer sich der Hochrechner der Nation, Gerhart Bruckmann, bediente und in FS1 pünktlich um 17 Uhr die Wahlsiege Bruno Kreiskys voraussagte. Der erste Overheadprojektor eine seltsam futuristische Maschine, an Mondbasis Alpha und Captain Kirk erinnernd. Das Fernsehprogramm endet mit der Bundeshymne, beginnt mittwochs früher: Kasperl. Fünf vor sechs: Krawuzikapuzi. Lieblingsserien: Schweinchen Dick und Bezaubernde Jeannie. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 11. Oktober 2008, 17:25 Die ersten Zugfahrten seit langer Zeit. Bahnhofslokale sehen, diesmal von außen. Die Erinnerung an unzählige Stunden, von früh an langsam betrunkener werdend, lesen, irgendwann kann der glasige Blick die Zeilen nicht mehr halten. Kartenspielen, blank gescheuerte Theken, der schale Biergeschmack, der Geschmack nach Spülmittel, weil die müde Kellnerin es so genau nicht nimmt. Der Trinker braucht nicht umsorgt werden, er kommt wieder, geht dorthin, wo er vielleicht noch Kredit erhält. Fast 3 Jahrzehnte. Das Interieur heute eleganter, weniger Bierlachen auf den Tischen, weniger Schmutz, nur die Trinker selbst stieren vor sich hin wie früher. Zwischen den Stationen der Blick auf Einfamilienhäuser, pastellfarben, gelb, grün, blau. Weiße Fenster mit Goldrähmchen, Buchsbaum, Ziersträucher, Silbertannen, Rasen. Nirgendwo ein Maulwurfshügel oder gar Brennessel, was würde der Nachbar sagen, manchmal eine kleine Plakette neben der eleganten Eingangstür, der Doppelgarage: Wüstenrot. Ich bin eingeladen in eines dieser gelb-grün-rot-grauen Häuser mit Wohnküche und Ikea-Couch, mit Vorgarten, Blumenrabatten, geputztem Nissan-Kleinwagen. Sie meinte, ich möge doch vorbeikommen, Fotos von damals ansehen, kein Mensch besitzt mehr Aufnahmen von mir, 150, 200 Stück aus der Prä-Digital-Ära. Seit einer Woche besitze auch ich ein Foto aus jener Zeit, W. hat es mir gesandt, der dicke, liebe, nette, von keinem ganz ernstgenommene W. Ich sitze am Strand und lache in die Kamera, große runde Nickelbrillen, schlank, fast dünn, vor uns das "Liebe ist"-Handtuch, das sie mir zum Abschied geschenkt hat. W.: Mit dem mich eine eigenartige, für alle unpassende Freundschaft verband, der mich zu Tränen gerührt hat: Indem er mir eine riesige Marzipantorte zum Geburtstag schenkte, mit unzähligen Motiven von Büchern, Schriftzügen, einem kleinen Porträt. Fast zu Tränen gerührt, viel zu dumm und unsicher war ich um zeigen zu können, wir sehr ich dieses Kunstwerk, an dem er viele Tage verbracht hatte, schätzte. Unsicherheit auch heute, ich habe noch nicht geschrieben, mich nicht gemeldet. Sie wohnt neben ihren Eltern, dem Vater, der sie gezwungen hat, mich nicht wiederzusehen. Undenkbar, ausgerechnet der, von dem man nur Schreckliches gehört hatte, respektlos, flegelhaft, keine Autoritäten respektierend - und sicher ist da was mit Drogen. Dieser Vater hat mich nie gesehen, nur von mir gehört, einzig die Mama hab ich begrüßt an einem der wenigen Tage meines Lebens, an dem ich einen dunklen Anzug trug. Und dann hat sie ihre Tochter gefragt, wer dieser nette, junge Mann sei, so ein lieber, höflicher Mensch, gar nicht wie die anderen. Als sie meinen Namen erfuhr, hat sie es schlicht nicht geglaubt, der war das, von dem man dies und jenes gehört habe, nein, das sei nicht möglich, der habe ja fast schüchtern gewirkt und so lieb gelächelt und ... Heute sehe ich weniger nett aus, der letzte Friseurbesuch datiert von anno 1993, immer noch reicht dies für eine ganze Generation, dass man den Betreffenden ins Arbeitshaus wünscht, ihm Drogenexzesse unterstellt, bolschewistische Umsturzversuche. Der Papa wird mich sehen, hinter einer Gardine hervorlugen oder über den Gartenzaun gucken, während er den überlangen Grashalmen den Garaus macht - und er wird gar nicht amused sein. Sie war immer eine brave Tochter, "natürlich, das mit dir, das war das Schlimmste", aber er hätte auch sonst niemanden akzeptiert. Nur das mit der Scheidung, das war das Einzige, was sie durchgesetzt hat, auch wenn Oma immer wieder betont hatte, dass man das aushalten muss. Dass das so sei im Leben, Männer sind eben so. Und Ehen auch. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Montag, 29. September 2008, 00:20 Vor 10 Jahren haben wir einander das letzte Mal gesehen. "Das einzig Verrückte in meinem Leben warst du", sie lächelt ein wenig, guckt dann traurig, eine kleine Falte erscheint an der Nasenwurzel. "Zwei Monate später hab ich meinen Mann kennengelernt, dann das Haus, das Kind - die Scheidung." - "Es kommt nichts mehr" hat sie mir vor 10 Jahren gesagt - und abgesehen von der Trennung scheint sie Recht behalten zu haben. "Aber damals, 1988, das war verrückt!" Nun ist's an mir die Stirn zu runzeln, ich fand es schön, intensiv, ein wenig sonderbar, weil wir doch so verschieden waren. 12 Tage lang. Und versuche mir ein Leben vorzustellen, in dem diese Tage und Nächte als ein anarchischer Höhepunkt des Daseins zu gelten vermögen. Morgen hat sie die Wertpapierabteilung wieder, das nun zu große Haus, die Kreditraten, die Gedanken, dass nichts mehr kommt. - - - - ... Link (2 comments) ... Comment philit, Sonntag, 13. April 2008, 19:34 Am liebsten mochte ich politische Landkarten. Sie waren bunt, jeder Staat eine Farbe, der kleine orange Fleck in der Mitte, wie ein Einzeller nach Osten schwimmend, war Österreich. Orange war eine schöne Farbe, Österreich ein schönes Land. Orange war die Farbe der Schirennläufer, von Heini Messner und Karl Schranz, deren Erfolge man im Radio verfolgen konnte - wenn der Empfang gut war. Das magische Auge zu einem feinen Strich reduziert - und von der Kredenz weggehen, denn das verursachte eine Störung. Später konnte man die Rennläufer auf verschwommenen Schwarzweißbildern verfolgen, das Problem mit dem schlechten Empfang blieb, bei ungünstiger Wetterlage sah man bloß Schemen im Rauschen der kosmischen Hintergrundstrahlung, die Bilder "liefen", ein anderer Platz für die Zimmerantenne wurde gesucht, auf der Fensterbank, der Küchenkommode, manchmal Gabeln, andere Metallstücke angeklemmt. Das Radio stand auf einem Regal über der Eckbank. Und auf dem Radio ein Blumentopf, Pelargonien, vermutlich. Das alles fügt sich in meinem Gedächtnis zur ersten politischen Erinnerung, Aufregung und Spannung war damit verbunden wie beim Hahnenkammrennen oder der Lauberhornabfahrt. Stündlich wurde über den Gesundheitszustand von Robert Kennedy berichtet, der einem Attentat zum Opfer gefallen war. Zwei meiner Onkel waren anwesend, alles war aufgeregt, diskutierte, der Hoffnungsträger einer freien Welt lag im Sterben, das Radio lief mit voller Lautstärke. Und irgendwann fiel durch die Vibrationen der Blumentopf, traf meinen Bruder - und zwischen Scherben, Verletzungen, dem entstehenden Tumult starb im fernen Amerika der Bruder des guten Präsidenten, der uns, den Westen, Berlin gerettet hatte. Ich wollte selbst politische Karten zeichnen - und bemalte mit Buntstift die Rückseite eines Kalenderblattes. In der Mitte war ein kleiner Fleck, orange, das schöne Orange aus dem Atlas - der Rest des Blattes dunkelgrün gefärbt. Dass zu meiner Erklärung dieser Landkarte gelacht wurde, verwunderte mich, schien doch alles so selbstverständlich, genau so, wie es mir vermittelt wurde: Das große, dunkle, grüne Gebiet war die Sowjetunion, waren die Kommunisten. Deren Anführer ein dicker, dunkelhaariger Mann mit buschigen Augenbrauen und Pelzkappe, grimmiger Blick, hängende Mundwinkel, undenkbar, ihn lachend zu zeigen. Auch das selbstverständlich, ein böses Land konnte nur einen bösen Präsidenten haben, Weltherrschaft, Kalter Krieg, Revolution, die schlimmen Wörter passten zu den Augenbrauen. Und dann gab's noch Vietnam, wo die Guten den Krieg verloren. Immer waren sie auf dem Rückzug, verloren Terrain, schon seit Jahren. Die Abendnachrichten brachten den Untergang näher, Stück um Stück, jeden Tag wurde der Kampf aussichtsloser, das Böse war unaufhaltsam. Das Böse: Bolschewismus, Che Guevara, Dominoeffekt, Russen, Ho Chi Minh. Wörter so gefährlich wie der dunkle, missmutige Präsident, immer wieder der Hinweis auf das glückliches Österreich, nur 100 Kilometer weiter der Eiserne Vorhang, wo das Reich dieses Bösen begann. Einmal fuhren wir nicht auf einen der unzähligen Berggipfel mit den ewig gleichen Kreuzen und Gipfelbüchern, in die wir uns regelmäßig eintrugen, sondern ins Burgenland, zu diesem eisernen Vorhang. An Stacheldraht meine ich mich zu erinnern, dahinter Büsche, Dornen, Wald. Man unterhielt sich darüber, ob es dort Minen gäbe, Wachtürme, Soldaten mit Maschinengewehren. Wahrscheinlich alles. Da ich mir diese Grenze absolut unüberwindlich vorstellte, war ich überrascht, dass sich die Vögel um diese Barriere nicht scherten. Ob die das dürften, fragte ich, ob das so einfach möglich wäre. Ob nicht geschossen würde. Später habe ich Freiheit noch oft mit Fliegen in Zusammenhang gebracht. Große Aufregung, als mit roter Farbe "Che Guevara" und "Ho Chi Minh" auf die Kirchenmauer geschrieben wurden. Doppelt schlimm: Der heilige Ort der Kirche, die furchtbaren Namen. Das Blasphemische dieser Aktion nahm mich erstmals für die unbekannte Welt des Bösen ein: Dieses Gotteshaus als eine fortgesetzte Qual des Stillsitzens, alte Männer und Frauen, die ihre violetten Zungen zur Kommunion rausstreckten, der Zwang, nichts sagen, sich nicht bewegen zu dürfen. Die Gegner, die Beschmutzer der Kirche, die geschriebenen Namen waren Verbündete gegen eine Welt von Angst und Verbot. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Montag, 18. Februar 2008, 20:00 Eine verrauchte Wohnung, Alkohol, Drogen, aber nicht wie zu vermuten Pink Floyd oder Jimmy Morrison sondern Schubert. Streichquartett in D-Moll, mit vom Trinken glasigen Blicken unter die Boxen gekauert, Warten auf das Einsetzen der Bratsche, des Cello im zweiten Satz, wiederholen, Nadel von der Platte (Vinylzeitalter) - auf ein Neues. Die Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts vergleichen mit derjenigen auf einer alten Musikkassette, scheinbare Unterschiede hören wollen, von anderen angestaunt, belächelt werden. Das ist keine Musik, die Doors, die Who, Jimi Hendrix - aber keine Klassik. Klassik ist reaktionär, bürgerlich, Kammermusik klingt nach Metternich, Überwachungsstaat, nach Klavierstunden in holzvertäfelten Sälen. Reaktionär schon damals. Oder konservativ. Jedenfalls in den Augen derer, die mit mir zusammen waren. Für die Erwachsenenwelt der Inbegriff des renitenten Jugendlichen, vor allem für die Eltern der Mädchen, die sich mit dem Typen, der nicht einmal einen Hauptschulabschluss vorweisen konnte, herumtrieben, Mädchen, die Reit- und Klavierstunden nahmen oder ein demi-plié aufs Parkett knixten. Die Auswahl der Freundinnen eindeutig bürgerlich, auch die Literatur: Thomas Mann statt Bukowski, Goethe statt Kerouac, im Schauspielhaus statt Performancekunst klassische Dramen. Die Lebenslüge war institutionalisiert, vor allem unter Alkoholikern und Drogensüchtigen. "I sauf gean" - und was die Vorliebe zu alkoholischen Getränken bekunden sollte, war verzweifeltes Bemänteln eines meist grauenhaften Lebens. Solches wurde im Café, im Gasthaus unter verquerer Argumentation zum Postulat erhoben, nicht aber am Morgen in einem versifften Bahnhofspissoir, stinkend, erschöpft. Dann galt es die 10 Schillinge aufzutreiben, um im Supermarkt Wein zu erstehen, Tetrapak, das Zittern der Hände zum Verschwinden zu bringen. Ich mochte Bukowski nicht, weil alles an ihm falsch war. Alkoholiker wurden keine gefeierten Schriftsteller, sondern krepierten jämmerlich, man trank nicht aus Überzeugung sondern der Aussichtslosigkeit wegen. Ich mochte die Doors und Schubert, aber das Leben ließ kaum Zeit dafür, irgendetwas zu mögen. Ich wusste bloß, dass ich keineswegs aus Vergnügen trank, ich mochte die großen Wohnzimmer mit dem Bösendorferflügel und die ledergebundenen Klassiker dahinter. Die 17jährige, die mir eine Beethovensonate vorklimperte - als Geburtstagsgeschenk. Ich ahnte, dass auch diese Welt so schön nicht war, wie sie mir erschien - sie bot aber Wahlmöglichkeiten. Die es ansonsten nicht gab. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 14. Dezember 2007, 23:12 Der Geschichtsunterricht hat in meiner Generation mit dem ersten Weltkrieg sein Ende gefunden, für mehr hat's nie gereicht, kaum war Kaiser Franz Joseph unter der Erde, hatten wir auch schon Juni und es lohnte sich nicht mehr, noch ein ein neues Kapitel zu beginnen. Jene Zeitgeschichte, die in unseren Büchern mit dem Friedensschluss von Versaille begann und mit der Wahl Bruno Kreiskys im Jahre 1970 endete. Vom Nationalsozialismus hatte ich trotzdem gehört, davon, dass es furchtbar war, mein Großvater fast erschossen worden wäre, weil er der deutschen Wehrmacht ein Pferd vorenthielt, dass für seinen Hof überlebenswichtig war. Ein Schicksal, dass auch meinen Vater beinahe ereilt hätte, der Hitler in jugendlichem Überschwang als dummen Kommunisten bezeichnete, der gerade im Begriff sei, einen Krieg zu verlieren. Und wie früher oder auch später gab es immer Menschen, die solches für mitteilenswert hielten und defaitistische Bemerkungen an die richtige Stelle meldeten. Glück nur, dass die Tatsache des Kriegverlierens in diesem Augenblick evident wurde, sodass vor lauter Rennen und Flüchten aufs Erschießen vergessen wurde. Der mitteilsame Knabe wurde später ein tüchtiger Funktionär der sozialistischen Partei und litt an veritablen Erinnerungslücken. In den Jahren 42 und 43 begann das Flüstern über Judenvergasungen, wohlgemerkt im letzten, abgelegenen Bergbauernwinkel. Von Lampenschirmen aus Judenhaut ging die Rede, von Judenseife und dergleichen mehr. Der Großvater, die "Dummheit" seiner Buben ahnend, verbot bei schwerster Prügelstrafe jedwede Äußerung über diese Dinge. Und dennoch wurde geflüstert. Diese Dinge wollen mir immer dann in den Sinn kommen, wenn ich von Mächtigen des 1000jährigen Reiches hörte (oder las, etwa von Speer), dass sie davon nichts, aber schon gar nichts gewusst hatten. Mag sein, 12, 13jährige Kinder auf einem Bergbauernhof aber wussten davon. Hitler wurde zu einem ähnlichen Phänomen wie 100 Jahre zuvor Napoleon im russischen Reich. Bei Gogol kann man nachlesen, dass die russischen Bauern den Franzosenkaiser immer wieder einmal in Verkleidung wiederzuerkennen glaubten, in den später 60igern und 70igern des 20. Jahrhunderts sorgte der Stern für derartige Geschichten. Im Grenzgebiet zu Frankreich meinte man den Führer gesehen zu haben, andere wieder wollten mit Gewissheit einen unehelichen Spross des GRÖFAZ ausfindig gemacht haben. Sowas verkauft sich immer gut, verbindet eine angenehme Gänsehaut mit dem Hauch des Abenteuerlichen und hat erst nach Abdruck der Hitlertagebücher sein Ende gefunden. Und auch ein Zeichenlehrer am Gymnasium wusste von Kriegserlebnissen zu erzählen, vom Druck der Diktatur, von der Angst im Staate. Ich habe erst viel später begriffen, dass er sich als Gegner des Regimes verstand, war er doch für mich der Inbegriff von Ungerechtigkeit und Willkür. Büschelweise hat er mir die Haare ausgerissen, weil ich unabsichtlich eine Flasche Terpentin verschüttete, Ohrfeigen setzte es auch, wenn man seine Malfarben vergaß. Einer ganzen Generation von Gymnasiasten dürfte der aufrechte Antifaschist mit seinem Verhalten jede Lust am Zeichnen und Malen genommen haben, seine fundamentale Unfähigkeit, mit Jugendlichen umzugehen, sie anders als mit Drohung oder Gewalt zur Raison zu zwingen, hat ihm später, endlich pensioniert zur Freude der nachrückenden Schüler, Auszeichnungen eingebracht. Ach ja, einen Namen hat er auch, er darf hier durchaus genannt werden, waren doch auch die ausgerissen Haare echt - so wie die Ohrfeigen, die ich von ihm empfangen haben. Herr Prof. Hannes Schwarz, anerkannter Künstler und vielgeachteter Bürger der Stadt, mit allerhand Ehrungen bedacht und wohl einer der wenigen Zeichenlehrer, der gefürchteter war als die mit Latein und Mathematik Betrauten. Mich hat die Geschichte des Nationalsozialismus im Grunde nicht interessiert, ich hatte mit mir selbst zu tun, meinen Ängsten, Sorgen, Politik war etwas, das mich nichts anging. Das Dritte Reich war mir nur deshalb ein Gräuel, weil meine eigenen Probleme dadurch relativiert wurden, nichts wert waren. Worüber konnte man sich beklagen, wenn einem sofort Hitler und der Krieg um die Ohren gehauen wurde, wenn man durch die Existenz dieses Braunauer Idioten jegliches Recht verlor, sich über die Welt beklagen zu dürfen. "Ihr habt es gut" - und wenn es schon nicht gut war, so war es früher doch viel schlimmer gewesen, was hätten wir tun sollen - und in diesem wir steckte eine ganze Kriegsgeneration, der gegenüber man prinzipiell und immer im Unrecht war. Wir wären froh gewesen, ihr wisst doch nicht, was Sorgen, Hunger, Schmerzen bedeuten. Dass sie scheinbar im Recht waren mit dieser Argumentation (und vollkommen im Unrecht, wie ich erst viel später erkannte, zu spät, um noch aus diesem generationsverordnetem Dankbarkeitsgefühl, das keine Entsprechung in der Realität hatte, herauszufinden), dass dadurch all meine Traurigkeit und Verzweiflung wertlos wurden und ich schon deshalb an Selbstmord dachte, um mein eigenes Unglück durch die Tat zu bestätigen (denn sie hatten sich ja nicht umgebracht, weshalb mein Unglück nun als höher anzusehen wäre), hat mein Verhältnis zum 1000jährigen Reich geprägt. Deshalb war ich auch rechtschaffen erstaunt und unvorbereitet, als ich auf den ersten Nazi meines Lebens traf. Auch, weil ich mir nicht vorzustellen vermochte, dass eine politische Richtung den Lebensinhalt darstellen könne, wo es doch Mädchen gab und Träume, Fußballspiele, Abenteuer. Wobei der eigentlich erste Nazi mein Freund war, ein wenig verschroben und sonderbar, seines Aussehens wegen mit allerlei Minderwertigkeitskomplexen behaftet, nichts desto weniger aber mein Freund. Der - wie ich - Nietzsche las, und der - ebenfalls wie ich - kein Wort davon verstand, nur einzelne Brocken des Zarathustra warfen wir uns an den Kopf und es schmeichelte uns, dass die Sonne nur für uns scheine. In dieser Arroganz war unsere ganze Armseligkeit verborgen, unsere Ängste vor den Schlägen, vor Autoritäten - aber während mir eine Art intellektueller Dünkel aus diesem Lesen zuwuchs, verband er seinen Nietzsche mit rechtsradikalem Gedankengut. Natürlich, sein Elternhaus, der Vater Fliegeroffizier, wohl bald nach seiner Geburt verstorben, hat dem Vorschub geleistet, diese Vaterfigur wurde glorifiziert und damit auch dessen Gedankengut. Im Modellflugzeugbau hatte sich das u. a. geäußert - und schließlich eben auch in einem rechten Denken, das durch die absolute sozialistische Macht in der kleinen Stadt mit der riesigen verstaatlichen Industrie sogar etwas Revolutionäres gewann. Irgendwann also hatte er einen Mentor gefunden, Berufsschullehrer - und glaubte in mir den richtigen gefunden zu haben, um mit diesem Mann in Kontakt zu kommen (vielleicht war es auch umgekehrt und der Lehrer hat sich bei meinem Freund erkundigt, ob er nicht weitere Interessierte kennen würde). Eines blieb mir in besonderer Erinnerung: Des Freundes mehrfach geäußerte Bitten, ich möge ihn "vor diesem Mann nicht blamieren". Das war sonderbar, mir vollkommen unverständlich, das zeugte von einem Verhältnis, wie ich es (auch aus dümmlicher Arroganz) nie eingegangen wäre. Die Befürchtung, ich könne ihn "blamieren", war nicht ganz unberechtigt, pflegte ich doch, je älter ich wurde, auf alles loszuschlagen, alles zu kritisieren, lächerlich zu machen, um das eigene Gefühl des Ungenügens nicht überhand nehmen zu lassen. Trotzdem beruhigte ich ihn, bat mir bloß aus, freigehalten zu werden; sollen die reden, was immer sie wollen, dies mein Gedanke, so lange ich was zu saufen krieg', soll's mir egal sein. Nun, ich war nach kürzester Zeit rechtschaffen besoffen, weshalb große Teile der Unterhaltung auch der Vergessenheit anheim gefallen sind. Im übrigen dürfte es sich großteils tatsächlich um Belanglosigkeiten gehandelt haben, um ein "Vorfühlen", inwieweit ich für die großen Ideen bereit sei. Ganz entfernt vermag ich mich noch an die übliche Geschichtsklitterung zu erinnern, den hitlerschen Bau der Autobahnen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und was dergleichen in solchen Fällen für das Dritte Reich vorgebracht wird. Mein Interesse galt dem Gerstensaft und der beruhigenden Gewissheit, dass die Zufuhr kostenlos und ohne mengenmäßige Beschränkung erfolgte. Nur das ziemlich umnebelte Ende ist mir noch erinnerlich, der standhafte Streiter für Recht und Ordnung entpuppte sich - nicht wirklich überraschend - als ein Verfechter der Todesstrafe. Da scheine ich einen wenig begeisterten Eindruck gemacht zu haben, weshalb er auf drastische Beispiele verfiel. Ob ich denn, wenn meine Freundin von zwei Negern (??!!) vergewaltigt und getötet werden würde, nicht auch für die Hinrichtung derselben sei. - Nun wuchs ich in einer Stadt auf, auf die Reinhard P. Grubers Charakteristik einer steirischen Bezirksstadt "In Fohnsdorf war noch nie ein Neger" ebenfalls zutraf. Weshalb ich die rassenfremde, weil unwahrscheinliche und daher dämlich wirkende Vergewaltigung und Hinmordung meiner Freundin beanstandete, außerdem noch hinzufügend, dass ich es wenig anregend und bezaubernd fände, den prospektiven Meuchelmord A.'s zu erörtern. Hier dürfte ich schon hart an der Grenze zur Blamage meines Freundes agiert und agitiert haben, weshalb der Abend alsbald ein rasches Ende fand. Von weiteren Anwerbeversuchen wurde Abstand genommen, dies blieb mein einziges Besäufnis auf Kosten nationalsozialistischer Gesinnung. Die Beziehung zu meinem Freund hat unter dieser Begegnung gelitten, ihr Ende war - u. a. - auf dessen seltsames Verhältnis zu seinem Lehrer zurückzuführen. Irgendwann beanstandete ich in flapsiger Weise das großspurige Auto, in dem der gute Herr uns ausgeführt hatte (und manche Dinge ändern sich nie: Kann man mir doch auch heute mit wenigen Dingen schneller auf die Nerven fallen als mit den technischen Daten seines fahrbaren Untersatzes) - doch damit kam ich aber bei meinem Freund schlecht an. Sowohl Person als auch Ansichten waren sakrosankt, er forderte mich auf, diesbezügliche Äußerungen zu unterlassen. Was ich mit "Idiot" oder ähnlichem abgetan haben dürfte; dennoch blieb mir der Tonfall, das Absolute dieses Anspruchs in Erinnerung. Immer noch war ich weniger ob der vertretenen Meinungen schockiert als wegen der Art und Weise, wie da einer den anderen kritiklos verehrte, ja sich dazu berufen fühlte, ihn vor dem Schmutz und der Rede anderer zu bewahren. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 27. Juli 2007, 15:07 Wenn ich heute die Straße hochfahre zum Haus meiner Kindheit hochfahre, sind viele Erinnerungen anachronistisch, wie aus tiefster Vergangenheit. Etwa, dass wir Kinder uns mit dem "Wegmacher" arrangierten, der von seiten der Stadtgemeinde für die Instandhaltung der Straße zuständig war. Und im Winter auch für deren Befahrbarkeit, wobei wir ihn davon überzeugen konnten, dass es für die wenigen Autos ausreichend war, die Hälfte des Weges zu streuen, während wir auf der anderen Hälfte unsere Schlittenfahrten unternehmen konnten. Die wenigen Autos von damals waren im Besitz von drei oder vier Familienvätern, die im Wissen um die Wettfahrten entsprechend vorsichtig fuhren. Heute ist die Straße längst asphaltiert (für Schlittenrennen wär das ein Vorteil, von solcher Bodenbeschaffenheit haben wir oft geträumt, auch für die Tretrollerrennen), Kinder sind nicht mehr zu sehen. Dafür eine Menge Autos, auf den wenigen freien Grünflächen entstanden neue Häuser und so wird sich die Anzahl der PKW wohl mehr als verzehnfacht haben. Und den für die Streuung zuständigen Gemeindearbeiter kennt sicher keines der Kinder mehr und er würde sich wohl kaum von einer kleinen, ihn umringenden Schar davon überzeugen lassen, dass die Verkehrssicherheit weniger wichtig sei als eine Schlittenbahn. "Unser" alter Herr Wagner, immer freundlich, immer betrunken, den ich nie anders als in seiner blauen Arbeitskleidung gesehen habe, hat die Zeichen der Zeit auch nicht verstehen wollen. Nach seinem Ruhestand wollte er von solcher Ruhe nichts wissen, er hat weiter tagtäglich seine Montur angezogen und sich auf den Straßen nach Arbeit umgesehen. Einmal Straßenkehrer, immer Straßenkehrer, und so sah man ihn Sommer und Winter mit Schaufel und Besen durch sein "Rayon" ziehen, ausbessern, wegräumen, streuen, kehren. Zuerst wurde er nur aufgefordert, dies zu unterlassen, später ein harsches Verbot ausgesprochen. Das sein vom Alkohol zerstörtes Gehirn kaum noch erreicht haben dürfte, aber der Zustand war "untragbar", er wurde mit sanften Druck in die Psychiatrie gebracht, Alkoholentzugsstation B5. Das Überraschende: Herr Wagner blieb trocken, er, der tatsächlich weiße Mäuse gesehen haben soll, auch anderes Kleingetier. Die Erwachsenen hatten mit diesen Erzählungen auf ihre Sprösslinge pädagogisch einzuwirken versucht, die Gefahr des Trinkens beschworen. Sonst würde es uns "ergehen wie dem Wegmacher". Mir wollte dieses fleischgewordene schlechte Beispiel keine rechte Angst machen, ich hatte Tiere gern, auch den Herrn Wagner, der immer freundlich war im Gegensatz zu den meisten anderen Erwachsenen, auch "als Straßenkehrer" zu enden schien mir nicht weiter schlimm - im Gegenteil: Wie viel wünschenswerter schien eine solche Tätigkeit als ruhig in der Schule sitzen zu müssen, sich 50 Minuten nicht bewegen dürfen, Angst haben zu müssen, Schläge zu bekommen. Straßenkehrer, das war Freiheit, Herr Wagner, das war Freundlichkeit, der mir manchmal über den Scheitel strich, ein nettes Wort sagte, zwischen der Furcht von der Lehrerin und der Furcht vor zu Hause eine kleine Freiheit auf dem Schulweg. Im übrigen ist der alte Mann auch im nüchternen Zustand weiter losgezogen, um seiner Berufung nachzugehen, hat weiterhin Eisflächen mit Sand und Sägespänen bestreut, Gehsteige gereinigt, Papier aufgehoben. Und die Erwachsenen, die sich vorher über seine Trinkerei echauffierten, haben ihm dann immer wieder Bier und Wein angeboten und ihren Spaß dabei gehabt, wenn er energisch ablehnte, sich sein kleines Gesicht verzog oder er gar die Flucht ergriff. Irgendwann, immer kleiner, gebückter werdend, war er verschwunden, seine Frau, ebenso klein und unscheinbar, trug statt des Rautenmusterkopftuches nun ein schwarzes, überlebte ihn aber nur um wenige Monate. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 1. Juni 2007, 14:07 Ein Buch aufschlagen, drinnen die Liebeserklärung sehen, an mich gerichtet vor einem Vierteljahrhundert. "Ich liebe Dich!" Das Rufzeichen dahinter wuchtig, lässt keinen Zweifel zu, so, genau so war das gemeint. Vor Jahren hab ich das letzte Mal mit ihr gesprochen, ein wenig peinlich berührt von der ernsthaften Wichtigkeit, mit der sie ihr Berufsleben schilderte, Worte wie "Wirtschaft" oder "Arbeitsmarkt" verstören mich nicht nur bei Politikerreden. Der Tribut an die Höflichkeit gebot ihr, sich auch nach meinem Tun zu erkundigen, zwischen vorgeblich interessiert und verständnislos, naja, du halt, irgendwie klang auch ein ganz klein wenig Bewunderung durch, man kann offenbar auch anders leben, nun müsse sie aber weg, Assessement, der Betrieb brauche neue Mitarbeiter, da müsse man halt genau hinschauen, was sich da nicht alles bewerbe, das Handy klingelte, ja, man möge warten, sie komme gleich. Ein verständnisheischendes "ich muss" - und ich habe Verständnis, natürlich, der Arbeitsmarkt heutzutage und die unzähligen Uni-Abgänger, die doch nichts Rechtes gelernt haben, sie hat ohnehin nicht gemerkt, dass ich kaum ein Wort sprach, nur zuhörte, erstaunt, wie ein Blick in Nachbars Garten, wo man lauter salutierende Pflänzchen sieht, die man ansonsten nur aus dem Fernsehen kennt. Damals war das "Ich liebe Dich!" nebst Rufzeichen ernst, wir haben es uns zwar schwer gemacht, dieses Liebhaben, aber hingen ganz schrecklich aneinander - trotz oder wegen der fortgesetzten Katastrophen. Im Wiedersehen hab ich das Mädchen von damals kaum noch erkannt, ihre verträumte Langsamkeit, das Nachlässige in aller Pflichterfüllung, die Missachtung von Konventionen. Natürlich, jugendlich das, aber seltsam immer zu beobachten, dass jene, die in Aussehen und Verhalten oppositionell, fast revolutionär anmuteten, später zu den Stützen des Systems gehören. Während ich weder als Jugendlicher besonders jugendlich war, noch als Erwachsener erwachsen wurde. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Sonntag, 29. April 2007, 19:40 Ausländer waren in meiner Jugend ausschließlich "Tschuschen". Sie hießen Brankovic oder Mikulcic, Vuko, Slavko, Boso und kamen aus dem ehemaligen Jugoslawien. "Jugos", zwischen Bosniern, Kroaten, Serben, Montenegrinern wurde nicht unterschieden, Mazedonier gab es nicht, der Geschichteunterricht zählte sie zu den Griechen. Einzig die Slowenen hatten einen Sonderstatus, die A-Kategorie der Tschuschen, sie hatten ja einmal "zu uns gehört", die historische Verbindung von Steiermark und Krain zeichnete dafür verantwortlich. Wobei es mit den Grenzen nicht gar so genau genommen wurde, Istrien wurde auch noch zur zivilisierten Welt gezählt, Rijeka, das oft noch Fiume hieß, ebenso Triest, das ein (der) österreichische Hafen war (und ich erinnere mich noch an das kindliche Staunen, dort nur italienisch sprechen zu hören) oder Varazdin, das allein schon durch die oft gehörte Operettenmelodie im samstäglichen Wunschkonzert den Anschluss an Österreich nie ganz verlor. Schon damals gab es "gute" und "schlechte" Ausländer, wie es 30 Jahre zuvor gute und schlechte Juden gegeben hat. Dass man diese Unterscheidung überhaupt traf war bereits als Akt der Toleranz anzusehen, damit wurde den Ausländerhassern, zu denen man sich selbstverständlich nicht zählte, eine zivilisierte Einstellung vorgehalten. Dass durch den Hinweis, es gäbe auch "Gute" unausgesprochen auf eine überwiegende Menge an "schlechten" Jugos hingewiesen wurde, dass dadurch diese "zivilisierte Einstellung" jene der Ausländerhasser bestätigte, war für das Kind spürbar, ihm wurde zwischen den Zeilen vermittelt, dass unter den Gastarbeitern in Ausnahmefällen auch angenehme Menschen zu finden seien. Niemand hätte sich die Mühe gemacht, eine solche Unterscheidung bezüglich Tirolern oder Salzburgern zu treffen - und wenn davon die Rede war, dass es auch unter den Österreichern "Gesindel" gab, so wurde damit die statistische Umkehrung vorgenommen: Es gab hier auch Faule, Arbeitsscheue, während es unter den Jugos auch Fleißige gab. Lange Zeit glaubte ich, dass alle "Tschuschen" bei der städtischen Müllabfuhr arbeiten würden, es waren die einzigen, die ich in meiner Kindheit zu Gesicht bekam. Der Opa der Nachbarskinder wusste viele Geschichten zu erzählen, Messerstechereien kämen vor, arbeitsscheu seien sie und gleichzeitig würden sie den arbeitsfreudigen Österreichern die Arbeit wegnehmen. Die Widersprüche fielen mir schon damals auf, vor allem jene Hinweise auf die den Tschuschen angelastete Arbeitsscheu, die sich mit den ständig schwitzenden, keuchenden Müllmännern nicht in Einklang bringen ließ. Aber dieser Opa war nett zu uns Kindern, schenkte uns immer wieder mal Geld oder Süßigkeiten und so hatte ich keinen Grund, an seinen Ausführungen zu zweifeln. (Dass ausgerechnet sein Lieblingsenkerl nach zwei unglücklichen Ehen mit Österreichern einen "Tschuschen" heiraten, mit ihm mehrere Kinder haben und in dem vom Opa vererbten Häuschen mit diesem "Jugo" wohnen würde, hätte ihn bei bloßer Vorstellung ins Grab gebracht. - Ich weiß übrigens nicht, woran er verstorben ist ...) Andere Ausländer gab es nicht, nicht im Alltag. Türken durchquerten Österreich in unzähligen Fort-Transit-Bussen, zu den Italienern fuhr man auf Urlaub, hatte ansonsten aber nur pejoratives Vokabular für sie übrig - Katzlmacher, außerdem hatte man zwei Weltkriege dieser unzuverlässlichen südlichen Nachbarn wegen verloren. Deutsche gab es noch, Piefke, die schon damals in Sandalen, Socken und kurzen Hosen verächtlich-freundlich behandelt wurden, waren es doch die reichen Nachbarn, Flachlandtiroler, denen man von Gemseneiern erzählen konnte, die man aber als Haupteinnahmequelle für den Fremdenverkehr nicht verärgern wollte und über deren Arroganz man sich nur still und heimlich hinter ihrem Rücken ausließ. Sonst: Natürlich, Neger, das gab's, zum Glück blieben die meistens in Afrika; und als ich später von Reinhard P. Gruber den "Hödlmoser" las, hab ich die dort vorgenommene Charakteristik einer steirischen Bezirksstadt sehr gut verstanden: In Fohnsdorf war noch nie ein Neger. Ein solcher Schwarzer war ein potenzierter Ausländer und Tschusch, da wurden auch keine Beschönigungsversuche unternommen, "die sind anders". Später geschah das unerhörte, ausgerechnet ein Mädchen aus unserer Straße hat "so einen" geheiratet. Das könne nicht gutgehen, und vor allem die Kinder würden es schwerhaben. Man selbst habe zwar nichts gegen solche Kinder, die Gesellschaft aber würde solches nicht akzeptieren. Der eingeheiratete Schwarze schien schon bald allen Klischees zu entsprechen, er war offenkundig faul, lag ständig im Liegestuhl vorm Haus, sein seltener Einsatz beim Rasenmähen war Gesprächsstoff für viele Abende. Wie langsam er gegangen sei, schon nach einer halben Stunde habe er pausiert, natürlich im Liegestuhl und gelacht habe er noch und freundlich gegrüßt, vom Rasen wolle man gar nicht reden. Mähen könne man das nicht nennen, naja, im Urwald würden sie das ja auch nicht nötig haben. Dass die Ehe schon bald zerbrach war nur folgerichtig. In allem sah man sich bestätigt, Mitleid hatte man bloß mit den Kindern, die würden es "halt schwer haben". Wurde über das Zerbrechen von Beziehungen ansonsten viel spekuliert, so war hier die Ursache sofort ausgemacht, sie konnte einzig nur im "Anderssein" bestanden haben. Verbindungen sollte man überhaupt nur mit Einheimischen eingehen, hier wurden auch die Deutschen (mit Ausnahme der Bayern) zur verächtlichen Gruppe gezählt. Oft habe ich von der Heirat meiner Tante Abwertendes gehört, sie hatte einen Norddeutschen zum Mann, aber "einen solchen" hätte sie bei uns auch gefunden, da hätte sie keinen Piefke nehmen müssen, an dem sei wahrlich nichts Besonderes, solche gäbe es wie Sand am Meer. Und überhaupt, wie der spreche - seine Sprache wurde nachgeäfft, der seltsame Dialekt (wenngleich er im Gegensatz zu den Kritsierenden Hochdeusch sprach), die Tante selbst rede schon seltsam, glaube nun wohl sie sei was Besseres. Als es auch in dieser Verbindung zu kriseln begann nahm man das mit großer Genugtuung zur Kenntnis; eben, man habe es ja schon vorher gewusst, dafür musste sie einen nehmen, der an der Nordsee wohnt. Aber als sich schließlich mehr und mehr herauskristallisierte, dass die Schwierigkeiten sehr viel mehr mit der Tante als mit dem Piefke zu tun hatten, griff man wieder zur Theorie der interkulturellen Unverträglichkeit. Sowas geht eben nicht gut, natürlich, so ein Piefke ist kein Tschusch oder gar Neger, aber trotzdem die sind halt anders, Piefke halt. - - - - ... Link (1 comment) ... Comment philit, Mittwoch, 17. Januar 2007, 17:31 Nein, es war früher nicht besser. Aber es wäre schön, wenn es besser gewesen wäre. Oder: Wenn man das irgendwann sagen könnte von der Vergangenheit. Denn dann hätte es eine Gegenwart gegeben, die gut war. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Dienstag, 16. Januar 2007, 17:54 Nur einmal wöchentlich wurde der Badeofen geheizt, Samstag war Waschtag. In vorbestimmter Reihenfolge wurden wir in die Wanne getrieben, ich als letzter, was mir erlaubte, bis zum völligen Erkalten des Wassers liegen zu bleiben in der dampfig warmen Luft. Reinsetzen, die Temperatur gerade noch ertragen, dann - ein mir heute unverständlicher Luxus, da ansonsten überall gespart wurde - eine nach Fichtennadeln duftende Essenz ins Wasser geben - und Schaum schlagen. Je mehr desto besser, eingehüllt von oben bis unten und die Wanne fast überquellend. Dann darin versinkend, träumend, Geschichten erzählend. Und nicht selten hab ich über all dieser Träumerei auf das Waschen vergessen, lag die Seife noch unberührt, wenn man mich wegen des kalten Wassers zitternd wieder aus dem Bad vertrieb. Ansonsten das tägliche Ritual in der Küche, kaltes Wasser in einer "Lavur", zitternd, von einem Bein auf das andere hüpfend und froh, wenn die Prozedur unter der mehr oder weniger freundlichen Mithilfe der Mutter überstanden war. Für diesen alltäglichen Waschvorgang hatte ich nur im Sommer wirkliches Verständnis, das Spielen draußen, herumlaufen, schwitzen machte solches erforderlich. Im der kalten Jahreszeit allerdings hab ich mich einmal bitter beklagt, saß ich doch nur auf meinem Zimmer und sah alle jene Notwendigkeiten, die in wärmeren Tagen auf einleuchtende Weise den Waschvorgang unabdingbar machen, nicht gegeben: "Muss ich mich jetzt im Winter auch schon jeden Tag waschen?" Ich musste, der Beschwerde wurde nicht stattgegeben, im Gegenteil: Dieser nach meinem Dafürhalten stringente Einwand wurde mit Lachen quittiert, ich konnte noch so oft darauf hinweisen, dass ich den ganzen Tag über keine Gelegenheit gehabt hatte, in Schweiß zu geraten oder mit Schmutz in Berührung zu kommen. Bis ich wütend, weil keines meiner Argumente gehört ward, die Bemerkung fallen ließ, dass möglicherweise es mit der Sauberkeit in Haus und Zimmer nicht zum Besten stehe. Das allerdings hätte ich besser nicht gesagt. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 13. Januar 2007, 20:33 Sie hatte mich die ganze Zeit über mit der Verkleinerungsform meines Namens angesprochen, ein "i" angehängt - und das hatte was Zärtliches, ging mir nahe und ich fühlte mich geborgen in dieser Anrede. Und auch dass sie mich "gut" nannte, wofür ich meinte, niemandem je Anlass gegeben zu haben, berührte - und beschämte mich, weil ich der Überzeugung war, solches nicht verdient zu haben. Aber wie sie es sagte wurde ich es auch, ich hatte Mitleid und war tatsächlich von Zuneigung erfüllt, sie nannte mich einen lieben Jungen und schuf dadurch in mir das Gefühl, tatsächlich ein solch lieber Junge zu sein. Aber im Kopf des 14jährigen ließ sich das noch nicht ordnen, nicht zu einer klaren Aussage formen, sondern hinterließ nur tiefe Verwirrung. Dieses unzeitgemäße Hineinsehen in die Erwachsenenwelt machte mir Angst, zeigte mir, dass auch über das jugendliche Alter hinaus die Welt in Unordnung und Schrecken bleiben konnte, zeigte mir auch die beginnenden Verschlingungen mit dieser Welt anhand meiner Freunde, die all das offenbar schon kannten. Diese streng voneinander getrennten Räume der verschiedenen Lebensalter begannen durchlässig zu werden, und ich merkte, dass das Unglück überall sei. Während ich zuvor geglaubt hatte, dass diesen Gruppen eine genau geschiedene Aufteilung zugrunde liegen würde: Diejenigen, die unglücklich sind - und die anderen, die dieses Unglück verursachen. Einige Jahre später wurde sie am Dachboden erhängt gefunden. "Am helllichten Tag", dies wurde ihr noch im Tode angekreidet, so etwas tut man bescheiden und still und mit möglichst wenig Aufhebens. Ob ihre damals erhobenen Vorwürfe alle der Wahrheit entsprachen, weiß ich nicht, ich habe tatsächlich nie mit jemandem von diesem Vormittag gesprochen. Ich weiß allerdings, dass sie oftmals gelogen hat - wie ich ebenfalls weiß, dass die Söhne zu solchen Dingen fähig gewesen sind. Das klingt ungeheuer - ist es aber nicht: Diese Welt ist nicht mit denselben moralischen Kategorien messbar. Nicht besser, nicht schlechter - anders. Auch zwischen glänzenden Armaturen und nach Zitrone duftenden Küchen gibt es Ungeheuerlichkeiten. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Samstag, 13. Januar 2007, 18:17 Im Treppenhaus abblätternde Ölfarbe, die Holztür neben der Klinke glattpoliert von den vielen Händen. Steinstufen, in der Mitte ein wenig ausgetreten. Nach dem Drücken der Klingel musste ich immer ein wenig warten, ich wusste meist nicht, ob G. daheim war, manchmal ließ er sich auch verleugnen oder kam nicht an die Tür. Mit dem Rücken an den Stromkasten gelehnt das Lauschen, ob sich Schritte nähern, der Blick umherschweifend. Oben, auf drei Meter Höhe ein Plastikschildchen, Ö.P.T., dass diese Abkürzung mit der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung in Zusammenhang zu bringen war, hab ich erst viel später, als dieses Haus längst abgerissen worden war, verstanden. Immer wieder hab ich während des Wartens diese drei Buchstaben gelesen, Blick durch den Flur, zwei weitere identische Türen, der Aufgang in den zweiten Stock. Nur Ölfarbe und Stein, undenkbar etwa ein Blumenstock, auch nur eines der unsäglichen Türkränzchen. (mv)Nach ein, zwei Minuten Schritte, Türen schlagen drinnen, Blick durch den Spion, dann das Öffnen, nur wenige Zentimeter, die Sperrkette war immer vorgelegt, war es G. oder einer seiner Brüder, musste man noch kurz im Treppenhaus warten, dann zog man ab, auf die Straße, in Gasthäuser. Nur ein einziges Mal hab ich die Wohnung betreten, seine Mutter, meist scheu, zurückhaltend aber freundlich, bat mich herein, sie war aufgelöst, verstört, betrunken. Alles, was ich in der Wohnung sah, war mir peinlich, als ob ich jemanden zu Unzeiten in Unterwäsche erblickt hätte. Der Dreck am Boden, die offene Tür zur Toilette, Blick auf einen halboffenen Spülkasten, die schwarzbraune Farbe des Beckens, der Klomuschel, die am Küchentisch lehnende Frau mit den ungeordneten grauen Haaren, ein zerschlissener Morgenrock, überall Bierflaschen, leer, halbvoll, ihre hilflose Höflichkeit, wie sie mir Bier in eine Kaffeetasse gießt und anbietet, mein Unbehagen und Ekel, schließlich ihr Weinen, auch die Söhne würden sie schlagen, nicht nur der Vater, sie zieht den Morgenrock zur Seite, weist auf rotblaue Stellen hin, da, da auch ... und ich sehe ihren Büstenhalter und die schlaffgraue Haut und mich schüttelt es, hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Grausen, der Wunsch, das alles nicht sehen zu müssen. Die Angst, das jemand kommen könnte, die Söhne, ihr Mann, man würde mich erwischen und ich mich schuldig fühlen, weil ich gesehen habe was nicht für mich bestimmt war. Ich will mich nicht setzen, die Furcht, dann nie mehr wegzukommen, hier sitzen zu müssen in all dem Elend, ihre Tränen, von denen ich glaube, dass sie sich ihrer schämen müsste, bin ich doch noch ein Kind oder aber möchte es wieder sein, bin doch erst 14 oder 15 und Erwachsene dürfen so einfach nicht sein. Oder sie dürfen es sein - aber es nicht zeigen, nicht vor mir zeigen. Aber andererseits weiß ich, dass G. und seine Brüder das tagtäglich sehen, dieses Elend, es nicht nur sehen, sondern auch daran beteiligt sind, während mein Zuhause nicht minder fürchterlich ist, aber blitzblank und sauber, nur dass auch bei uns niemand ins Haus gelassen wurde, weil es ebensoviel oder noch mehr zu verbergen galt. Und dann sitze ich, trinke, und wir suchen nach Feuer für unsere Zigaretten und ich bewundere sie für die Idee, Tabakbrösel auf die E-Herdplatte zu legen und zum Glühen zu bringen. Sie weint nicht mehr und sagt, ich sei ein lieber Junge und wieder bin ich verlegen und weiß nicht was sagen, wahrscheinlich schwänzte ich grade die Schule und betrank mich am Vormittag mit der Mutter meines Freundes. Sie bietet mir auch was zum Essen an, aber der Ekel ist zu groß, der Tisch bedeckt mit Resten, klebrig, feucht, nur die Kaffeetasse ist sauber, ich hab sie selbst über der unsäglich verdreckten Spüle gereinigt. Die Angst aber bleibt, die Angst erwischt zu werden, weil ich Dinge sehe, die mir normalerweise verborgen bleiben, was auch gut so ist und ich in Ordnung finde. Und dann bekommt es auch sie mit der Angst, sie rückt ihren Morgenmantel zurecht, als ob ich die blauen und roten Stellen immer noch sehen könnte und sagt, dass das alles unter uns bleiben müsse, ich solle nichts den Jungen erzählen, auf keinen Fall und im Reden wird ihre Panik und Furcht immer größer und sie drückt mir eine Flasche Bier in die Hand, ich solle jetzt gehen, es tue ihr leid und drängt mich zur Tür, hoffentlich kommt nicht jetzt noch irgendwer, aber niemand kommt und ich stehe wieder im Treppenhaus, Ö.P.T. lese ich und sehe wieder die Ölfarbe und stecke mir die Bierflasche in die Jackeninnentasche, gehe in den Park, leicht betrunken, aber in einem seltsam abenteuerlichen Hochgefühl, als ob ich Großartiges erlebt und überlebt hätte. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment philit, Freitag, 22. Dezember 2006, 15:35 Noch schöner aber das Alleinsein. Aus dem Haus, in den nahegelegenen Wald. Natürlich bedingt freiwillig, weil in jenem Ort die Angst wohnte, hier hingegen Freiheit war. Vergessen. Das hinwiederum hätte ich auch in den Spielen mit den Nachbarskindern finden können, aber diese Spiele waren - wenn auch in sehr viel geringerem Maße - einengend, selbst dann, wenn ich das Programm bestimmen konnte. Der Wald, mit kleinen Bächen, dem niederen Fichtenwald, den riesigen Eichen an einer Lichtung, knorrig, nieder, mit ausladenden Ästen, die zum Klettern einluden wie zu einem Spaziergang. Dazwischen Dornengestrüpp, Unmengen Hollunder, Jägerhochsitze, auf denen viele Jahre später erste Küsse schüchtern ausgetauscht wurden. Damals aber war es mir die Wirklichkeit gewordene Welt der Abenteuerbücher. Das in den letzten Jahren sich verstärkende Mit-mir-selbst-sprechen hat dort seinen Anfang genommen, ich kommentierte mein Sein, Gehen, Klettern - und war wahrscheinlich der einzige Volksschüler, der dies konsequent im Präteritum tat, im Präteritum des sich selbst Erzählenden. Indem ich mich und mein Tun beschrieb konnte ich heraustreten aus mir selbst, ich war Erzähler und Beschriebener, Held und Kommentator, aber nicht mehr jener ängstliche Junge, der Gefahr lief, aus ihm unerfindlichen Gründen bestraft zu werden. Hier entstanden die Träume vom Leben in der Einsamkeit, immer und immer wieder baute ich Unterstände, aus Laub, in Dornengeflecht und grub Löcher. Mit heimlich aus dem Schuppen entwendeten, ungeigneten Werkzeugen wühlte ich tagelang im Lehm, Stein, Sand. Später, größer geworden, dehnte ich meine Abenteuerreisen aus, die wenige Kilometer entfernte Schlucht mit ihren Höhlen, der Möglichkeit des Sich Verbergens, geschützt, im Trockenen, hat in mir noch viele Jahre später ein unbestimmtes Sehnen ausgelöst. - - - - ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2008.12.31, 03:01 Links
Literatur
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Was zu derart Amüsantem
wie Martensteins Glosse führt, darf nicht strafbar sein.
by i. (2008.12.31, 03:01)
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by philit (2008.12.30, 22:07)
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by i. (2008.12.29, 23:51)
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by philit (2008.12.20, 16:42)
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by philit (2008.12.01, 16:40)
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by philit (2008.11.27, 03:10)
War gestern H.s Todestag?
by i. (2008.11.27, 01:46)
tractatus logico-suicidalis - in memoriam
Die schönen Augenblicke sind auch die schrecklichsten. Durch die man...
by philit (2008.11.26, 21:05)
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